Mi, 23. Mai 2018

Ballettpremiere:

03.04.2016 08:08

"Und der Himmel so weit" an der Grazer Oper

Was liegt hinter uns, was steht uns noch bevor? In seiner zweiten großen Produktion an der Grazer Oper widmet sich der neue Ballettdirektor Jörg Weinöhl gemeinsam mit Komponistin Isabel Mundry der Welt Franz Schuberts. In "Und der Himmel so weit" wandelt er durch Zeit und Raum und lässt dabei Körper Lieder singen.

Die ersten Schritte, die der Mann im zeitlosen Anzug auf der Bühne macht, sind rückwärts. So dringt er zu Isabel Mundrys präzise rhythmisierten Anklängen an den Alltag der Gegenwart in eine biedermeierliche Kammer vor und fegt durch das romantische Standbild. Erst als die ersten Töne aus Schuberts "Unvollendeter" erklingen, erwachen auch die Tänzer in historischen Kostümen zum Leben. Ihre Sehnsucht nach der Natur lässt sie trotz gewisser Zögerlichkeit ausbrechen und im Kornfeld unbeschwerte Stunden verbringen.

Schuberts Fenster in die Gegenwart
Doch diese Produktion will nicht nur zurückführen in die Zeit Schuberts, sondern auch nach deren Bedeutung im Heute fragen. So spielt der zweite Teil des Abends in einer Kunsthalle. Kammer und Kornfeld sind zu stilisierten Museumsstücken geschrumpft. Doch die enge emotionale Verbindung von Bewegung und Musik hat sich kaum gewandelt. Und auch die tollen kompositorischen Eingriffe von Isabel Mundry wollen Schuberts Liedgut nicht vom Tisch fegen, sondern seinem Geist ein Fenster ins Heute öffnen. Getragen vom Grazer Philharmonischen Orchester unter Leonhard Garms schwebt der Abend graziös zwischen Klassik und Moderne.

Führung durch Zeit und Raum
Jörg Weinöhl bringt nicht nur Figuren, sondern auch Gedanken und Begegnungen in Bewegung, macht die (ungesungenen) Texte der orchestral dargebrachten Lieder Schuberts sichtbar. So kann er Motive wunderbar durch Zeit und Raum führen, sie im Laufe des Abends spiegeln und variieren. Saskia Rettig hat dafür Bühnenräume und Kostüme entwickelt, die nicht nur beeindruckende Bilder ermöglichen, sondern immer wieder auch neue Gedankenwelten eröffnen.

Wogender Organismus
Die Tänzerinnen und Tänzer beeindrucken vor allem damit, wie uneitel und frei von Pathos sie über weite Strecken agieren. Präzise aufeinander abgestimmt bilden sie einen wogenden Organismus, der die Produktion im stetigen Fluss hält - bis der Mann im zeitlosen Anzug rückwärts wieder abtritt.

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