Do, 23. November 2017

Infos zurückgehalten

17.05.2017 17:26

Berlin-Attentäter: Anzeige gegen Kriminalpolizei

Neuen Erkenntnissen zufolge hätte der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, bereits vor seiner blutigen Schreckensfahrt in einem Lkw festgenommen werden können. Es sei ein neues Dokument aufgetaucht, das Amri bereits im November gewerblichen, bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen hatte, gab der Berliner Innensenator Andreas Geisel am Mittwoch bekannt. Jetzt werde geprüft, ob das Dokument im Landeskriminalamt möglicherweise vorsätzlich zugunsten Amris zurückgehalten wurde.

Den beteiligten Ermittlern beim Landeskriminalamt wird nicht nur das Zurückhalten von Informationen vorgeworfen, sondern auch der Versuch, diesen Umstand zu vertuschen. Laut Geisel wurden nach dem verheerenden Anschlag im Dezember des Vorjahres Einträge umdatiert bzw. verändert.

"Eine Verhaftung wäre wohl möglich gewesen"
Bisher waren die Ermittler davon ausgegangen, dass Amri nur mit kleinsten Mengen Drogen gehandelt habe, was nicht für eine Festnahme ausgereicht hätte. Diese Einschätzung sei möglicherweise nachträglich verändert worden. "Auf der Grundlage des Straftatbestands gewerbsmäßiger, bandenmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln wäre eine Verhaftung wohl möglich gewesen", so Geisel. So hätte der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche wohl verhindert werden können. Es wurden bereits disziplinarrechtliche Maßnahmen eingeleitet. Vor einer möglichen Suspendierung wolle man die Kollegen anhören. Er gehe von Konsequenzen in den kommenden Tagen aus, sagte Geisel.

Der Tunesier Amri war am 19. Dezember mit einem zuvor gekaperten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast. Er tötete zwölf Menschen, weitere 67 wurden bei dem bisher folgenschwersten islamistischen Terroranschlag in Deutschland teils schwer verletzt. Wenige Tage später wurde Amri auf der Flucht in Italien von der Polizei erschossen.

Amri schon vor Attentat als Gefährder bekannt
Der Asylwerber hielt sich vor allem in Nordrhein-Westfalen und Berlin auf und nutzte diverse Identitäten. Nach dem Anschlag wurde deutlich, dass Amri deutschen Sicherheitsbehörden schon länger als sogenannter islamistischer Gefährder bekannt gewesen und sogar zeitweise überwacht worden war. Verhaftet wurde er nicht. Bekannt ist auch, dass er zeitweise in der Berliner Drogenszene aktiv war.

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