Mi, 13. Dezember 2017

Ermittlungen laufen

02.12.2014 07:40

"Leichte Entwarnung" im Kärntner Milchskandal

Der Nebel im Kärntner Umweltskandal lichtet sich: Ermittlungen zeigen, dass der kontaminierte Blaukalk im Zementwerk an einer falschen Stelle eingebracht - und so an der Genehmigung "vorbei verbrannt" wurde. Dadurch konnte das Gift HCB frei werden. Das Land gibt nach einer Krisensitzung "leichte Entwarnung".

"Keine Gefahr in Luft, Wasser, Boden und in Verkehr befindlicher Milch", gab das Land nach einem Krisengespräch am Montag "leichte Entwarnung": Derzeit gebe es keine Belastung mit HCB. Zu klären gilt jetzt, wie das Umweltgift überhaupt freigesetzt werden konnte. Denn die Behörde hat die Blaukalk-Verbrennung mit Bescheid vom 15. Dezember 2010 genehmigt. "Erhebliche nachteilige Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt sind nicht zu erwarten", hieß es.

Blaukalk an Genehmigung "vorbei verbrannt"
Doch es kam anders. "Der Bescheid bezieht sich auf eine gewisse Menge und Temperatur", erklärt dazu Landeswirtschaftsjurist Albert Kreiner. Wie es aussieht, soll der kontaminierte Kalk jedoch an einer falschen Stelle bei lediglich 450 Grad in den Prozess zur Zementproduktion eingebracht worden sein. Das HCB verflüchtigt sich aber erst ab 850 Grad. Der Blaukalk wurde sozusagen an der Genehmigung "vorbei verbrannt".

Daher wurde ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet. Im Zuge dessen haben die Sachverständigen weitere Fragen zu klären. Wurde mehr Blaukalk verbannt, als genehmigt? Und seit wann wurde der Blaukalk "falsch verbrannt"? "Fachlich-technische Untersuchungen laufen", erklärt Kreiner. Seitens des Zementwerkes war niemand zu einer Stellungnahme bereit.

Falsche Verarbeitung bei Überprüfungen nicht bemerkt
Obwohl das Zementwerk und die Betriebsabläufe unangekündigt von Beamten mehrmals - wie am 17. Dezember 2013 und am 30. Jänner 2014 - überprüft worden sind, fiel die falsche Blaukalk-Verarbeitung nie auf. "Weil es sich um einen geschlossenen Prozess handelt", so die Rechtfertigung. Auch Messungen hätten nichts Verdächtiges angezeigt, was auf einen falschen Prozess hingedeutet hätte - 36 Schadstoffe seien untersucht worden.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden