Sa, 16. Dezember 2017

Vorreiter in Europa

04.08.2016 12:04

Norwegens Frauen müssen zum Heer

Gut eineinhalb Jahre nachdem Österreich abstimmte, ob die Wehrpflicht ganz abgeschafft werden sollte, beschlossen die Norweger, dass auch Frauen den Präsenzdienst leisten sollen. Nun müssen die ersten jungen Frauen einrücken und werden gemeinsam mit ihren Landsmännern dem Vaterland dienen.

Norwegen ist in puncto Bevölkerung noch kleiner als Österreich - nur 5,2 Millionen Einwohner hat das Königreich. Derzeit rücken mehr als 1000 junge Frauen des Jahrgangs 1997 in die Kasernen ein. Damit die Gleichberechtigung auch in der Armee gegeben ist, hat das norwegische Parlament im Oktober 2014 mit großer Mehrheit die Wehrpflicht auch für Frauen beschlossen.

Die Skandinavier sind die einzigen Europäer, die diesen Schritt machen. Viele Länder, darunter auch Deutschland, haben die Wehrpflicht bereits ganz abgeschafft oder denken darüber nach. Die Schweiz, die ebenfalls eine kleine Einwohnerzahl hat, nimmt sich an Norwegen ein Beispiel und diskutiert derzeit über die Frauenwehrpflicht. Weitere Länder, in denen diese schon eingeführt ist, sind etwa die beiden Diktaturen China und Nordkorea.

Heer gut vorbereitet
Im vergangenen Jahr gingen die ersten verpflichtenden Musterungsbescheide an Frauen des Jahrgangs 1997 aus. Bereits fünf Jahre zuvor hatte das Musterungsamt freiwillige Einladungen an junge Frauen geschickt. Die Kasernen sind gut auf die Ankunft der Soldatinnen vorbereitet, schließlich hatte die Truppe 2015 bereits einen Frauenanteil von 16 Prozent - damals wohlgemerkt noch freiwillig. Die Damen müssen sich den gleichen physischen und psychischen Tests wie ihre männlichen Landsleute unterziehen.

Auch die Soldaten sind somit schon auf das Eintreffen ihrer Kameradinnen vorbereitet. Wie das Verteidigungsministerium bekannt gab, waren im vergangenen Jahr etwa 12.000 Soldatinnen bei den Streitkräften aktiv. Zwar wurden anfangs Fälle von sexueller Belästigung und Diskriminierung gegenüber Soldatinnen gemeldet, aber diese wurde mit der Zeit weniger. Seit 2014 ist es in einigen Garnisonen sogar üblich, dass die Frauen in den gleichen Schlafräumen untergebracht sind wie die Männer, wenn sie das möchten. Dadurch soll es zu deutlich weniger Ausgrenzung gekommen sein. Durch das Zusammenleben wird der Teamgeist innerhalb der Truppe gestärkt, vollkommen unabhängig vom Geschlecht.

Frauen machen nur kleinen Anteil aus
Von den rund 60.000 Wehrpflichtigen, die jedes Jahr einrücken, wird mit 8000 nur ein sehr kleiner Teil weiblich sein. Der Wehrdienst dauert in Norwegen deutlich länger als in Österreich: Während unsere jungen Männer nach einem halben Jahr wieder ausrücken, dauert der Präsenzdienst im Norden ganze 19 Monate. Aktiv abgedient werden muss davon jedoch nur ein Jahr.

Gänzlich verpflichtend ist die Wehrpflicht aber nicht: Wer absolut nicht einrücken will, wird nicht dazu gezwungen. Zur Musterung muss aber jeder. Dabei geht es hauptsächlich darum, die besten Rekruten zu finden, ganz egal ob männlich oder weiblich. In modernen Zeiten braucht man nicht nur Topathleten, sondern auch Rekruten, die etwa mit Computern umgehen können.

Sexverbot in den Kasernen
Trotz des äußerst emanzipierten norwegischen Heeres gibt es noch ein paar Probleme: Manche Offizieren fordern nämlich, dass das ohnehin schon vorhandene Sexverbot noch stärker hervorgehoben wird. Es sei bereits bekannt, dass man auf Militärgeländen keinen Sex haben darf - das reiche, wie die Armeeführung betont. Wenn es den Vorgesetzten gemeldet wird, dürfen die Rekruten und Rekrutinnen aber untereinander Beziehungen eingehen.

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