Mo, 11. Dezember 2017

Multiplayer-Spaß

06.09.2015 09:00

Haie gegen Taucher: Tiefsee-Game "Depth" im Test

Spätestens seit Steven Spielbergs "Weißem Hai" sind die Top-Killer der Ozeane für viele Menschen der Inbegriff des blutrünstigen Monsters. Kein Wunder, dass die Tiere seit ihrem ersten Auftritt als Film-Monster 1975 in Dutzenden mehr oder weniger unterhaltsamen Filmen die Hauptrolle spielten. In Games gab es sie dagegen bislang selten zu sehen. Der asymmetrische Mehrspieler-Shooter "Depth" ändert das und schickt Spieler wahlweise als Hai oder Taucher in die Tiefe.

Haie gegen Taucher: So simpel ist das Spielprinzip von "Depth". In dem Actionspiel treten in flotten Online-Kämpfen sechs Spieler gegeneinander an, wobei vier von ihnen in die Haut von Tauchern schlüpfen und die anderen beiden als stromlinienförmige Tötungsmaschinen Jagd auf sie machen. Das erinnert ein bisschen an "Evolve", nur dass hier eben Haie statt Monstern und Taucher statt Jägern die Hauptrolle spielen.

Weil es sich um einen Multiplayer-Titel handelt, fehlt "Depth" eine richtige Handlung. Einen Grund, wieso sich die Taucher in die Tiefe aufmachen, gibt's trotzdem. Sie sind Schatzjäger und hoffen auf fette Beute, durchforsten gemeinsam mit ihrem Tauchroboter alte Wracks nach Edelmetall. Und die Haie? Na ja, die haben nun mal Hunger.

Beklemmendes Gefühl als Taucher
So weit so gut, aber wie spielt sich das nun? Ziemlich gut, finden wir. Im Test konnte "Depth" atmosphärisch überzeugen. Das Gefühl, als Taucher in einem spärlich beleuchteten Schiffswrack mit der ständigen Bedrohung konfrontiert zu sein, die Zähne eines mehrere Meter langen Hais ins Fleisch gerammt zu bekommen, ist beklemmend und sorgt für Nervenkitzel.

Dazu trägt auch die gelungene Soundkulisse bei. Die Hintergrundmusik passt sich dem Geschehen am Bildschirm an, wird schneller, wenn ein Hai in der Nähe ist. Und der Herzschlag des Tauchers beschleunigt sich, wenn sich ein Raubfisch nähert. Schlägt dieser zu, folgt ein ganz besonders intensiver Schockmoment: Nämlich jener, zur Hälfte im Maul der Bestie zu stecken, hin und her geschüttelt zu werden und gerade noch genug Zeit zu haben, um dem Hai zwei, drei Mal das Messer in die Schnauze zu rammen.

Blutrünstiger Jäger der Meere als Hai
Das Spielgefühl als Hai wurde ebenfalls gut eingefangen. Während die Taucher aus der Ego-Perspektive gesteuert werden, lenkt man den Hai – mehrere Arten stehen zur Auswahl - aus der Third-Person-Ansicht. Im Gegensatz zum behäbigen Taucher sind die Killer der Meere bedeutend schneller unterwegs, können ihre Opfer dank ihres Seitenlinienorgans schon von Weitem orten – und so genau im richtigen Moment zuschlagen, etwa wenn sich ein Taucher von seinen Teamkollegen entfernt.

Spielumfang eher überschaubar
Während das Spielgefühl als Taucher oder Hai gut getroffen wurde, mangelte es "Depth" im Test ein wenig an Spielumfang. Letztlich bietet der Titel nur einen Spielmodus und eine Handvoll Mehrspieler-Karten, die sich recht ähnlich sind. Statt sonnendurchfluteter Riffe mit bunten Koreallen gibt's meist nur dunkle Wracks und Höhlen in der Tiefe, in denen die Taucher nach Schätzen suchen. Immerhin: Es kommen immer wieder Updates, ein Editor für Map-Experimente durch die Community steht ebenfalls zur Verfügung.

