Do, 23. November 2017

Weltcup-Interview

06.01.2017 19:44

Vorfreude auf unsere Damen-Rennen

Der Startschuss auf der Kälberlochstrecke in Zauchensee. Der Flug über den Zielsprung. Die Tausenden Zuschauer an der Hermann Maier-Strecke in Flachau. Die Krönung der "snow space princess". Wir sind Weltcup! Die "Krone" sprach mit FIS-Renndirektor Atle Skårdal über den Heimbonus und die beiden Orte, die Michael Walchhofer und Hermann Maier Heimat nennen.

"Krone": Sind die Rennen in Flachau und Zauchensee "business as usual"?
Skardal: Nein, sie sind etwas Besonderes. Ich kenne ja alle Leute sehr gut. Dazu kommt das Gefühl, dass man eigentlich zu Hause schlafen könnte.

"Krone": Könnte?
Skardal: Ich tue es dann doch nicht, weil ich das Gefühl, dass ich mitten drin bin, brauche. Wenn etwas ist, muss ich in der Nähe sein, um reagieren zu können.

"Krone": Sie sind mit dem Ski-Tross auf der ganzen Welt unterwegs. Sind unsere Rennen anders?
Skardal: Österreichische Rennen stechen durch Perfektionismus heraus. Jedes Detail stimmt, für uns eine wahre Freude mit solchen Veranstaltern zu arbeiten, es geht nur noch um das kleine Pünktchen über dem ,i’.

"Krone": Kommt das durch die Skination Österreich?
Skardal: Der Skisport hat einen hohen Stellenwert bei uns. Hier macht es extra Spaß, weil jeder weiß: Der Weltcup kommt zu uns, alle stehen dahinter. In Colorado wissen die Leute teilweise nicht einmal, dass wir da sind.

"Krone": Letztes Jahr ist Zauchensee für St. Anton eingesprungen, mit einer Sprintabfahrt und guten Einschaltquoten. Wären Sprintabfahrten nicht eine Idee, attraktiv zu bleiben?
Skardal: Eine gute und skipolitisch schwierige Frage, weil uns für Weltmeisterschaft und Olympia eine Abfahrt von oben nach unten sehr wichtig ist. Eine Chance, den Berg zu bewältigen, jetzt oder nie. Der Druck kommt teilweise von Olympia-Orten, die keine typischen Skiregionen sind. Da wären kürzere Abfahrten leichter zu bewerkstelligen. Aber das ist nicht unsere Philosophie. Das Traditionelle des Abfahrtlaufs mit den Klassikern wollen wir schon beibehalten. Aber man muss sich auch anpassen, was die Leute sehen wollen.

"Krone": Was wäre das?
Skardal: Ich glaube, sie wollen immer wieder Entscheidungen sehen, nicht eine Stunde lang warten. Immer spannend, wie bei den Parallel-Bewerben.

"Krone": Also kein großer Fan von Sprintabfahrten?
Skardal: Wenn es passt, sicher attraktive Rennen, auf dem richtigen Hang sowieso. Zauchensee ist dafür ein Beispiel, sehr attraktiv. Auch für die Athletinnen, wenn sie abschwingen und wissen, woran sie sind.

"Krone": Wie sehen Sie eigentlich Ihre Aufgaben?
Skardal: Das Gesamtpaket. Abläufe, Vorbereitungen, Fernsehübertragungen, dass sich die Athletinnen präsentieren können - ein Weltklasseprodukt von vorne bis hinten. Groß gesprochen, aber so sehe ich meine Aufgabe.

"Krone": Der Skiweltcup wird heuer 50. Ist er "alt", vielleicht zu altmodisch?
Skardal: Nein. Im Mittelpunkt stehen die Sportlerinnen. Sie gehen ans Limit, der Zuschauer weiß: Das könnte ich nicht. Eine Gratwanderung für uns, denn wann ist das Risiko, das Spektakel zu viel und wann ist es nicht genug?

"Krone": Was hat sich verändert, seit Sie nicht mehr um Hundertstel kämpfen?
Skardal: Die Athleten werden immer stärker, technisch besser, risikofreudiger, die Ausrüstung, es ist viel mehr Geld im Spiel, für die Sportler und bei den Fernsehrechten. Die Einschaltquoten steigen ja nach wie vor. Die Sicherheit wird besser durch Sturzräume und perfekte Pistenpräparierung.

"Krone": Flachau und Zauchensee sind 2016 für andere eingesprungen. Eine Mega-Aufgabe, auch finanziell. Würde sich Salzburg mehr "fixe" Rennen verdienen?
Skardal: Grob gesagt, ist es mehr eine ÖSV-Entscheidung als eine von der FIS. Viele Bundesländer müssen bedient werden. Es gab Bemühungen, auch für die Damen klare Abfahrts-Klassiker aufzubauen. Wir haben nicht wirklich eine Lösung gefunden, weil Bad Kleinkirchheim, Zauchensee, St. Anton alle hervorragend sind. Wenn wir einen reinen Klassiker aufbauen, gehen zwei leer aus. Da muss man als Österreicher denken, denn zum Beispiel Tschechien, Bulgarien drängen nach. Wir könnten jedes Jahr drei Weltcupkalender füllen.

"Krone": Ist die Vorfreude auf die Salzburger Rennen groß?
Skardal: Die ist groß, ja. Spannende Rennen, viele Zuschauer, riesiges Interesse, auch von den Medien. Der Jänner ist ja unsere Hauptzeit und die Rennen sind Highlights im Damen-Rennkalender.

Melanie Hutter

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