Fr, 15. Dezember 2017

Burgtheater-Skandal

21.03.2014 08:59

Strasser sieht sich "in Rolle als Feuerwehrmann"

Finanzielle Misswirtschaft und Steuerschulden in Millionenhöhe - das hat zur Entlassung von Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann geführt. Und Georg Springer, Chef der Bundestheater-Holding, musste den Aufsichtsratsvorsitz im Burgtheater an Christian Strasser (51) übergeben. Der frühere Posthof-Leiter und Immobilienmanager der Stadt Linz ist seit zweieinhalb Jahren Direktor des Wiener Museumsquartiers und soll nun mit der neuen Direktorin Karin Bergmann den "Burg-Brand" löschen. Im Interview spricht er über Moral und den Schaden für die Burg.

"Krone": Haben Sie noch Verbindungen in Ihre Heimat Gschwandt bei Gmunden?
Christian Strasser: Klar, meine Eltern wohnen dort, und wir sind einmal im Monat im Salzkammergut. Die Traunseeregion zählt zu den schönsten Gebieten in der Welt.

"Krone": Wie sieht Ihre Tätigkeit als Direktor des Museumsquartiers aus?
Strasser: Ich bin dafür verantwortlich, dass das Areal "funktioniert". Von der Verwaltung, Bewirtschaftung und Programmkoordination her, aber auch von der "Hofbespielung". Die Leute sollen sich wohl fühlen und gerne die einzelnen Institutionen besuchen. Das Museumsquartier ist - so erlebe ich es - ein tolles, vitales Areal.

"Krone": Stichwort "Burgtheater" und "Finanz-Skandal": Was löst das bei Ihnen aus?
Strasser: Ich sehe drei wichtige Aufgaben: Erstens die restlose Aufarbeitung der Vergangenheit ohne Tabus - und klare, strukturelle Maßnahmen, sodass es solche Blödheiten nicht mehr geben kann. Das wird rasch passieren. Zweitens ist Finanzstabilität herbeizuführen, und drittens gibt es die klare Vorgabe des Eigentümers für das Budget für die Spielsaison 2014/15, dass es keine Erhöhung gibt. Die Geschäftsführung muss dem Aufsichtsrat Vorschläge bringen, wie sie dieses Einsparungsziel erreicht. All das muss in den nächsten Wochen vorliegen, dann haben wir die finanzielle Stabilität in kurzer Zeit gesichert.

"Krone": Wie weitreichend ist der Schaden bei einem Theater wie der Burg, einer der größten Sprechbühnen Europas?
Strasser: Das Schwierigste ist, den Vertrauensverlust abzuarbeiten. Das Burgtheater ist ja unser Nationaltheater, auf das wir alle stolz waren, mit den besten Theaterstücken, den interessantesten Schauspielern. Dann hieß es plötzlich: Die prassen mit unseren Geldern. Ein Sponsor könnte nun sagen: "Wenn ihr mit dem Geld so umgeht, warum soll ich euch etwas geben?" Das tut weh. Was mich noch aufregt, ist diese Summe, die in der Kulturbranche so viel Geld ist. Die Gier hat aber im Kulturbereich nichts zu suchen. Die soll in der Wall Street bleiben, dort passt sie hin.

"Krone": Verglichen mit aktuellen Folgen von Misswirtschaft in der Bankenbranche ist die Summe aber winzig klein.
Strasser: Ja, schon. Aber für das Verschleudern von öffentlichen Geldern in der Kulturbranche gibt es keine Rechtfertigung, das bringt die gesamte Branche in Verruf. Nein, Kunst und Kultur müssen eine Vorbildfunktion haben. Wenn ich da nicht höchst sauber bin und meine moralischen Grundsätze befolge, die ich ja auch auf der Bühne einfordere, dann ist etwas schief gelaufen. Und das spürt dann nicht nur das Schauspielensemble, sondern auch die Bevölkerung. Das heißt nicht, dass wir große Moralapostel sein müssen, aber wir müssen schon wissen, was sich gehört und was nicht.

"Krone": Wann wird das Vertrauen zum Burgtheater wieder zur Gänze hergestellt sein?
Strasser: Erst wenn man das Gefühl hat, das Theater ist frei von allen Skandalen, und alles ist aufgearbeitet. Das wird vielleicht in einem Jahr sein, dass wir wieder auf die Burg stolz sein können. Und das ist meine Rolle: Dass ich diesen Brand, der sehr lodert, lösche. So sehe ich mich momentan in der Rolle des Feuerwehrmanns. Wenn das getan ist, werde ich den Aufsichtsratsvorsitz im Burgtheater wieder beenden.

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