Sa, 25. November 2017

„Das geht so nicht“

09.12.2015 14:16

Erstmals seit 16 Jahren wieder mehr Verkehrstote

Zum ersten Mal seit 16 Jahren ist in Österreich 2015 wieder ein Anstieg bei den Verkehrstoten zu verzeichnen. Nach dem historischen Tiefststand von 430 tödlich Verunglückten im Jahr 2014 stehen heuer bisher bereits 450 im Straßenverkehr Getötete zu Buche. Die Hauptursachen dafür seien Ablenkung am Steuer und mangelnde Gurtverwendung, berichtete Verkehrsminister Alois Stöger am Mittwoch.

"Jeder Verkehrstote in Österreich ist einer zu viel", betonte Stöger bei einer Pressekonferenz in Wien. Seit 1999 habe es hierzulande eine "kontinuierliche Senkung bei Verkehrstoten" gegeben, heuer werde dieser Trend jedoch nicht bestätigt. Othmar Thann, Geschäftsführer des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, prognostizierte für das gesamte Jahr 2015 laut interner Hochrechnung sogar eine Zahl von 470 tödlich Verunglückten im Straßenverkehr. "Das wäre ein Anstieg um fast zehn Prozent", erklärte Thann.

Ablenkung und mangelnde Gurtverwendung
Als Hauptursachen für die vielen Unfälle mit fatalem Ausgang sehen die Experten vor allem zwei Bereiche, nämlich die Ablenkung am Steuer - Stichwort Handy - und die mangelnde Gurtverwendung. 31 Prozent aller im Straßenverkehr getöteten Personen kamen 2015 durch die Folgen von Ablenkung ums Leben. "Freunde, das geht so nicht", möchte Stöger all jenen Personen mitgeben, die am Steuer mit dem Handy telefonieren oder sogar SMS schreiben oder im Internet surfen. In öffentlichen Verkehrsmitteln könne man das sehr bequem machen, so der Minister.

Laut Stöger sind zudem 26 Prozent aller Verkehrstoten auf der Autobahn nicht angeschnallt. Auf Freilandstraßen seien es sogar 32 Prozent. "Durch den fehlenden Gurt werden die Menschen aus dem Auto geschleudert - und das ist fast immer tödlich", schilderte Stöger die Gefahren. "Wäre die Gurtanlegequote in Österreich bei 100 Prozent, hätten wir 60 Getötete pro Jahr weniger", ergänzte Thann.

Ruf nach Ausweitung des Handyverbots
Stöger drängt vor allem auf eine Ausweitung des Handyverbots. Damit sollen neben dem Telefonieren das Lesen von SMS und E-Mails und das Internet-Surfen während des Fahrens explizit verboten werden. Der Gesetzesentwurf war bereits in Begutachtung und wird dem Ministerrat Anfang des nächsten Jahres vorgelegt. Darüber hinaus strebt Stöger eine Änderung des Kraftfahrgesetzes an, da ein Verstoß gegen das Handyverbot bisher nur bestraft werden kann, wenn der Lenker von der Polizei angehalten wird. Das soll sich ändern. Wenn jemand auf einem Radarfoto nicht angeschnallt ist oder telefoniert, soll man ihn in Zukunft laut Stöger dafür belangen können.

Neben diesen zwei Hauptanliegen will man sich auch dem Thema Eisenbahnkreuzungen vermehrt widmen, sagte Stöger. Auf diesen heiklen Querungen kamen heuer bisher 20 Menschen ums Leben. Neue Lichtzeichenanlagen und Schranken sollen die Sicherheit erhöhen, außerdem soll in Kooperation mit den ÖBB die Zahl der Eisenbahnkreuzungen überhaupt reduziert werden.

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