Di, 21. November 2017

20-Meter-Sperrzone

14.03.2016 22:03

Aufgeheizte Stimmung bei Demos in Wien-Liesing

Insgesamt rund 2000 Demonstranten zweier gegnerischer Gruppen sind am Montagabend bei der Kundgebung gegen "Asyl-Massenquartiere" im Wiener Bezirk Liesing aufeinandergetroffen - und diese waren nur durch eine 20 Meter breite Sperrzone voneinander getrennt. 500 Polizisten und Spezialkräfte waren vor Ort. Die Beamten sprachen von ruhigen Veranstaltungen, es kam lediglich zu zwei Festnahmen. krone.tv war für Sie vor Ort (Video oben!).

Die als "Großdemo" titulierte Kundgebung der FPÖ begann um 18 Uhr auf dem Liesinger Platz. Laut FPÖ erschienen tatsächlich 5000 Demonstranten, Augenzeugen berichteten hingegen lediglich von 500 bis 700. Die Polizei sprach später von rund 1100 Menschen auf der Veranstaltung.

Vizebürgermeister Johann Gudenus betrat gleich zu Beginn der Veranstaltung die Bühne. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir bereit sind, auch für unsere Sicherheit einzustehen. Für unsere Identität. Für den Schutz unsere Frauen und für den Schutz unserer Kinder. Was wir aber in den letzten Wochen und Monaten erleben, ist nicht nur ein Angriff gegen unsere Werte, es ist ein Angriff gegen unsere Frauen und gegen unsere Kinder. Und dagegen wehren wir uns demokratisch und friedlich. So wie heute", so Gudenus.

Strache: "Es muss Schluss sein mit dem Drüberfahren"
Danach ergriff Parteiobmann Heinz-Christian Strache das Wort: "Was den Bürgern hier durch eine monatelange, komplett verpatzte Asylpolitik zugemutet wird, ist ein sozialpolitischer Wahnsinn. Ob gesellschaftlich oder monetär - es sind die Wienerinnen und Wiener, die diese Last zu tragen haben. Das wollen wir so nicht hinnehmen." Der Parteichef wetterte zudem: "Es muss Schluss sein mit dem Drüberfahren über die Wünsche und Ängste der eigenen Bevölkerung." Die Regierung sei längst rücktrittsreif, Neuwahlen seien nötig.

Seit dem vergangenen Sommer seien unzählige Gesetze gebrochen worden. Niemand habe das Recht, sobald er im ersten sicheren Land sei, einfach weiterzureisen: "Es gibt kein Menschenrecht auf Zuwanderung." Auch die Kirche blieb nicht ausgespart, da die Glocken der Gotteshäuser in Liesing am Montagabend aus Protest gegen den Aufmarsch geläutet wurden. Die Kirche solle sich nicht in Politik einmischen, so Strache - der prompt zu einer Schweigeminute für verfolgte Christen in islamischen Ländern aufforderte.

Der blaue Bezirksobmann Wolfgang Jung sagte, dass die FPÖ weiter an der Seite der Bürger stehen werde, die mittlerweile in permanenter Angst leben. Mehr als 7000 Unterschriften wurden bereits gegen das Asylheim in Liesing gesammelt - diesen Bürgerwillen könne und dürfe die rot-grüne Stadtregierung nicht einfach ignorieren, so die Freiheitlichen unisono.

"In Wien ist kein Platz für rechte Hetze!"
An der Gegendemo der Offensive gegen Rechts und der Plattform für menschliche Asylpolitik nahmen laut Veranstaltern 3000 Teilnehmer teil - die Polizei meldete hingegen lediglich 500 Demonstranten. "In Wien ist kein Platz für Rassismus und rechte Gewalt", sagte Magdalena Augustin, die Sprecherin der Offensive gegen Rechts. "Die FPÖ wollte, angelehnt an die deutsche Pegida-Bewegung, die Menschen gegen Asylwerber aufhetzen. Aber der Gegenwind war zu massiv."

Die Kirchenglocken läuteten für fünf Minuten, die Volkshochschule ließ ein Banner mit der Aufschrift "In Wien ist kein Platz für rechte Hetze!" vom anliegenden Gebäude herunterhängen.

Video: Die Gegner der Asyl-Demo versammelten sich in Liesing

Die beiden Kundgebung fanden wie geplant auf dem Liesinger Platz statt - mit nur 20 Metern Sicherheitsabstand. Die Wiener Exekutive war mit 500 Einsatzkräften vor Ort.

Polizei zieht positive Bilanz
Um 19.20 Uhr wurde die FPÖ-Kundgebung offiziell beendet. Hunderte Menschen strömten zurück zur S-Bahn. Die Gegendemo habe sich kurze Zeit später problemlos aufgelöst, so Polizeisprecher Paul Eidenberger. Ein Zusammentreffen der beiden Protestbewegungen wurde verhindert, nicht zuletzt durch umfangreiche Absperrungen rund um den Liesinger Platz.

Die Polizei sprach danach von einem ruhigen Abend, es sei lediglich zu zwei Festnahmen gekommen. Nach einer kurzen Handgreiflichkeit abseits der Gegendemo wurde eine Frau vorläufig in Gewahrsam genommen, wobei es sich bei der randalierenden Person um eine amtsbekannte, psychisch beeinträchtigte Person gehandelt habe, wie es hieß. Die Frau wurde anschließend auf freiem Fuß angezeigt. Am späteren Abend sei dann auch ein Teilnehmer der FPÖ-Kundgebung festgenommen worden, weil er sich aggressiv verhalten habe.

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