Mi, 22. November 2017

Opfer im Spital

14.11.2016 17:35

Patricia: „Hatte Angst, dass sie mir mehr wehtun“

"Ich hatte Angst, dass sie mir noch mehr wehtun, wenn ich mich wehre" - das lässt die 15-jährige Patricia ausrichten, die vergangene Woche von einer Gruppe Teenies brutal zusammengeschlagen worden ist (Video oben). Das Mädchen, das einen Schlag nach dem anderen regelrecht stoisch über sich ergehen ließ, befindet sich mit einem doppelten Kieferbruch im Spital.

"Es geht ihr gut und sie erholt sich schon. Ich soll euch von ihr auch ausrichten, dass ihr euch keine Sorgen machen braucht und dass sie euch allen dankbar ist, dass ihr hinter ihr steht!", schreibt ein Freund des Prügelopfers am Sonntagabend auf Facebook.

Patricia, die am vergangenen Mittwoch von drei gleichaltrigen Mädchen und einem tschetschenischen Flüchtling (16) vor laufender Handykamera misshandelt worden ist, erholt sich im Spital von ihren schweren Verletzungen. "Das Mädchen hatte wirklich Angst. Sie hat in ihrer Einvernahme gesagt, dass sie das über sich ergehen ließ, in der Hoffnung, dass es gleich vorbei ist", berichtete Polizeisprecher Thomas Keiblinger.

Kopfgeld auf Täter ausgesetzt
Indes wird das Video, das die brutale Tat zeigt, weiter tausendfach auf Facebook angeklickt und geteilt. In den Kommentaren äußern sich schockierte User. Empörte Poster setzten sogar ein Kopfgeld auf die Täter aus - nun werden auch diese angezeigt. Aber freilich laufen auch die Ermittlungen gegen die Angreifer auf Hochtouren. Alle Schläger wurden bereits ausgeforscht und wegen schwerer Körperverletzung angezeigt. Es handelt sich dabei um eine 15-jährige Niederösterreicherin, eine 16-Jährige aus Ecuador, die im Bezirk Gänserndorf lebt, eine 16-jährige Wienerin sowie einen 16-jährigen Tschetschenen, der in Wien wohnt.

Die Verdächtigen wurden am Montag einvernommen. Dabei lieferten sie lediglich "fadenscheinige Begründungen für ihr eigenes Tun", sagte Keiblinger. Opfer und Täter kannten einander flüchtig, es gab Überschneidungen mit verschiedenen Freundeskreisen.

Hauptverdächtige amtsbekannt
Gegen die Hauptverdächtige (15), die in einer Sozialeinrichtung für Jugendliche in Niederösterreich lebt, wird außerdem bereits seit Anfang November wegen Nötigung und gefährlicher Drohung ermittelt. Sie soll am 3. November eine ähnliche Tat begangen haben und eine Gleichaltrige niedergeschlagen und mit dem Umbringen bedroht haben. Ein Sozialarbeiter eines Jugendzentrums im Bezirk Tulln hatte die Tat gesehen und die Polizei verständigt, berichtete Keiblinger.

Das blonde, zierliche Mädchen mit "Schlagkraft" soll die Rädelsführerin in der unfassbaren Prügel-Affäre sein. Sie selbst war es auch, die das Video am Wochenende ins Internet gestellt hat - als Warnung, was passiert, "wenn nicht nach ihren Regeln gespielt wird", heißt es bei der Polizei. Dann nämlich schlägt sie augenscheinlich zu.

"Gericht wird keinesfalls Haftstrafe aussprechen"
Mit der gleichen Härte, mit der Patricia verprügelt wurde, werden Gerichte in diesem aufsehenerregenden Fall aber wohl nicht vorgehen (können). Dazu der Wiener Top-Anwalt Alfred Boran: "Die Sache ist klar: Das Gericht wird keinesfalls eine Haftstrafe aussprechen. Und für eine Geldstrafe sind die Tatverdächtigen zu jung." Erwartetes Strafausmaß: maximal Sozialarbeitsstunden. Bis zu drei Jahre Haft wegen Verhetzung hingegen drohen jenen Postern, die auf Facebook ihrer Wut auf die Schläger-Clique freien Lauf lassen.

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