Di, 21. November 2017

Thema Sicherheit

01.02.2017 06:31

Sechsjährige starb auf Piste: Staatsanwalt prüft

Nach dem tragischen Tod einer Sechsjährigen, die im Tiroler Skigebiet Söll gegen eine Schneekanone prallte, wird heftig über Sicherheit auf Pisten diskutiert. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der Bergbahn etwas vorzuwerfen ist. Für den erfahrenen Fachmann Helmut Lamprecht war die Schneekanone ausreichend optisch abgesichert.

Seit Jahrzehnten wird Helmut Lamprecht als gerichtlich beeideter Sachverständiger bei Fällen wie jenem in Söll zu Rate gezogen. Der langjährige Geschäftsführer der Sparte Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Tirol ist auch immer wieder im Auftrag von Bergbahnen unterwegs, um sie in Sicherheitsfragen zu beraten. Von ihm stammt zudem der seit 1980 herausgegebene Sicherheitsleitfaden für Pisten- und Rettungsdienst. Der Tod der jungen Schülerin aus Bayern hat Lamprecht erschüttert: "Es sind da alle unglücklichen Umstände zusammengekommen."

"Keine gesetzlichen Vorgaben" für Absicherung
Für die Staatsanwaltschaft prüft derzeit ein anderer Sachverständiger den Fall in Söll. Lamprecht kann sich aber nicht vorstellen, dass die Bergbahn als Betreiber des Skigebietes strafrechtlich belangt werden kann. "Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, die die Absicherung bis ins letzte Detail und für alle Fälle genau vorgibt. Jede Situation muss einzeln bewertet werden", beschreibt der Fachmann, warum die Staatsanwaltschaft aktiv wird.

Lamprecht kennt die Piste, auf der sich das Mädchen Sonntag die tödlichen Verletzungen zugezogen hat. Eine flache und breite Abfahrt, auf der die Schneekanone weithin sichtbar ist. "Hier kann man nicht von einer 'atypischen Gefahr' sprechen, die für Skifahrer schwer erkennbar ist und damit eine Falle darstellt." Bei diesen sogenannten atypischen Gefahren bestehe eine Sicherungspflicht. In den meisten Fällen passiert das durch Ummantelung des Hindernisses mit Matten. Die Polster, so Lamprecht, seien aber nur für geringe Geschwindigkeiten bis 20 km/h als Abfederung konzipiert.

Eine "atypische Gefahr" kann der Fachmann im Fall Söll nicht erkennen. Die Schneekanone war mit keilförmig angeordneten Stocknetzen optisch abgesichert. Das entspreche den Empfehlungen der Fachleute und sei laut bisheriger Rechtssprechung ausreichend.

Betroffenheit nach dem Tod der Sechsjährigen
In Söll muss man jetzt auf den Bericht der Staatsanwaltschaft warten. Bei den Mitarbeitern der Bergbahn herrscht tiefe Betroffenheit. Alle denken an die Familie der Sechsjährigen. "Wir werden uns auf jeden Fall mit den Eltern in Verbindung setzen", versichert Geschäftsführer Walter Eisenmann.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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