Sa, 18. November 2017

Pfingst-Festspiele

15.05.2015 19:08

„Keine kalte griechische Statue“

Seit 2012 leitet sie die Salzburger Pfingstfestspiele und es ist seither der schiere Glücksfall: Cecilia Bartoli brachte nicht nur ihre unbändig wunderbare Stimme, sondern auch ihr römisch rauschendes Temperament und ihre unnachgiebige Perfektion ein.

Nach Händels "Giulio Cesare", der genialen "Norma" von Bellini und Rossinis "La Cenerentola" steht heuer "Iphigénie en Tauride" auf dem Pfingst-Plan unter dem Motto "So ruf ich alle Götter". Die meisten, wenn nicht alle, sind ihr hingebungsvoll gewogen. Vermute ich. Cecilia Bartoli sucht, spürt, entdeckt Werke, die nicht in den üblichen Konzert-Opern-Strömen treiben. Oder sie verleiht den Figuren mit ihrer überwältigenden Stimm-Kunst eine vollkommen andere und neue Magie, die einen starr macht vor hingerissener Begeisterung. Wie in der genialen "Norma" 2013.

"Krone": Frau Bartoli, Gluck ist ja mittlerweile auch schon Mainstream, was hat Sie an ,Iphigénie‘ interessiert?
Bartoli: Ich habe viel von ihm gesungen, aber dies ist meine erste große Rolle auf der Bühne. Mich fasziniert die genaue Behandlung des Wortes, die Balance von Text und Musik, die überzeugende menschliche Darstellung der Figur, die eben keine kalte griechische Statue ist, sondern eine Frau voller Zweifel und Gefühle.

"Krone": Frauen, die einen mythischen oder heroischen Existenzwillen haben, stehen im Zentrum. Pure Absicht?
Bartoli: Das war von Anfang an mein Anliegen, umso mehr, als ich die erste Frau bin, die die Pfingstfestspiele künstlerisch leitet.

"Krone": Wie würden Sie Goethes und Glucks „Iphigénien“ beschreiben?
Bartoli: Im Schauspiel, das 1779 sechs Wochen vor der Gluck-Premiere in Paris in Weimar aufgeführt wurde, ist sie im Ideal der griechischen Heldin, statisch, passiv im Pendel des Schicksals. Sie ist aufrichtig, die Männer handeln. Bei Gluck wirkt sie leidenschaftlich, impulsiv, lebendig, sie widersetzt sich der Autorität, wird ,Rebellin‘.

"Krone": Ein wenig ein schlechtes Gewissen haben Sie aber schon, weil Sie von ihren römischen zu den hellenischen Göttern reisen, oder nicht?
Bartoli: Wenn man mit seiner Vespa wie ich seit Jugendtagen in der ,città eterna‘ um Romulus und Remus, Jupiter mit seinem Weinkumpan Bacchus fährt, wäre ein römisches Motto wohl Pflicht. Aber die haben vom griechischen Olymp vieles übernommen Ich hoffe, sie verzeihen mir den kurzen Ausflug übers Ionische Meer.

"Krone": Falls nicht, gibt es eine ordentliche Pfingst-Pauke!

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