Do, 14. Dezember 2017

"Wurde inspiriert"

10.07.2015 06:07

Straßenkind lernt im Licht von McDonald's-Filiale

Der neunjährige Daniel Cabrera, der mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder auf der philippinischen Insel Cebu lebt, hat mit seinem Lerneifer weltweit Menschen inspiriert. Eine junge Studentin hatte auf Facebook ein Foto gepostet, auf dem der Bub zu sehen ist, wie er im Schein einer McDonald's-Filiale seine Hausaufgaben macht. Denn dort, wo er wohnt, hat er kein elektrisches Licht.

Seit dieses und ein weiteres Bild am 23. Juni auf Facebook gestellt worden waren, wurde der Beitrag Tausende Male geteilt - und hat dem kleinen Daniel zu einem etwas besseren Leben verholfen. "Ich wurde von einem Kind inspiriert", hatte die Medizinstudentin Joyce Torrefranca unter die Fotos geschrieben, die sie von Daniel vor der McDonald's-Filiale in Mandaue City gemacht hatte. Darauf zu sehen: der Neunjährige, wie er am Abend vor einer Bank am Gehsteig kniend im Licht des Lokals seine Hausaufgaben macht.



Daniels Zuhause war vor Jahren niedergebrannt, sein Vater im Gefängnis gestorben. Nun wohnt er mit seiner Mutter Maria Christina Espinosa und seinem Bruder Gabriel in dem Lokal, in dem die Mutter tagsüber als Aushilfe gerade genug verdient, um sich das Nötigste für sich und ihre zwei Buben leisten zu können. Die "pungko-pungko carinderia", laut der philippinischen Nachrichtenseite "Rappler" mehr Verkaufsstand als Lokal und gleich um die Ecke der McDonald's-Filiale, hat allerdings keine Wände. Wenn die kleine Familie sich schlafen legt, stapelt sie ein paar Bänke übereinander, um wenigstens etwas Schutz vor Kälte oder Regen zu haben.

Für seine Zukunft stellt sich Daniel, der noch vier weitere Geschwister hat, die allerdings bei Verwandten wohnen, ein besseres Leben vor. Er wolle brav in die Schule gehen und lernen, um Polizist oder sogar Arzt zu werden, erzählte er dem "Rappler", dessen Reporter den Buben zwei Tage nach dem Posting von Joyce ausfindig gemacht hatten.

Ein Zeichenblock als einziges Unterrichtsheft
Auch an dem Abend kniete Daniel vor der Bank im Schein der Fast-Food-Filiale und hatte sein einziges Schulheft dabei, das eigentlich ein Zeichenblock ist. Mehr könne sich seine Mutter nicht leisten, so der Neunjährige. Er besitze auch nur einen Stift. Den letzten habe ihm ein Mitschüler gestohlen. Seitdem habe er immer einen Rosenkranz mit dabei. "Um zu verhindern, dass auch dieser geklaut wird", so Daniel.

Der Bub geht jeden Tag gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder in die einen Kilometer entfernte Subangdaku Elementary School. Daniel sei ein sehr aufmerksamer Schüler, lobte ihn eine seiner Lehrerinnen gegenüber der Zeitung. Er sei intelligent und ein glückliches Kind, so Rosalina Detuya, und nehme rege am Unterricht teil. Wohl auch aus diesem Grund hat die Geschichte Daniels die Menschen so berührt.

Mehrere anonyme Spender haben der Familie inzwischen Geschenke zukommen lassen - wie Schultaschen und Unterrichtsmaterialien für Daniel und seinen Bruder und auch LED-Lampen. Zwei Polizistinnen vom Mandue City Police Office sind mit Daniel nach Cebu City ins dortige Einkaufszentrum gefahren und haben den Buben Polizeiautos geschenkt, wie der "Rappler" weiter berichtete.

Mutter klagt: "Sie denken, ich bin jetzt reich"
Doch die Aufmerksamkeit hat auch Schattenseiten, wie Daniels Mutter der Zeitung erzählte. Sie seien von Interview zu Interview herumgereicht worden und jüngst hätten sich Verwandte gemeldet, die Geld von ihr haben wollten. "Sie denken, ich sei jetzt reich, weil Daniel und ich im Fernsehen zu sehen waren", so Maria Christina, "aber es geht hier nicht darum, Geld zu machen. Es geht darum, Daniels Traum zu erfüllen bzw. ihm zu geben, was er für die Schule braucht, um sich seinen Traum selbst zu erfüllen." Dafür will Daniel auch in Zukunft alles tun: "Ich werde weiterhin jede Nacht lernen und am Tag spielen", so der Neunjährige.

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