Fr, 15. Dezember 2017

"Krone" vor Ort

05.03.2016 15:50

Traiskirchen: Ein steiniger Weg zur Normalität

Wir kennen die Bilder von Menschen, die auf dem Asphalt kauerten, in Zelten Zuflucht suchten. Wir kennen die Geschichten - von Missständen, Massenschlägereien, Übergriffen, Angst vor dem Fremden. Traiskirchen wurde 2015 zum Inbegriff der Flüchtlingskrise! 4300 Asylsuchende wurden auf das Areal der früheren K.-u.-k.-Artilleriekadettenschule 20 Kilometer südlich von Wien gepfercht. Menschenrechtler machte das "unsagbar zornig" beim Besuch im vergangenen Sommer. Die "Krone" schaute acht Monate später erneut vorbei.

Freitag, 13.28 Uhr. Die Sonne scheint. "Sorry", ruft ein Mann über die Straße und kommt. Er hat die Kamera von "Krone"-Fotograf Klemens Groh gesehen, will seine Geschichte erzählen. So war das immer hier in Traiskirchen: Mustafa (36), Soldat aus Syrien, ist seit mehr als einem Monat hier im Lager. Die schwangere Ehefrau und seine drei Kinder ließ er in der Türkei zurück. Nachholen? "Nein. Das Essen ist nicht gut, und drei Familien müssen hier in einem Zimmer wohnen."

Franz Schabhüttl schüttelt ungläubig den Kopf, obwohl er derartige Aussagen kennt. 25 Jahre lang leitet er die Erstaufnahmestelle Ost, erlebt hat er genug. An diesem Freitag marschiert er entspannter über das Areal als im Sommer 2015. Auf der Wiese spielen vereinzelt Kinder, nur wenige Männer lungern herum. Damals musste man sich beim Rundgang durch Menschenmassen drängen.

"Jetzt sieht die Welt anders aus"
Heute sind die 1373 Asylwerber (80 Prozent Männer) kaum spürbar. Die meisten streunen herum. Der Alltag im Lager hat sich jedenfalls geändert. "Ein Dach über dem Kopf war im Sommer das Wichtigste", sagt Schabhüttl. Die Prioritäten haben sich massiv geändert. "Jetzt sieht die Welt anders aus. Oberste Priorität ist wieder die Betreuung." In der Quartiermeisterei werden Neuankömmlinge geordnet und ruhig mit Hygieneartikeln und nagelneuer Kleidung ausgestattet.

Von Spenden hält Schabhüttl seit der Höchstbelegung mit 4300 Menschen nicht viel: "Die Sachen wurden angesehen und weggeworfen. Auch das Gute ist manchmal zu viel. Wir haben hier herinnen alles, was die Menschen brauchen." Auch einen Fitnessraum, der zum Notquartier für 90 Menschen umfunktioniert wurde - und vorerst so bleibt. Denn, so Schabhüttl: "2016 schaut nicht rosig aus."

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