Fr, 24. November 2017

Hunderte ertrunken?

03.06.2016 18:17

Schiff mit 650 Migranten bei Kreta gekentert

Bei einer erneuten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind offenbar Hunderte Menschen ertrunken. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration kenterte am Freitag vor der griechischen Insel Kreta ein Boot mit mindestens 650 Menschen an Bord. 340 konnten gerettet werden, zehn wurden tot geborgen. Die restlichen Migranten galten als vermisst und sind laut den Behörden höchstwahrscheinlich ertrunken. An der libyschen Küste wurden unterdessen die Leichen von über 100 Migranten entdeckt (Bild).

Das vor Kreta verunglückte 25 Meter lange Boot kam offenbar aus Afrika und kenterte knapp 140 Kilometer südlich von Kreta. Ein vorbeifahrendes Schiff hatte es entdeckt und die griechischen Behörden alarmiert, wie die Küstenwache mitteilte. Das Boot ging demnach zur Hälfte unter.

Nach Angaben der italienischen Küstenwache hatte am Donnerstagnachmittag bereits ein italienisches Handelsschiff Alarm geschlagen und gemeldet, dass im Grenzgebiet zwischen ägyptischen und griechischen Hoheitsgewässern ein Flüchtlingsboot in Seenot sei. Vier Schiffe, die sich in der Nähe befanden, seien dorthin gefahren. Am Freitagmorgen habe eines der Schiffe dann gemeldet, dass das Boot gekentert sei.

Die griechischen Behörden starteten ihrerseits einen großen Rettungseinsatz. Die Küstenwache schickte zwei Patrouillenboote, ein Flugzeug und einen Hubschrauber los. Fünf Schiffe, die in der Region unterwegs waren, beteiligten sich ebenfalls an dem Einsatz. Sie warfen Rettungsbojen aus, an denen sich die Flüchtlinge festhalten konnten. Es gelang zunächst, 340 Menschen zu retten. Die meisten von ihnen wurden nach Italien gebracht. Zur Nationalität der Menschen wurden zunächst keine Angaben gemacht.

Mehr als 100 Leichen an libyscher Küste angespült
An den Stränden der libyschen Stadt Suara etwa 160 Kilometer westlich von Tripolis wurden unterdessen mindestens 104 Flüchtlinge, darunter zahlreiche Kinder, tot aufgefunden. Ein Sprecher der Marine fürchtete aber, dass die Zahl der Toten steigen könnte. Ob es sich bei den Opfern möglicherweise um Flüchtlinge handelte, die in der vergangenen Woche vor Libyen verunglückten, ist unklar.

Derzeit ist das Wetter gut und die See relativ ruhig, weshalb zahlreiche Menschen die gefährliche Überfahrt über das Meer wagen. Erst am Dienstag hatte das UNHCR erklärt, dass in diesem Jahr bereits mehr als 2.500 Menschen bei dem Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, ums Leben kamen. Dabei gilt die Route zwischen Nordafrika und Italien als erheblich gefährlicher als der Weg über die Ägäis nach Griechenland.

Seit der Schließung der Balkanroute und des Inkrafttretens des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei kommen allerdings kaum noch Flüchtlinge über die Türkei und Griechenland in die EU. Stattdessen gelangen wieder mehr Flüchtlinge von Libyen über das Mittelmeer nach Italien.

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