Dass "Depth" trotz überschaubarem Umfang nicht so schnell langweilig wird, verdankt das Game freischaltbaren Waffen und Fertigkeiten. Als Taucher verdient man mit gewonnenen Partien und harpunierten Haien Credits, die in neue Waffen – es gibt ein stattliches Sortiment an Pistolen, Gewehren und Harpunen – investiert werden. Als Hai erlangt man durch getötete Taucher Fähigkeitspunkte, die man etwa in mehr Gesundheit oder größere Beißkraft investiert.

Multiplayer-Balance geht in Ordnung
Die Balance im Mehrspielermodus haben die Entwickler von Digital Confectioners gut getroffen, auch wenn in zufällig zusammengewürfelten Partien die Haie mitunter im Vorteil sind. Denn: Als Taucher liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, sich permanent gegenseitig zu decken und sofort auf Hai-Attacken reagieren zu können. Im Durcheinander einer Random-Gruppe passiert das nicht immer.

Als Hai ist man hier im Vorteil, schließlich muss man nur auf Taucher achten, die sich von der Gruppe entfernen und dann rasch – zubeißend und das Opfer schüttelnd – zuschlagen. Dass die großen Haie in der Enge mancher Wracks unter eingeschränkter Bewegungsfreiheit leiden, schmälert ihren Vorteil zwar wieder, dafür dürfen sie an bestimmten Stellen aber auch Wände durchbrechen und die Taucher so überraschen.

Generell gilt: Am meisten Spaß macht "Depth", wenn man sich mit Freunden zusammentut und das gemeinsame Vorgehen abspricht. Dann ist das Game auch ziemlich ausgeglichen: Ein gemeinsam agierendes Taucher-Team mit schweren Harpunen macht mit unvorsichtigen Haien kurzen Prozess, für die Räuber ist in diesem Fall also erhöhte Vorsicht geboten.

Hübsche, aber etwas eintönige Optik
Optisch macht "Depth" eine gute Figur. Das Unterwasser-Setting mit in die Tiefe dringenden Sonnenstrahlen, grünblauem Wasser, Unterseehöhlen, versunkenen Ruinen und rostigen Wracks wurde liebevoll in den Mehrspielerkarten umgesetzt, die Charaktermodelle von Tauchern und Haien wirken lebensecht und sind gut getroffen. Lichteffekte – etwa durch Signalfackeln – werden ebenfalls sehr hübsch dargestellt.

Bei genauerer Betrachtung könnten manche Texturen allerdings etwas detaillierter sein, zudem strotzen die Tiefsee-Wracks von "Depth" nicht gerade vor Abwechslung. Freilich unterscheiden sich die Maps optisch voneinander, letzten Endes sind sie aber meist dunkle und enge Labyrinthe. Bunte, sonnendurchflutete Riffe und grüne Seetang-Wälder hätten wir ebenfalls gern gesehen.

Eingängige, schnell zu lernende Steuerung
Noch ein Wort zur Steuerung: Die wurde solide umgesetzt, als Taucher findet man sich dank altbewährter Shooter-Tastenbelegung mit Maus und Tastatur sofort zurecht, einzig die Möglichkeit, im Wasser hoch- oder abzutauchen unterscheidet das Spielgefühl von anderen First-Person-Games. Die Steuerung als Hai geht ebenfalls problemlos von der Hand.

Fazit: Für unkonventionellen Mehrspieler-Spaß mit Freunden ist "Depth" gut geeignet. Shooter-Fans, die etwas Neues probieren möchten, finden hier ein Game, das mit einem sauber funktionierenden und unkonventionellen Mehrspielermodus punktet und ein – je nach Rolle – beklemmendes bis blutrünstiges Spielerlebnis erzeugt. Gäbe es mehr Abwechslung und Umfang, hätte "Depth" das Zeug, in noch höhere Wertungsregionen vorzustoßen. Angesichts des Budget-Preises von rund 25 Euro ist es aber auch so ein rundes Paket.

Plattform: PC
Publisher: Koch Media
krone.at-Wertung: 7/10

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