Fr, 23. Februar 2018

Skandal in Italien

05.06.2015 11:51

Roms Mafia bereichert sich an Flüchtlingsgeldern

Sechs Monate nach dem Skandal "Mafia Capitale" um enge Verstrickungen zwischen organisiertem Verbrechen und Politik erschüttern neue Ermittlungen im großen Stil die italienische Hauptstadt. Die römische Staatsanwaltschaft, die am Donnerstag 44 Personen festgenommen hat, deckte mafiöse Organisationen auf, die dank der Flüchtlingsversorgung Millionen lukrierten.

Die 44 Festgenommenen werden verdächtigt, einem Netz von Politikern und Geschäftsleuten anzugehören, die sich lukrative öffentliche Aufträge für Flüchtlingseinrichtungen zugeschanzt haben. Pro Flüchtling zahlt der italienische Staat 35 Euro täglich für Unterbringung und Verpflegung. Die Aufnahmelager für Flüchtlinge werden oft von sozialen Organisationen betrieben. Sie haben sich aber auch als wichtige Geldquelle für einige Betreiber entwickelt, die sich offenbar in enger Partnerschaft mit korrupten Politikern und Beamten lukrative Verträge dafür gesichert haben.

Organisierten Kriminalität unterwanderte Genossenschaften
Von der organisierten Kriminalität unterwanderte Genossenschaften sollen laut Roms Staatsanwälten die Flüchtlingseinrichtungen betrieben haben, um einerseits satte Profite einzustreichen und andererseits Politiker und Verwaltungsmitarbeiter zu schmieren. Zu den Drahtziehern der Organisation zählt der am Donnerstag verhaftete Luca Odevaine, Mitglied der für die Zuweisung der Flüchtlinge zuständigen Kommission beim Innenministerium.

Gegen die gesamte Führung der Genossenschaft "La Cascina", die in der Region Latium mehrere Flüchtlingseinrichtungen mit der Hauptstadt betreibt, wird ermittelt. Ihr Sitz wurde gründlich durchsucht. Zu den Festgenommenen zählen Politiker aus allen Lagern, darunter Luca Gramazio, Mitglied des Regionalparlaments im Latium, der zu den Spitzenpolitikern der Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi zählt. Er soll Schmiergelder in Höhe von 98.000 Euro in drei Raten erhalten und für die Anstellung von zehn Personen gesorgt haben, die dem skandalumwitterten Unternehmer Salvatore Buzzi nahestanden. Buzzi gilt mit dem im Dezember festgenommenen römischen Mafiaboss Massimo Carminati als Drahtzieher der Affäre "Mafia Capitale".

Mafia hat auch in Rom enorme Macht
Die Ermittlungen zeigen wieder einmal, dass die Mafia schon lange kein regional begrenztes Problem mehr ist. Die römische Mafia ist unabhängig von der Cosa Nostra in Sizilien, der 'Ndrangheta in Kalabrien oder der Camorra um Neapel entstanden. Längst haben die Clans ihre Macht auch in der Hauptstadt ausgebaut.

Nach der neuen Festnahmewelle forderten Oppositionsparteien wie die populistische Lega Nord und die Fünf-Sterne-Bewegung den sofortigen Rücktritt des römischen Bürgermeisters Ignazio Marino. Dieser verweigerte jedoch seine Demission. "Wir arbeiten weiter. In den vergangenen Monaten haben wir viel Aufräumarbeit geleistet. In den Institutionen der Gemeinde sitzen jetzt anständige Personen", sagte Marino, der dem Mitte-Links-Lager angehört.

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