Fr, 15. Dezember 2017

Lokalaugenschein

24.03.2016 16:53

Fischsterben: "Bald ist es endgültig zu spät"

"Ich wurde am Bach groß, bin seit 35 Jahren Fischer und nun bald ratlos." Eugen Mihurko ist Fischereiaufseher für das weststeirische Gut Wildbach und beobachtet seit Jahrzehnten, wie der Fischbestand zurückgeht. Die Lage ist mittlerweile dramatisch. Mihurko will aufrütteln, "bevor es endgültig zu spät ist".

Eugen Mihurko ist ein Lebensretter und das vielfach. "Etwa 1000 Fische habe ich im Vorjahr alleine hier auf einem Kilometer Länge retten müssen", sagt er, als er von einer Holzbrücke auf den Gamsbach blickt. An dieser Stelle ist der Bach wie ein Kanal, künstlich begradigt und links und rechts mit Betonplatten verkleidet. "Es wäre schon längst ein Rückbau erforderlich, auch aus Gründen des Hochwasserschutzes", sagt Mihurko.

Er kann innerhalb weniger Minuten mehrere solcher Stellen in Bad Gams und Wildbach zeigen. Besonders dramatisch: wenn das Flussbett eine betonierte Wanne ist. "Das Wasser heizt sich im Sommer so auf, dass die Fische an der erhöhten Temperatur sterben…"

Spirale nach unten begann in den 70ern
Gut 25 Kilometer Fischereigewässer zählen zum Gut Wildbach. 50 Jahre lang war Mihurkos Vater Fischereiaufseher, seit zwei Jahren übt der Sohn die Funktion aus. Die Spirale nach unten begann - wie bei vielen steirischen Gewässern - in den 1970er-Jahren mit drastischen Regulierungsmaßnahmen. Dadurch gingen zahlreiche Lebensräume verloren. Vor allem der Verlust von Nebengewässern, in denen sich Fische bei Hochwasser zurückziehen könnten, schmerzt.

Natürliche Feinde geben "Todesstoß"
Doch das Fischsterben hat noch weitere Ursachen: zunehmende Trinkwasserentnahmen; schneearme Winter und heiße Sommer; die flächendeckende Kanalisierung; die Verbauung am Berg, weshalb das Wasser bei Gewittern manchmal sturzbachartig als braune Brühe ins Tal schießt; nicht zuletzt die spätestens seit dem EU-Beitritt unter Existenzdruck geratene moderne Landwirtschaft.

Den "Todesstoß" geben nun die natürlichen Feinde der Fische, deren Abschuss seit Jahren heiß diskutiert wird: Otter, Reiher, zum Teil Kormorane. Sie haben leichtes Spiel, die noch verbliebenen Fische liegen in den flachen, nur noch selten vereisten Bächen wie auf dem Präsentierteller.

"Wenn Fisch schreiben könnten..."
Für Mihurko ist es unverständlich, dass Fische keine Lobby haben. "Wenn die Tiere unter Wasser schreien könnten, wären alle Tierschützer auf den Barrikaden", ist er überzeugt. So geht ihr leiser Tod weiter. Mihurko kämpft Tag für Tag darum, "seine" Forellen zu erhalten, ist ständig beim Nachbesetzen. "Es ist beinharte Knochenarbeit und ein Kampf gegen Windmühlen. Ich befürchte, dass derzeit für die nächsten Generationen viel verloren geht…"

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