So, 19. November 2017

Übergriffe in Tirol

16.01.2016 11:15

Jetzt spricht Sexmob-Opfer: „Es war ekelhaft“

Es sollte ein unvergessliches Silvesterabenteuer in Innsbruck werden, doch die Nacht entwickelte sich für zwei Tirolerinnen regelrecht zum Albtraum. Inmitten der feiernden Meute am Marktplatz wurden sie von unbekannten Männern mehrmals belästigt, unsittlich berührt und sogar verfolgt. Anzeige bei der Polizei wollten die beiden Freundinnen dennoch nicht erstatten. Der Schreck sitzt ihnen allerdings nach wie vor tief in den Knochen: "Es war ekelhaft."

Am frühen Abend machten sich die 26-Jährige und ihre 21-jährige Freundin auf den Weg nach Innsbruck. "Zunächst gingen wir in einem Lokal in der Altstadt Essen. Wir waren extrem gut gelaunt und freuten uns schon auf eine tolle Partynacht", erzählen die Frauen im "Krone"-Interview.

"Plötzlich streichelte er mich"
Danach marschierten sie zum Marktplatz - die Wartezeit bis Mitternacht wurde mit Auftritten von verschiedenen Künstlern verkürzt. Doch die Stimmung der beiden Freundinnen war ziemlich schnell am Boden. Zunächst standen sie in der Nähe einer Bar. "Nach wenigen Minuten fiel uns auf, dass wir von sehr vielen Männern umgeben waren. Das war anfangs auch kein Problem für uns", erklärt die 26-Jährige und fügt hinzu: "Dann begann ein Mann aus dem Irak, mit uns auf Englisch zu reden. Das Gespräch war nett. Doch plötzlich legte er seinen Arm um meine Schulter und streichelte mich. Dann wanderte die Hand bis zu meinem Hintern hinunter. Es war unangenehm." Jegliche Aufforderung an den Mann, die Tätlichkeiten zu unterlassen, blieb erfolglos.

"Sie lachten mich lediglich aus"
Die Frauen wechselten daraufhin zu einer anderen Bar, doch der Mann verfolgte sie. "Er blieb mit etwas Abstand hinter uns stehen und beobachtete uns. Wir hatten Angst und gingen in die Altstadt zurück", verdeutlicht die Tirolerin. Kurz vor Mitternacht kamen die beiden zurück und drängten sich durch die Massen bis vor zur Bühne. "Auf einmal hat mir jemand in den Hintern gezwickt. Ich drehte mich entsetzt um und sah arabisch oder nordafrikanisch aussehende Männer, die kein Englisch sprachen. Sie lachten mich lediglich aus. Auch die Verwarnung mit dem Zeigefinger half nichts", schildert die Frau.

"Männer wollten uns Küsse aufdrücken"
Ein Einheimischer verfolgte die Szene. "Wir wollten erneut den Platz wechseln. Er bot uns an, hinter uns zu gehen, damit uns keiner nachgehen konnte. Über die Hilfe waren wir sehr froh", sagt die 26-Jährige. Die Freundinnen stellten sich dann zu zwei Pärchen aus Oberösterreich und dachten, dass sie nun sicher wären. "Doch auch hier ging es weiter. Andere ausländische Männer, die nicht betrunken waren, griffen uns ins Gesicht und wollten uns Küsse auf die Wange drücken. Das war ekelhaft", erzählen die beiden Frauen.

Um 1 Uhr war die Stimmung im Keller. Die Freundinnen verließen den Marktplatz, gingen noch in eine Bar und fuhren nach Hause. Erst nach den Geschehnissen von Köln realisierten die Frauen, dass auch sie belästigt und bedrängt wurden. "Ich habe mir vor wenigen Tagen einen Pfefferspray gekauft. In Innsbruck will ich derzeit nicht ausgehen, der Schock sitzt zu tief", sagt die 26-Jährige abschließend.

Aus dem Video-Archiv: Frauen fordern Aufklärung

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