Sa, 18. November 2017

Windschattenfliegen

02.02.2015 21:00

Waldrappe teilen sich Führungsarbeit gerecht auf

Waldrappe teilen sich beim Formationsflug die Führungsarbeit gerecht auf. Das hat jetzt ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung herausgefunden. Das sei eines von wenigen Beispielen für direkte Kooperation bei Tieren. Dieses Verhalten mute im Hinblick auf die Evolutionslehre mit ihren "egoistischen Genen" ein wenig rätselhaft an, so die Wissenschaftler.

Die Ornithologen um Bernhard Völkl und Johannes Fritz vom "Waldrappteam" in Mutters (Tirol) haben 14 junge, von Menschenhand aufgezogene Jungvögel bei ihrem ersten Herbstzug von Salzburg nach Italien mit einem propellergetriebenem Paragleiter (Paraplane) angeführt. Dabei zeichneten sie zeitweise mittels Satellitennavigation (GPS-Tracker) die Position der einzelnen Vögel in der Formation auf. Um einen Einfluss des Fluggeräts auszuschließen, wurden die Daten nur verwendet, wenn die Vögel einen gewissen Abstand dazu hatten, erklärte Fritz im Gespräch.

Vögel wechseln sich sehr oft ab
Sie fanden heraus, dass alle Jungvögel insgesamt gleich lange in einer unvorteilhaften Führungsposition flogen und gleich lange den Auftrieb vom Flügelschlag eines Vordervogels nutzen konnten. "Die Waldrappe haben sich dabei mit hoher Frequenz abgewechselt", so Fritz. Im Schnitt war ein Vogel nämlich gerade einmal zwei Sekunden lange in Führungsposition. Gerade diese häufigen Wechsel würden ermöglichen, dass die Vögel so gut kooperieren und ihre "Nettobilanz" kontinuierlich ausgleichen, meint Fritz.

Obwohl sie in einem großen Schwarm fliegen, teilten sich die Waldrappe die Arbeit vor allem paarweise auf, erklärte er. "Jedes Individuum schaut also, dass der Nächstgelegene das System nicht ausnutzt, sondern auch seinen Beitrag zahlt", sagte der Biologe. Ähnliches habe man vor kurzem bei Schwärmen von Staren und Fischen beobachtet, schreiben die Forscher im Fachmagazin PNAS.

Selektionsdruck begünstigt Formationsflug
Bestimmte Eigenarten der Wanderflüge haben die Evolution eines solchen Kooperationssystems begünstigt, meinen die Forscher. Die weite Reise kostet nämlich sehr viel Energie und mitunter ein Drittel der Jungvögel das Leben, weil sie dabei oft an Erschöpfung sterben. Somit würde ein hoher Selektionsdruck den energiesparenden Formationsflug begünstigen. Außerdem böte die lange Reise zahlreiche Gelegenheiten für Interaktionen zwischen den Vögeln, erklären sie.

Waldrappe sind eine akut vom Aussterben bedrohte Vogelart. In einem von den österreichischen Forschern geleiteten EU-Projekt sollen sie in Europa wiederangesiedelt werden, gleichzeitig soll diese "charismatische Zugvogelart" dabei erforscht werden.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden