Sa, 25. November 2017

Bei US-Hinrichtungen

16.05.2016 10:14

Pfizer untersagt Nutzung von Todesmedikamenten

Für die US-Staaten mit Todesstrafe ist die letzte Quelle für erprobte Exekutionsgifte versiegt: Der Pharmakonzern Pfizer hat den Einsatz seiner Medikamente bei Hinrichtungen untersagt. Gegner der Todesstrafe begrüßten am Samstag den Schritt des Unternehmens und sagten, dieser unterstreiche den Widerstand der Pharmaindustrie gegen den Missbrauch ihrer Produkte.

Aufgrund des anhaltenden Mangels an Giftmischungen geht die Zahl der Hinrichtungen in den USA zurück. In einer am Freitag auf seiner Website veröffentlichten Mitteilung erklärte Pfizer, Aufgabe des Unternehmens mit Sitz in New York sei es, Produkte herzustellen, die das Leben von Patienten verbessern oder Leben retten. Daher lehne die Firma die Verwendung ihrer Medikamente in Todesspritzen ab.

Der Konzern erließ nach eigenen Angaben Beschränkungen für Großhändler, Vertriebshändler und direkte Käufer von sieben Medikamenten, die bisher für die Herstellung von Giftmischungen in Todesspritzen genutzt würden oder deren Verwendung dafür erwogen werde. Die Produkte dürfen demnach nicht länger an Gefängnisse oder Justizbehörden abgegeben werden. Behörden, die die Mittel kaufen wollen, müssen nachweisen, dass die Medikamente ausschließlich zur Behandlung von Krankheiten gemäß ärztlicher Verschreibung verwendet werden.

Gegner der Todesstrafe jubeln
Robert Dunham vom Informationszentrum für die Todesstrafe begrüßte den Schritt als "bedeutend". Maya Foa von der Anti-Todesstrafen-Gruppe Reprieve nannte die Entscheidung "beispielhaft". Foa sagte, neben Pfizer hätten inzwischen auch alle anderen von den US-Gesundheitsbehörden anerkannten Hersteller von Exekutions-Medikamenten die Verwendung ihrer Produkte bei Hinrichtungen unterbunden - insgesamt mehr als 25 Pharmakonzerne.

Eine Reihe qualvoller Hinrichtungen 2014 hatte eine Debatte über die in den USA verwendeten Giftcocktails ausgelöst. Die Behörden greifen zurzeit auf kaum erprobte Mischungen zurück, weil sich europäische Pharmafirmen weigern, das zuvor eingesetzte Betäubungsmittel Pentobarbital zu liefern. Zahlreiche Todeskandidaten reichten wegen der fehlenden erprobten Mittel Klage gegen die Vollstreckung ihres Urteils ein, in mehreren US-Staaten wurden Hinrichtungen ausgesetzt.

Weniger Hinrichtungen, wenn das Gift fehlt
Insgesamt wurden im Vorjahr in den 31 US-Staaten, in denen es die Todesstrafe gibt, 28 Menschen hingerichtet. Das war die niedrigste Zahl seit fast 25 Jahren - auch wegen fehlender Giftmischungen. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 wurden nach Angaben des Todesstrafen-Informationszentrums 1436 Menschen hingerichtet.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden