Di, 21. November 2017

Böses abwehren

28.12.2014 15:00

Abergläubisches Völkchen: Spleens der Stars

Aufgemalte Zahlen, verfluchte Buchstaben, heimliche Riten, Talismane in der Tasche: Promis verlassen sich gern auf magische Kräfte, wenn sie sich gegen Unglück und Bedrohliches absichern wollen.

Es war interessant mitanzusehen, wie Italiens Ex-Kickerlegende Giovanni Trapattoni, der Roberto Benigni des Trainergeschäfts, an der Seitenlinie des Fußballfeldes entlang schlich und dabei konzentriert sein Weihwasserfläschchen schwenkte. Das heilige Wasser, ein Geschenk von seiner Schwester, einer katholischen Nonne, sollte seinen Spielern göttlichen Segen bringen oder zumindest Glück. Genau davor hat aber wiederum der australische Musiker Nick Cave die größte Angst. Wenn ihm ein ahnungsloser Fan vor einem Auftritt Glück wünscht, rastet er völlig aus: "Dann ist das Konzert für mich schon gelaufen, bevor es begonnen hat", gestand der 57-Jährige. Damit das nicht passiert, geht der Manager des Rockers auf dem Weg zur Bühne vor ihm her und verscheucht jeden, der seinem Star die gut gemeinten, aber angeblich Unheil bringenden Worte zurufen könnte.

Ja, sie sind ein abergläubisches Völkchen, die Helden der roten Teppiche, Kino-Leinwände und Sport-Arenen, viele von ihnen praktizieren bizarre Riten – sie reichen von puren Marotten über angewandte Esoterik bis zur Magie. Die Band Guns N' Roses zum Beispiel trat nie in Städten auf, die mit "M" beginnen, denn Leadsänger Axl Rose war überzeugt, dass dieser Buchstaben mit einem Fluch belegt ist.

Der "X-Men"-Schauspieler James McAvoy steht heute noch im Bann jenes Gebots, das ihm einst seine Großmutter auferlegte: "Am ersten jedes Monats muss ich zu dem ersten Menschen, den ich treffe, 'weißes Kaninchen' sagen. Weil das bringt Glück." Lässt sich zwar nicht beweisen, aber sicher ist sicher.

Auch Taylor Swift kennt eine Besessenheit, für sie ist es die 13. Doch während sich die meisten vor der bösen Aura dieser Zahl fürchten, sieht die Sängerin darin einen Quell von Wonne und Freude, vor jedem Bühnengang malt sie sich die 13 auf ihren Handrücken. Warum? "Ich wurde am 13. geboren. Mein erstes Album erreichte nach 13 Wochen Goldstatus. Mein erster Nummer-1-Hit hatte ein 13-Sekunden-Intro und jedes Mal, wenn ich einen Preis gewonnen habe, saß ich entweder auf Platz 13 oder in der 13. Reihe." Ja, ja, wir glauben es eh.

Da fallen so klassische Formen wie dreimal auf Holz zu klopfen (Nicolas Cage macht das, wenn er etwas Positives erlebt), nicht unter einer angelehnten Leiter durchzugehen (Aktrice Emma Roberts) oder heimlich eingesteckte Talismane gar nicht mehr so wirklich auf. US-Präsident Barack Obama trägt immer die Figur einer Hindu-Gottheit sowie eine Silberkette mit zwei Anhängern (Maria mit Kind und ein Heiliger) mit sich herum. Hollywood-Mimin Cate Blanchett schwört auf die Film-Ohren ihrer einstigen "Herr der Ringe"-Rolle als Elbenkönigin, sie stehen, in Bronze gegossen, bei ihr zu Hause auf dem Kamin und dienen als Kraftquelle.

Besonders auffällig sind die Praktiken der Stars, wenn sie ein Flugzeug besteigen. Eva Mendes hört hoch über den Wolken partout nur Musik von Pop-Prinzessin Britney Spears. Die Erklärung der Schauspielerin: "Aus irgendeinem unbekannten Grund weiß ich, dass ich dann nicht sterben werde." Der ohnehin hochgradig exzentrische Modezar Karl Lagerfeld betritt den Flieger nur mit einem uralten Schmusekissen, das er einmal als Kind bekam. Mittlerweile sei es aber leider schon eine "Ruine". Auch "Friends"-Ikone Jennifer Aniston hat Angst abzuheben, deshalb berührt sie stets von außen mit der rechten Hand die Maschine, dann macht sie ganz bewusst mit dem rechten Fuß den ersten Schritt in den Jet. "So bilde ich mir ein, dass ich immer Glück haben werde."

Gegen die Kraft der schicksalsbeschwörenden Mächte kann man ja auch gar nichts machen. Der große Physiker Niels Bohr hatte über der Tür seines Hauses ein Hufeisen angebracht. Das fiel eines Tages seinem Kollegen Werner Heisenberg auf, der ihn fragte: "Bist du denn am Ende abergläubisch?" – "Nein", antwortete Bohr, "aber ich habe gehört, es hilft auch dann, wenn man nicht daran glaubt."

Wie sagte doch schon Michel de Montaigne, der französische Philosoph der Renaissance, so treffend? "Nichts wird so fest geglaubt wie das, was wir am wenigsten wissen."

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