Mi, 22. November 2017

IS-Angriff?

08.02.2017 19:52

Afghanistan: 6 Rotkreuz-Mitarbeiter erschossen

Im Norden Afghanistans sind am Mittwoch sechs afghanische Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes erschossen worden. Laut dem zuständigen Rotkreuz-Sprecher Thomas Glass werden zudem zwei weitere Mitarbeiter vermisst. Hinter dem Angriff auf die humanitären Helfer in der Provinz Jowzjan wird die Terrororganisation Islamischer Staat vermutet. Diese hatte sich zuvor zu dem blutigen Anschlag vor dem Höchstgericht in Kabul am Dienstag mit mindestens 21 Toten bekannt.

In einer Stellungnahme des Roten Kreuzes hieß es, das Team habe aus drei Fahrern und fünf anderen Mitarbeitern bestanden. Sie seien in einer Gegend südlich der Provinzhauptstadt Sheberghan unterwegs gewesen, "um dringend benötigtes Material für Viehbauern zu liefern".

"Nichts kann abscheulichen Mord rechtfertigen"
"Dies ist abscheulich. Nichts kann den Mord an unseren Kollegen und lieben Freunden rechtfertigen", sagte die Landesdirektorin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Monica Zanarelli. Der Präsident des Roten Kreuzes, Peter Maurer, sagte, der Angriff wirke wie beabsichtigt. Es sei eine riesige Tragödie. "Wir stehen unter Schock." Diese Kollegen hätten einfach ihre Pflicht getan, hätten versucht, selbstlos zu helfen.

Angriff laut Gouverneur durch IS erfolgt
Nach Angaben des Gouverneurs von Jowzjan, Maulawi Lotfullah Asisi, hätten Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat die Männer getötet. Am Morgen hätten die acht Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Bezirk Kosh Tepa "Heu für Herdentiere verteilt", als sie im Gebiet von Chakmakhokor von Mitgliedern des IS angegriffen worden seien. Die sechs Toten seien mithilfe von Stammesältesten geborgen worden. Man versuche nun, die Freilassung der beiden Geiseln auszuhandeln.

Der IS hat eigentlich außerhalb der ostafghanischen Provinzen Nangarhar und Kunar sowie einer Zelle in Kabul keine Präsenz im Land. IS-Kämpfer in Jowzjan wären somit eine Neuheit. Allerdings haben sich in anderen Provinzen ehemalige Taliban oder auch Kriminelle bereits als IS-Kämpfer ausgegeben, zudem wurden Kriminelle von Regierungsbeamten aus unterschiedlichen Gründen fälschlich als IS-Terroristen bezeichnet.

Spanischer Rotkreuz-Mitarbeiter entführt
Erst im Dezember war ein spanischer Mitarbeiter des IKRK in der nordafghanischen Provinz Kunduz aus einem Auto heraus entführt worden. Er kam im Jänner wieder frei. Zur Identität der Entführer hatte die Organisation damals keine Angaben machen wollen. Entlang der Straße und anderswo hatten Taliban seit Monaten Autos und Busse angehalten und nach Angestellten von Nichtregierungsorganisationen und der Regierung sowie Sicherheitskräften durchsucht. Hunderte wurden entführt, Dutzende getötet.

Rotes Kreuz setzt Arbeit in Afghanistan aus
Ein Talibansprecher erklärte allerdings am Mitwoch, die Taliban seien an dem jüngsten Vorfall nicht beteiligt gewesen. Die Täter seien kriminelle Entführer. Die Taliban würden alles in Bewegung setzen, um die Täter zu finden. Das Rote Kreuz genießt eigentlich bei allen Konfliktparteien in Afghanistan einen besonderen Schutzstatus. Es hat bisher nur wenige Anschläge gegeben. "Möglicherweise haben sich die Zeiten geändert", sagte nun ein Mitarbeiter. Die Hilfsorganisation hat ihre Arbeit vorübergehend eingestellt. Erst wenn die Umstände des Angriffs vollkommen geklärt sind, werde die Situation neu bewertet und die Arbeit womöglich wieder aufgenommen, hieß es.

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Redaktion
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