Do, 14. Dezember 2017

Nasser Markusplatz

12.05.2017 08:32

Ungewöhnliches Hochwasser vor Biennale in Venedig

Normalerweise rechnen Einwohner und Touristen in Venedig im Winter mit Hochwasser, im Mai ist es eher ungewöhnlich, dass der Wasserspiegel um über 100 Zentimeter über den Normalstand steigt. Trotzdem bekamen so einige in der Nacht auf Freitag nasse Füße, als der berühmte Markusplatz zwei Tage vor Eröffnung der 57. Kunstbiennale ein paar Zentimeter unter Wasser stand.

Das Hochwasser kam nicht überraschend. Bereits Tage zuvor war angekündigt worden, dass der Markusplatz, der tiefstgelegene Punkt der Stadt, und weitere Teile im Zentrum Venedigs gegen Mitternacht unter Wasser stehen werden. Gerechnet worden war mit einem Steigen des Wasserspiegels um 110 Zentimeter, angesichts der nur wenigen Zentimeter Wassertiefe am Markusplatz dürften der Anstieg nicht ganz so hoch gewesen sein.

Die Venezianer kennen "Acqua alta" zur Genüge - schließlich ist es das alljährlich wiederkehrende Hochwasser, das entsteht, wenn bei besonders starker Flut wie zu Voll- oder Neumond und niedrigem Luftdruck das Wasser stadteinwärts in die Lagune gedrückt wird. Normalerweise dauert es nur wenige Stunden, bis das Wasser wieder abgeflossen ist.

Dinner im "Excelsior" für Wurm und Kowanz
In Venedig startet am Samstag die 57. Kunstbiennale. Von Erwin Wurm und Brigitte Kowanz kommt der österreichische Beitrag. Beim Hochwasser am Donnerstagabend wurde für sie ein Dinner im berühmten Hotel "Excelsior" am Lido ausgerichtet.

Schon von Weitem sticht den Besuchern des Österreich-Pavillons ein vertikal platzierter Lastwagen ins Auge, den Wurm auf die Schnauze gestellt hat. "Stand quiet and look out over the Mediterranean Sea" nennt sich die monumentale Skulptur, die auf schmerzliche Weise den hoch aktuellen Gegenwartskommentar des Künstlers bereits vor Betreten des Pavillons vorwegnimmt. Ein alltägliches Verkehrsmittel, für die Fortbewegung jedoch untauglich geworden, klaustrophobisch der Aufstieg über die Treppen im Inneren.

Erinnerungen an die Flüchtlingskatastrophe auf einer österreichischen Autobahn werden wach gerufen, nur um ganz oben auf der Aussichtsplattform am Heck des Lastwagens scheinbar ad absurdum geführt zu werden: Platz für ein Selfie, einen imaginären Blick auf das Mittelmeer, das in den vergangenen Jahren jedoch nicht mehr nur für Urlaubserholung, sondern auch für den Tod Abertausender Migranten steht.

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