Sa, 18. November 2017

Straße blockiert

05.12.2014 11:12

Proteste bei Delogierung in Wien-Ottakring

Bei einer Delogierung im Wiener Bezirk Ottakring ist es Freitag früh zu Protesten gekommen. Die Mieterin, die gegen 7 Uhr die Wohnung hätte verlassen müssen, öffnete den Behörden nicht die Tür. Die 50-Jährige wurde dabei unter anderem von Ex-Bewohnern der "Pizzeria Anarchia" unterstützt. Die Sympathisanten hätten Möbelpacker daran gehindert, ihre Arbeit zu machen, berichtete Polizeisprecher Thomas Keiblinger.

Die 50-jährige Monika R. hatte bereits eine neue Wohnung in unmittelbarer Nähe auf der Hernalser Hauptstraße zugesprochen bekommen, wollte aber am Freitag gegen 7 Uhr dennoch nicht die Räumlichkeiten in der Paletzgasse verlassen.

Die Frau ließ daraufhin ihren Sachwalter, der über den Vorgang informiert war, den Gerichtsvollzieher sowie die Hausverwaltung nicht in die Wohnung. Auch mit der alarmierten Polizei kommunizierte sie anfangs nur durch die verschlossene Tür. Sie gab an, dass ein "Spekulant" sie aus der Wohnung haben möchte, so Keiblinger.

Sitzstreik auf der Fahrbahn
Ein Mann, der sich mit der Frau in der Wohnung befand, dürfte mit den Ex-Bewohnern der "Pizzeria Anarchia" bekannt sein und rund 25 Sympathisanten nach Ottakring bestellt haben. Die Aktivisten hatten im Juli das Gebäude in der Leopoldstadt besetzt und blockierten nun mittels Sitzstreik die Fahrbahn der Paletzgasse von zwei Seiten, sodass die Möbelpacker ihre Arbeit nicht verrichten konnten.

Nach einer etwa einstündigen Verhandlung mit Monika R. verließ diese die Wohnung, daraufhin wurde die Blockade freiwillig aufgehoben. Noch am Freitagvormittag wurde der Hausrat der 50-Jährigen in die neue Wohnung in die Hernalser Hauptstraße gebracht. Laut Keiblinger waren etwa 60 Beamte im Einsatz. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.

Aktivist rechtfertigt Solidarisierungsaktion
Die betroffene Frau sei die letzte Mieterin in diesem Haus, berichtete einer der Aktivisten. Alle anderen Wohnungen seien bereits in Eigentum umgewandelt worden. R. hätte seit einem Jahr kein fließendes Wasser in der Wohnung gehabt. Der Vermieter habe angekündigt, dass die Frau während der Reparaturmaßnahmen die Wohnung verlassen und ihren Wohnungsschlüssel abgeben müsse. R. wollte daraufhin eine schriftliche Bestätigung, dass sie danach wieder zurückkehren darf. Diese habe sie aber nicht bekommen, so der Aktivist. Da sich der Wasserschaden weiter ausgebreitet hat, sei sie nun delogiert worden.

Die Frau habe sich Hilfe suchend an die Wiener Straßenzeitung "Augustin" gewandt, die ihren Fall veröffentlicht hat. Dadurch seien die Aktivisten auf Monika R. aufmerksam geworden. Die Solidarisierungsgruppe habe ihr angeboten, sie zu unterstützen. Die Delogierung hätte ursprünglich am 10. Dezember stattfinden sollen, wurde jedoch bereits am Freitag durchgeführt.

"Täglich sieben Zwangsräumungen in Wien"
Das Bündnis, das seit dem Fall von Monika R. zusammengefunden hat, will in Zukunft öfter auf Delogierungen in Wien aufmerksam machen. "Es gibt am Tag sieben Zwangsräumungen in Wien", hieß es seitens der Aktivisten. Und auch wenn Monika R. eine neue Wohnung in unmittelbarer Nähe zur Verfügung gestellt bekam, sei sie "wider ihren Willen" delogiert worden.

Auf die Frage, ob es sich bei den Aktivisten um Ex-Bewohner der im Juli geräumten "Pizzeria Anarchia" handelt, meinte deren Sprecher, er könne nicht ausschließen, dass auch Sympathisanten von der "Anarchia" in dem im Oktober gegründeten Bündnis wären. Doch habe die Aktion nichts mit jener Zwangsräumung in der Leopoldstadt zu tun. Man möchte generell auf die Wiener Wohnsituation aufmerksam machen.

Die Aktivisten hatten die Solidarisierungsaktion zuvor bereits in ihrem Blog angekündigt. Im Internet riefen die Sympathisanten zur Verhinderung der Zwangsräumung in Wien-Ottakring auf.

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