Sa, 18. November 2017

Streit um Asylheim

24.09.2014 19:01

Mikl-Leitner: „Schließung bei Quotenerfüllung“

Versöhnliche Worte haben Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und der Bürgermeister von Spital am Semmering, Reinhard Reisinger, am Mittwochnachmittag vor Ort beim Asyl-Großquartier im Ortsteil Steinhaus ausgetauscht: Die Ministerin versprach öffentlich, das "Hotel Haus Semmering" wieder für Flüchtlinge zu schließen, wenn das Land Steiermark seine Quote zu 100 Prozent erfüllt.

Das Asylquartier hatte vor knapp zwei Wochen für Aufruhr bei Bevölkerung und Landespolitik gesorgt. Erst einen Tag bevor bereits die ersten Bewohner vor der Tür des Quartiers standen, sei die Bevölkerung darüber in Kenntnis gesetzt worden, erklärte der Bürgermeister damals. Wütende Anrufe der Bürger seien die Folge gewesen: "Leute wollen ihr Haus verkaufen, wegziehen und nicht mehr da leben, die Kinder würden sich dann nicht mehr hinaustrauen", berichtete Reisinger.

Mikl-Leitner: "Nun hat es das Land in der Hand"
Am Mittwoch zeigte sich der Bürgermeister allerdings zufrieden mit der Vereinbarung und der "Aussicht auf die Rücknahme des Bundesquartiers". Er hielt es für absehbar, dass es dem Land gelinge, "in den kommenden Wochen oder spätestens in zwei bis drei Monaten, genug Quartiere zu finden". Mikl-Leitner meinte: "Nun hat es das Land in der Hand." Derzeit liege die Quote der Steiermark bei 88 Prozent.

Die Ministerin machte sich auch selbst einen Eindruck von dem Hotel und begrüßte die Asylwerber. Außerdem wechselte sie mit Urlaubern, die das Hotel schon länger gebucht hatten, ein paar Worte. Eine Reisegruppe aus Linz schwärmte vom "Haus Semmering": "Wir kommen schon seit Jahrzehnten mehrmals pro Jahr her." Eine ältere Frau kommentierte die Asylwerber mit: "Die Leute sind sehr lieb." Ein anderer Urlauber dagegen fühlte sich eingeschränkt: "Ich zahle dafür, die Asylwerber bekommen hier aber was bezahlt", polterte er.

Mögliche Blockade der Semmering Schnellstraße vom Tisch
Zu turbulenteren Szenen war es gegen Mittag gekommen. Reisinger und seine Stellvertreterin Maria Fischer wollten mit Journalisten das Quartier besuchen, doch das passte der slowakischen Eigentümerin offenbar nicht: "Sie hat uns des Grundstücks verwiesen und verboten, mit den Asylwerbern zu reden", erklärte Fischer. Die Vizebürgermeisterin sagte, die ins Auge gefasste Blockade der S6, der Semmering Schnellstraße, sei nach dem Gespräch mit der Innenministerin "vorerst vom Tisch."

Aufregung gab es am Mittwoch - wie berichtet - auch in Seiersberg südlich von Graz: Dort hat sich Vorzeigegastronom und VIP-Caterer Ferdl Purgstaller dazu entschlossen, sein Haus für Flüchtlinge zu öffnen. Streitereien mit einem Nachbar, der ihn unzählige Male offenbar wegen Nichtigkeiten angezeigt hatte, haben dem Lokalbesitzer nun gereicht. Er könne seine Kredite nicht mehr decken, weshalb er dem Land Steiermark seinen Gasthof als Asyl-Quartier angeboten hat. Für Bürgermeister Werner Baumann sei das ein herber Schlag: "Offenbar soll es sogar für 110 bis 160 Leute ausgelegt werden, indem man Betten in einen Speisesaal stellt."

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