Mo, 23. Oktober 2017

Von Lkws überrollt

03.12.2016 11:13

Tirol: Mysteriöser Tod von Flüchtlingen auf Zug

Zwei Flüchtlinge, die sich in Italien auf einen Güterzug geschlichen hatten, um so nach Österreich zu kommen, sind in der Nacht auf Samstag auf ihrer gefährlichen Reise getötet worden. Beim Entladen eines Güterzuges wurden drei Menschen, deren Identität noch nicht bekannt ist, von Schwerfahrzeugen überrollt. Für einen Mann und eine Frau kam jede Hilfe zu spät, die dritte Person wurde schwerst verletzt.

Der Güterzug der sogenannten Rollenden Landstraße, die Lkws auf der Schiene transportiert, war am Freitagabend in Verona losgefahren und kam nach einem Zwischenstopp am Brenner kurz nach 1 Uhr in Wörgl an. Anschließend fuhren die tranportierten Lastwagen von den Niederflurwagen ab.

Dabei kam es zum Unglück: Zwei Schwerfahrzeuge erfassten drei Menschen, die sich auf dem Zug versteckt hatten. "Die Lenker hatten die Personen wegen der Dunkelheit nicht bemerkt, obwohl sie zuvor die Keile unter den Fahrzeugen entfernt hatten", sagte ein Polizist. Eine Frau und ein Mann dürften sofort tot gewesen sein, eine dritte Person wurde mit schwersten Verletzungen ins Landesklinikum nach Innsbruck gebracht. Der Zustand des Mannes ist kritisch.

Flüchtlinge dürften bewusstlos gewesen sein
Der Fahrer eines Lastwagens musste vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes betreut werden. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass die drei Flüchtlinge aufgrund der Kälte und des eisigen Fahrtwindes bereits bewusstlos oder gar schon erfroren waren. "Wir gehen davon aus, da die Lkws rund 15 Minuten vor dem Entladen bereits den Motor angelassen hatten", so der Polizist. Das sei notwendig, um die Fahrzeuge hydraulisch wieder hochzufahren. Wären die Flüchtlinge noch bei Bewusstsein gewesen, wären sie beim Starten der Motoren weggelaufen, so die Annahme, die aber erst durch eine Obduktion bestätigt werden müsse.

Trotz der immensen Gefahr begeben sich zahlreiche Flüchtlinge immer wieder auf Güterzügen auf die bedrohliche Reise von Italien über Österreich nach Deutschland. Die Behörden reagieren mit verstärkten Schwerpunktkontrollen. Alleine im Oktober und November verzeichnete die deutsche Bundespolizei 180 Illegale, die auf diese lebensgefährliche Weise eingereist sind. Auch in Tirol wurden schon Flüchtlinge auf Güterzügen entdeckt - etwa Mitte November in Kufstein (zehn Personen) oder am Dienstag zwischen Wörgl und Kirchbichl (vier Personen).

"Es geht hier um Menschenleben"
Die deutsche Polizei zog nun im wahrsten Sinne die Notbremse und führte am Donnerstag und Freitag Schwerpunktkontrollen durch. "Es geht hier um Menschenleben", heißt es. Aufgrunddessen musste auch die viel befahrene Bahnstrecke über das "deutsche Eck" mehrmals gesperrt werden. Damit hat man bei den ÖBB wenig Freude: "Allein am Donnerstag verzeichneten wir bei elf Personenzügen insgesamt 370 Minuten Verspätung", so Sprecher Rene Zumtobel. "Für einen planbaren Zugverkehr ist das nicht akzeptabel."

Weitere Schwerpunktaktionen werden vonseiten der deutschen Polizei nicht ausgeschlossen. Um große Verspätungen und eventuell auch Anhaltungen in Bayern zu vermeiden, werden deshalb nun auch bereits in Tirol verstärkt von Italien kommende Güterzüge kontrolliert - am Freitag erfolgte am Innsbrucker Frachtenbahnhof der Startschuss. Der Zug, auf dem sich nun das Drama ereignete, war von den Kontrollen nicht betroffen.

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