Sa, 16. Dezember 2017

Im Venedig-Urlaub

06.04.2015 17:03

Türkei-Terror: Österreichischer Arzt festgenommen

Ein Österreicher türkischer Herkunft ist am Montag von der italienischen Polizei festgenommen worden. Die Türkei beschuldigt den in Deutschland lebenden Arzt, an einem Terroranschlag der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) auf eine Bankfiliale in der türkischen Hauptstadt Ankara 1995 beteiligt gewesen zu sein.

Konkret werfen die türkischen Behörden dem 55-jährigen Ünal E. vor, Attentäter für den Anschlag rekrutiert zu haben. Die Polizei in Venedig bestätigte die Festnahme des Arztes am Montagnachmittag. Er sei erst "seit kurzer Zeit" im Schengen-Informationssystem zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, hieß es.

Bei Festnahme "sehr überrascht"
Der Mann, der seit zehn Jahren österreichischer Staatsbürger ist, hatte die Osterferien gemeinsam mit seiner Frau und seinen Töchtern im venezianischen Stadtteil Mestre verbracht, wo er am Montag kurz vor seiner geplanten Rückreise nach Deutschland von der Polizei festgenommen wurde. Er sei "sehr überrascht" gewesen, hieß es vonseiten der Polizei. Der Arzt wurde in ein Gefängnis in Venedig gebracht, er soll an die Türkei ausgeliefert werden.

Die DHKP-C war zuletzt wieder vermehrt im medialen Rampenlicht gestanden: Am Dienstag hatte die in der Türkei als Terrororganisation eingestufte Gruppe den Istanbuler Staatsanwalt Mehmet Selim Kiraz in ihre Gewalt gebracht. Nach rund achtstündigen Verhandlungen zwischen Tätern und Behörden stürmte die Polizei das Büro und erschoss die beiden Geiselnehmer. Kiraz wurde schwer verletzt und starb wenig später im Krankenhaus.

Nach Angaben des italienischen Innenministers Angelino Alfano glückte die Festnahme des Österreichers dank der besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen am Osterwochenende: "Alle Sicherheitskräfte sind im Einsatz, um mögliche Gefahren zu lokalisieren", so Alfano.

In Österreich nicht zur Fahndung ausgeschrieben
In Österreich hätte Ünal E. jedenfalls nicht festgenommen werden können, da er hierzulande gar nicht erst zur Fahndung ausgeschrieben war. Der zugrunde liegende Haftbefehl der türkischen Behörden sei bereits 20 Jahre alt, so ein Sprecher des Außenministeriums. In ersten Meldungen war die Rede von einem internationalen Haftbefehl gewesen, auf dessen Basis der Österreicher festgenommen wurde. Dies scheint nun angesichts der Tatsache, dass Ünal E. zwar in Italien, nicht aber in Österreich zur Fahndung ausgeschrieben war, eher unwahrscheinlich.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden