Mi, 13. Dezember 2017

Nassereith

09.03.2016 09:26

Flüchtlinge beeinflussen die Stichwahlen

"Ich habe verhindert, dass 250 Asyl- werber nach Nassereith kommen!" Dieser Satz von Bürgermeister-Kandidat Herbert Kröll sorgt vor der Stichwahl am Sonntag für heftige Debatten.

Dann waren es nur mehr 20! Die Rede ist von der Anzahl der Bürgermeister-Stichwahlen, die am kommenden Sonntag über die Bühne gehen. Am Montag hat überraschenderweise der amtierende Ortschef von Westendorf, Anton Margreiter, seine Kandidatur zurückgezogen. Somit ist die Quereinsteigerin Annemarie Plieseis (51) neue Bürgermeisterin. Sie betreibt im Ort einen Geschenksladen.

Flüchtlingsheim für 250 Personen verhindert

Mit Spannung wird auch die Stichwahl in Nassereith erwartet. Dort tritt der bisherige Vize-Bürgermeister und Unternehmer Herbert Kröll von der parteifreien Liste Trendwende gegen Gemeindeamtsleiter Gerhard Spielmann von der ÖVP-Liste an. Spannend wird es vor allem deswegen, weil es seit der Vorwoche nur mehr ein Thema gibt - und zwar die Flüchtlinge! Was war geschehen? Drei Tage nach der Gemeinderatswahl am 28. Februar und einen Tag später, nachdem Spielmann bekanntgab, doch in die Stichwahl zu gehen, sagte Kröll beim Stammtisch, dass es ihm gelungen sei, ein Flüchtlingsheim für 250 Personen am Ortsrand zu verhindern. Das schlug natürlich wie eine Bombe in Nassereith ein und machte - dank Facebook und Co. - natürlich schnell die Runde im Ort.

Viele Gerüchte im Umlauf

Klar, dass die Gerüchteküche gewaltig brodelte. Unter dem Deckmantel der Anonymität wurde die ohnedies schon heiße Story von Hetzern noch gehörig mit Unwahrheiten aufgefettet. Und so war dann in den Weiten des weltweiten Netzes plötzlich zu lesen, dass Kröll verhindert habe, dass "250 Männer, die natürlich alles potenzielle Vergewaltiger sind", nach Nassereith kommen. Außerdem wurde behauptet, dass man seitens der ÖVP alles gewusst, aber bewusst vertuscht hätte

"Es gab einen Vorvertrag"

Aber was ist wirklich geschehen? Die "Krone" hat recherchiert. Fakt ist, dass der frühere FP-NR Klaus Wittauer die einst bankrotte Wellnessfirma Setz in Nassereith aufgekauft hat. Die Halle steht aber seit drei Jahren leer, Wittauer ist seither auf der Suche nach einem Käufer bzw. Mieter. Im Zuge der Flüchtlingskrise ist das Innenministerium auf das Gebäude aufmerksam geworden. "Das war im Oktober. Es gab einen Vorvertrag zwischen dem Ministerium und mir", bestätigt Wittauer der "Krone". Und die 250 Flüchtlinge? Die hätten in der großen Halle theoretisch Platz! Vier Wochen vor der Wahl hat Herbert Kröll in Imst erstmals von diesem Gerücht gehört. "Als ich das eine Woche später auch in Nassereith aufschnappte, habe ich den Kontakt zu Klaus Wittauer gesucht", sagte Kröll gestern zur "Krone".

"Ich wollte das verhindern, was nun passiert ist"

Das Treffen hat Wittauer dann aber bewusst auf einen Termin nach der Wahl gelegt. "Ich wollte genau das verhindern, was nun passiert ist. Dass es zu einer Stichwahl kommt, wusste ich damals noch nicht, leider - sonst hätte ich den Termin noch weiter nach hinten verschoben", sagt Wittauer. Das Treffen zwischen Wittauer und Kröll hat dann am 1. März stattgefunden. "Dabei habe ich Kröll bestätigt, dass es einen Vertrag zwischen dem Ministerium und mir gibt. Kröll hat mich dann gebeten, davon Abstand zu nehmen und mir versichert, bei der Suche nach einem anderen Mieter zu helfen. Daraufhin habe ich mein Objekt zurückgezogen", zeigt Wittauer auf. Eine Woche später ließ Kröll dann die "Bombe" platzen.

Spielmann ist alles andere als glücklich

Spielmann ist über die Vorgangsweise natürlich verärgert. Zumal man ihm auch vorwarf, hier bewusst etwas verschleiern zu wollen. "Weder Bürgermeister Reinhold Falbesoner noch ich haben davon etwas gewusst. Aber es ist für mich beschämend, dass nun mit der Situation der Flüchtlinge und den Ängsten der Bevölkerung Wahlkampf betrieben wird", erklärte Spielmann gestern gegenüber der "Krone".

"Finanzminister wollte kein Geld zur Verfügung stellen"

Interessant ist jenes E-Mail, das Noch-Bürgermeister Falbesoner im Zuge der Recherche aus dem Innenministerium von Michael Takacs erhalten hat. Sinngemäß heißt es darin, dass das Objekt überprüft wurde, doch bereits im Dezember 2015 als ungeeignet eingestuft wurde. Davon will Klaus Wittauer nichts gewusst haben: "Mir gegenüber hat man erklärt, dass das Objekt sehr wohl geeignet wäre. Gescheitert ist es bis dato aber daran, dass der Finanzminister kein Geld zur Verfügung stellen wollte. Als Kröll dann aber zu mir kam, habe ich den Vertrag aufgelöst!" Viel Lärm um nichts oder doch mehr? Wie auch immer: Die Wahl am Sonntag wird es auf jeden Fall beeinflussen! Apropos: Wer am Sonntag nicht da ist, kann schon jetzt eine Wahlkarte in seinem Gemeindeamt beantragen und bereits vorab wählen!

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