So, 27. Mai 2018

Urlauber ermordet

04.07.2015 19:34

Nach Anschlag: Nun Ausnahmezustand in Tunesien

In Tunesien ist gut eine Woche nach der Ermordung Dutzender Urlauber durch einen Islamisten der Ausnahmezustand verhängt worden. Präsident Beji Caid Essebsi gab in einer Fernsehansprache am Samstagabend bekannt, der Ausnahmezustand in dem nordafrikanischen Land gelte für zunächst 30 Tage. "Wir sind in großer Gefahr", betonte er den Ernst der Lage. "Wir befinden uns im Kriegszustand."

Zuvor war bekannt geworden, dass die tunesiche Regierung nach dem Blutbad am Hotelstrand gegen Hassprediger vorgeht. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Tap berichtete, sollen bis Sonntag die rund 80 Moscheen, die nicht unter staatlicher Kontrolle stehen, geschlossen sein. Ferner gab die Regierung am Samstag bekannt, den Vorsitzenden des Hohen Islamischen Rates, Abdallah Wassif, zu entlassen, weil er sich bei einem Radiosender über ein Programm beschwert hatte, durch das er die religiösen Werte des Landes beschädigt sah.

38 Touristen an Hotelstrand erschossen
Ein tunesischer Student hatte am Freitag vergangener Woche an einem Strand in Port El Kantaoui nahe Sousse 38 Menschen erschossen, darunter 30 Briten und zwei Deutsche. Das Attentat auf die Anlage des Hotels Riu Imperial Marhaba war das bisher blutigste in der Geschichte Tunesiens.

Im BBC-Interview räumte Ministerpräsident Habib Essid ein, dass die Polizei bei dem Terrorangriff zu langsam gehandelt habe. Augenzeugen hatten berichtet, dass der Täter rund 30 Minuten um sich schießen und 38 Menschen töten konnte, bevor er gestellt und erschossen wurde. "Die Zeit der Reaktion - das ist das Problem", sagte Essid dem Sender.

Gewalt seit Sturz von Ben Ali auf dem Vormarsch
Seit dem Sturz des ehemaligen Staatschefs Zine El Abidine Ben Ali 2011 ist die islamistische Gewalt in dem nordafrikanischen Land auf dem Vormarsch, viele junge Tunesier schließen sich offenbar aus Frust über mangelnde Perspektiven Extremisten an.

Nach Angaben des Regierungschefs wurde der Täter in Libyen trainiert, "vermutlich" von der Miliz Ansar al-Sharia. Die salafistische libysche Gruppierung steht auf der Terrorliste der USA, weil sie an dem Angriff auf das US-Konsulat in Benghasi beteiligt gewesen sein soll, bei dem im September 2012 der Botschafter Christopher Stevens getötet wurde. Auch eine tunesische Gruppe des Namens ist in Libyen aktiv.

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