Do, 14. Dezember 2017

Kärntner BZÖ-Prozess

10.02.2017 16:36

Scheuch und Petzner: Ziemlich beste Parteifeinde

Als letzter Angeklagter im Prozess um die Causa "BZÖ-Wahlbroschüre" ist am Freitag am Landesgericht Klagenfurt der freiheitliche Ex-Politiker Uwe Scheuch befragt worden. Schmankerl des Tages war eine Aussage Scheuchs über Stefan Petzner: "Wir waren allerbeste Freunde", sagte Scheuch über den ehemaligen Pressesprecher des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider. "Komisch", antwortete der Richter, "er mag Sie nicht." Darauf reagierte Scheuch fast erleichtert: "Ich ihn auch nicht!" Scheuch ist mit seinen früheren Parteifreunden Gerhard Dörfler, Harald Dobernig und Petzner der Untreue angeklagt.

Zur Erinnerung: Im März 2009 wurde in Kärnten nach dem Unfalltod Haiders neu gewählt. Pünktlich vor dem Urnengang gab's für jeden Haushalt eine Hochglanzbroschüre, aus der die BZÖ-Spitzenkandidaten Dörfler, Scheuch und Dobernig lachten und für die der Steuerzahler 219.000 Euro bezahlen sollte. "Untreue" sagt Korruptionsstaatsanwalt Eberhard Pieber heute. "Alles mit Landesgeldern bezahlt, übers Ziel geschossen", gab auch Petzner Mitte Jänner als Mastermind der Wahlkampfbroschüre zu. Kurz darauf legte auch Dobernig ein Geständnis ab. Er übernehme die Verantwortung für jene Bereiche, wo er verantwortlich gewesen sei, sagte Dobernig.

Scheuch: "Petzner hat gemacht, was er wollte"
Für den damaligen Parteichef Scheuch war's ebenfalls furchtbar: "Als ich das Ding gesehen habe, war ich entsetzt. Typisch Petzner. Er hat gemacht, was er wollte, und war noch stolz drauf."

Trotzdem hat Scheuch zumindest eine 5000-Euro-Überweisung für das Machwerk freigegeben, ebenso Dörfler, damals Landeshauptmann, heute FPÖ-Bundesrat. "Das war schlampig", sagte selbst Scheuch vor Richter Christian Liebhauser - wohl seinem Angstgegner, denn dieser hatte Scheuch einst wegen Korruption in Haft sehen wollen. Das Urteil wurde letztlich abgemildert, Liebhauser und Scheuch begegnen einander mittlerweile ausgesucht höflich. Das Verfahren um die Broschüre geht nach den Kärntner Semesterferien am 22. Februar weiter.

Petzner nahm die Aussagen Scheuchs scheinbar augenzwinkernd zur Kenntnis, wie sein Posting auf Twitter beweist.

Dörfler: "Wusste von nichts"
Interessant: Während Scheuch, Dobernig und Petzner Fehler in der Causa zugaben, will Dörfler von all dem nichts gewusst haben. Die Broschüre habe er vor ihrer Versendung nicht gesehen und bei den Foto- und Videoaufnahmen dafür nicht gewusst, wofür diese gemacht wurden, sagte er am Donnerstag bei seiner Einvernahme.

Kerstin Wassermann, Kronen Zeitung/krone.at

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