Do, 23. November 2017

Litt an Leukämie

18.03.2016 18:06

D: Ex-Außenminister Guido Westerwelle (54) ist tot

Der ehemalige deutsche Außenminister Guido Westerwelle ist tot. Der frühere FDP-Vorsitzende starb am Freitag im Alter von 54 Jahren an den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung. Dies teilte die Westerwelle Foundation in Berlin mit. Bei Westerwelle war im Juni 2014 - ein halbes Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem Auswärtigen Amt - eine besonders schlimme Form von Blutkrebs diagnostiziert worden.

"Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt. Guido Westerwelle und Michael Mronz, Köln, den 18. März 2016", schreibt die Foundation auf ihrer Website.

Gauck: "Er hat sich um unser Land verdient gemacht"
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck ehrte Westerwelle am Freitag in Berlin als "leidenschaftlichen politischen Menschen": "Er wird uns als ein leidenschaftlicher Demokrat und Europäer in Erinnerung bleiben. Guido Westerwelle hat sich um unser Land verdient gemacht." Westerwelle sei seine Aufgaben, "ob in seiner Partei, im Ministeramt oder zuletzt in der von ihm gegründeten Stiftung immer mit großem persönlichem Einsatz angegangen", fügte Gauck hinzu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich "tief erschüttert" über den Tod ihres früheren Stellvertreters. Als damaliger Außenminister habe Westerwelle "mit Herz und Leidenschaft für Frieden und Menschenrechte gekämpft", sagte Merkel am Freitagabend am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. "Für die liberale Bewegung, für die Politik in Deutschland und für mich persönlich ist das ein richtig trauriger Tag", so Merkel weiter.

Der derzeit amtierende deutsche Außenminister, Frank-Walter Steinmeier, kommentierte das Ableben des 54-Jährigen mit folgenden Worten: "Wir haben heute einen Menschen verloren, der unser Land eine ganze Generation lang als Parteivorsitzender der FDP, als Oppositionsführer und dann als Außenminister geprägt hat. Guido Westerwelle war Vollblutpolitiker. Jemand, der sich nie wegduckt und auch in schwierigen Zeiten seine Überzeugungen aufrecht vertreten hat."

FDP-Chef Christian Lindner schrieb auf Twitter: "Mir fehlen die Worte. Guido hat so gekämpft. Die Trauer ist groß."

Buch über Krebserkrankung geschrieben
Über seine Krebserkrankung hatte Westerwelle auch ein Buch ("Zwischen zwei Leben") geschrieben, das er im vergangenen Herbst vorgestellt hat. Damals gab es Hoffnung, dass er die Krebserkrankung bewältigen könnte. Im Dezember musste er sich allerdings erneut ins Krankenhaus begeben, was offiziell mit einer "Medikamentenumstellung" begründet wurde. Seither war er kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen.

Zeit seines Lebens gehörte der Anwaltssohn aus Bonn zu den Leuten, über die die Meinungen auseinandergingen: bewundert, bejubelt, verspottet, verhasst. Zu Beginn der 1980er-Jahre fiel er zum ersten Mal auf: Als im Bonner Hofgarten Hunderttausende gegen die Nachrüstung demonstrierten, stand Westerwelle mittendrin und verteilte Flugblätter - dafür. Nach dem Ende der sozialliberalen Koalition 1982 war er bei der Gründung des neuen rechtsbürgerlichen FDP-Nachwuchses dabei, den Jungen Liberalen. Im Jahr darauf wurde er deren Vorsitzender - der Beginn eines Lebens fast ausschließlich für die Politik.

Politischer Fehler in der Stunde des Triumphs
Der politische Höhepunkt erfolgte im Jahr 2009, als seine Partei mit der CDU eine Koalition einging. Die Versprechen waren groß und die Erwartungen auch. Doch in der Stunde des Triumphs machte Westerwelle einen seiner größeren Fehler: Er übernahm nicht das Finanz-, sondern das Außenministerium. Viele nahmen ihm den Wandel zum Diplomaten nie ab. Nach eineinhalb Jahren verlor auch die eigene Partei die Geduld, Westerwelle musste FDP-Vorsitz und Vizekanzlerposten abgeben. Gezwungenermaßen konzentrierte er sich aufs Auswärtige Amt, wo er sich schließlich auch Respekt erarbeitete.

Auch Ex-CDU-Politiker Lothar Späth verstorben
Wie unterdessen am Freitag bekannt wurde, ist auch der langjährige baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU) verstorben. Der 78-Jährige sei nach langer Krankheit gestorben, teilte die Stuttgarter Staatskanzlei mit. Erst vor zwei Wochen hatte seine Familie öffentlich gemacht, dass er an Demenz litt und in einem Pflegeheim untergekommen war.

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