Mi, 23. Mai 2018

Vinterberg-Film

20.04.2016 14:59

Nacktbaden und viel Liebe: "Die Kommune"

"Ich wollte keine Geschichte über eine kaputte Familie schreiben, sondern eine Liebeserklärung an meine Jugend, die ich in einer Kommune zugebracht habe", sagt der dänische Regisseur und Drehbuchautor Thomas Vinterberg über seinen Film "Die Kommune", der am 22. April in Österreich anläuft.

Damals habe man noch geteilt, etwas, das er heute vermisse, sagte Vinterberg ("Das Fest"). Zusätzlich zog er eine Parallele zu der von ihm mitbegründeten Dogma-Bewegung von Filmemachern in Dänemark. Dogma sei durchaus vergleichbar mit dieser Kommune, sagte er. "Als meine Eltern damit begonnen hatten, machten sie etwas, was noch keiner gemacht hatte. Sie sprangen sozusagen mutig von der Klippe. So ähnlich war das mit Dogma." Auch da habe es negative Reaktionen gegeben, so Vinterberg. Viele hätten damals gesagt: Das geht nicht.

Er selbst habe nie an offene Beziehungen geglaubt, sagte Vinterberg. Aber seine Elterngeneration habe es zumindest versucht. Sie hätten sich auf eine mutige Expedition begeben und ihren Kindern viel Verantwortung übertragen. Noch nie hätten in Dänemark so viele Menschen alleine gelebt wie heute, fügte der Regisseur hinzu. Und immer wieder wäre von Einsamkeit gesprochen. "Kauft ein paar Bier, zieht zusammen, schlaft von mir aus miteinander", forderte er.

"Die Kommune" basiert auf einem Theaterstück. Erik, Anna und die Tochter Frija sind eine Familie im Dänemark der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Er ist Architekturprofessor, sie eine bekannte Nachrichtenmoderatorin im Fernsehen. Als sie ein Haus erben, kommt Anna die Idee, andere Menschen mit einziehen zu lassen, um der drohenden Einsamkeit im großen Gebäude zu entgehen.

Alsbald lebt rund ein Dutzend Menschen in der Kopenhagener Villa und bildet eine Wohngemeinschaft, eine Kommune, wie es in jener Zeit in Europa Mode war. Man geht miteinander nackt baden, feiert zusammen Weihnachten, durchlebt die üblichen gruppendynamischen Prozesse.

Als allerdings Erik seine junge Freundin Emma einziehen lässt, bekommt das Projekt eine deutliche Schieflage. Vinterberg gestattet seiner Geschichte aber nicht auf ein konstruiertes Happy End zuzusteuern, sondern lässt das Leben schreiben, und das schreibt unspektakulär, überraschend und mit offenem Ende.

Dabei versagt sich der Film jede Schuldzuweisung am Scheitern einer Ehe. Gleichzeitig gibt er kein Urteil über das Projekt eines Wohnkollektivs ab, zeigt aber dessen Schwächen auf: Das zunehmende Verstricken im Administrativ-Basisdemokratischen, das Verschanzen in der Gruppe, wo individuelle Hilfe nötig wäre. Ein Schluss lässt sich ziehen: In der Not des Einzelnen bleibt das Kollektiv hilflos und kalt.

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