Mi, 22. November 2017

Fidel Castro tot

26.11.2016 18:21

Wo der Kommunismus heute noch am Leben ist

Vor dem Fall der Sowjetunion vor einem Vierteljahrhundert gab es zahlreiche Länder mit kommunistischen Regierungen. 2016 verbleibt nur noch eine Handvoll. Allerdings sind alle von den hehren Zielen von Marx und Engels weit entfernt. Eines der noch verbliebenen kommunistischen Staaten ist Kuba. Mit Fidel Castro ist dort am Freitagabend jener Mann gestorben, der mit der Revolution von 1959 den Grundstein dazu legte.

Je nach Betrachtung gibt es 2016 noch vier oder fünf kommunistische Staaten: Neben Vietnam sind es das kleine südostasiatische Nachbarland Laos, China, Kuba und eigentlich auch Nordkorea. Nordkoreas diktatorische Staatspartei hat den Kommunismus allerdings offiziell durch ihre eigene Staatsideologie (Juche - oder Autarkie) mit starkem Personenkult ersetzt. Vor dem Zerfall der Sowjetunion und der Ostblockstaaten Anfang der 1990er-Jahre herrschten Kommunisten noch in weit mehr Ländern als heute.

Und auch dort, wo der Kommunismus noch lebt, ist nicht viel von dessen Zielen geblieben: China und Vietnam fördern längst Privateigentum und -initiative, es gibt immer mehr Millionäre, und die Kluft zwischen Arm und Superreich wächst. Überall blüht die Korruption, in Kuba und Laos ist der Staat marode. Nordkorea setzt auf Militärgewalt und Atomwaffen, während das Volk hungert. Fest steht: Marx und Engels wären enttäuscht.

Keines der Länder erlaubt freie Meinungsäußerung. Dissidenten werden überall verfolgt. Aber Aufstände sind nicht in Sicht. Laos ist dünn besiedelt, die meisten Menschen leben auf dem Land unbehelligt von der Politik. Viele Kubaner flüchten seit Jahren, setzen aber nun neue Hoffnung auf eine Öffnung durch die Annäherung an die USA. Nordkorea schüchtert sein Volk mit Abschreckung und Arbeitslagern ein. Vietnam, und China setzen auf Wachstum, was vielen Menschen die Aussicht auf materiellen Wohlstand gibt und die Unzufriedenheit in Zaum hält.

Die kommunistischen Länder im Überblick:

China
Mit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichstes Land der Welt. Es hat den Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt seiner Abkehr vom kommunistischen Wirtschaftsmodell zu verdanken. Seit den 1980er-Jahren verfolgt China eine Politik der Reformen und der Öffnung. Die sozialistische Marktwirtschaft funktioniert nach kapitalistischen Methoden. Die kommunistische Ideologie wird gepflegt, dient aber nur dem Erhalt der Diktatur der Kommunistischen Partei.

Vietnam
Nachbarland Chinas, fast viermal so groß wie Österreich, mit mehr als 3000 Kilometern Küste am Südchinesischen Meer. Rund 94 Millionen Einwohner. Ho Chi Minh gründete die Kommunistische Partei in den 1930er-Jahren im Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich. Nach der Niederlage Frankreichs besiegten die Kommunisten auch das US-gestützte Regime in Südvietnam. Seit 1975 regieren sie das vereinigte Land. Seit 1986 gibt es marktwirtschaftliche Reformen.

Kuba
Gut elf Millionen Einwohner, etwa so groß wie einst die DDR. Nach der Revolution von 1959 wandte es sich Anfang der 1960er-Jahre zum Kommunismus und suchte bei der Sowjetunion Schutz vor dem kapitalistischen Nachbarn USA, der zuvor großen Einfluss auf der Insel hatte. Bis 2006 regierte der am Freitag 90-jährig verstorbene Revolutionsführer Fidel Castro. Unter Fidels jüngerem Bruder Raul (85) versucht Kuba seit einigen Jahren mit zaghaften markwirtschaftlichen Reformen, die marode Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

Laos
Armes Nachbarland Vietnams ohne Küstenzugang, fast dreimal so groß wie Österreich. Knapp sieben Millionen Einwohner. Laos war Teil des französischen Kolonialgebiets Indochina. Im Vietnamkrieg wurde es zum meist bombardierten Land der Welt. US-Bomber legten weite Teile in Schutt und Asche, weil vietnamesische Kommunisten sich im Grenzgebiet versteckten. Bis heute sind die Böden verseucht. Nach dem Ende des Vietnamkriegs marschierte Vietnam ein und installierte 1975 die kommunistische Regierung.

Nordkorea
Nachbarland Chinas, eineinhalb Mal so groß wie Österreich, 24 Millionen Einwohner. Die Vereinten Nationen werfen der Diktatur gröbste Menschenrechtsverletzungen vor. Nordkorea hat zwar 2009 alle Bezüge zum Kommunismus aus seiner Verfassung gestrichen. Aber die Arbeiterpartei wurde 1945 als Zweig der ehemaligen Kommunistischen Partei gegründet. An der Spitze von Staat, Partei und Armee steht der Machthaber Kim Jong Un; er "erbte" die Machtposition von seinem Vater. Bereits sein Großvater Kim Il Sung war mithilfe Moskaus an die Spitze der Partei gelangt und wird als Staatsgründer verehrt.

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