Mo, 20. November 2017

Stadthallen-Konzert

21.03.2014 12:38

James Blunt, der galaktische Balladenkönig

Eine gut gefüllte Wiener Stadthalle erwartete die Landung ihres liebsten Musik-Astronauten. Englands Schmusebarde James Blunt machte am Donnerstagabend in Wien Station und absolvierte eine mit Hits gespickte, aber auch sehr routiniert vorgetragene Show, die unter dem Banner seines neuen Albums "Moon Landing" stand. Ein Abend voller Herzschmerz und Poesie.

Es gibt nahezu nichts mehr, was aus James Blunts Vergangenheit nicht in die Öffentlichkeit gelangt ist. Er war im Dienste der KFOR als Soldat im Kosovo stationiert, nahm als Sargträger an der Beerdigung der Queen Mum teil und schied vor zwölf Jahren als Captain aus dem Armeedienst aus. Nur zwei Jahre später veröffentlichte er sein Debütalbum "Back To Bedlam" rauschte in fast allen wichtigen Charts der Welt an die Spitze und zählt bis jetzt zu den ungebrochenen Top-Sellern auf dem Live-Markt.

Verstärkung aus Österreich
Es sei ihm daher gestattet, das neue Album und die dazugehörige Tour "Moon Landing" zu nennen – ein Titel, der wie ein Griff nach den Sternen klingt. Wie ein Versuch, sich fortan in der Galaxis zu positionieren, weil die Erde ob der großen Erfolge schon zu klein geworden ist. In Wien hat er die österreichische Pop-Hoffnung Anna F. im Gepäck, die samt ihrer Band drei Wochen mit dem berühmten Briten durch Europa tingeln durfte. Eine perfekte Plattform, um das neue und starke Album "King In The Mirror" einer breiten Masse zugänglich zu machen.

Und fürwahr – "Too Far" oder das mit rhythmischen Disco-Beats hinterlegte "DNA" verdienen mehr als nur höflichen Achtungsapplaus. Die Wahl-Berlinerin zeigt sich etwas nervös, aber alles andere als angespannt vor den mehr als 10.000 Blunt-Jüngern. Mit einer hervorragenden Stimmlage gesegnet und von einer exakt spielenden Rhythmusband unterstützt, kann auch das kultige EMF-Cover "Unbelievable" als rockig vorgetragene Version auf allen Linien überzeugen. Die gebürtige Steirerin hat ihren Karrierehöhepunkt noch lange nicht erreicht.

Galaktisches Konzept
Bevor James Blunt unter großem Applaus die Bühne betritt und mit "Face The Sun" am Piano sitzend für Gänsehautatmosphäre sorgt, wird das fast zweistündige Set mit dem legendären "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss eingeläutet. Eine zusätzliche epische Note zum galaktischen Gesamtkonzept, das zudem noch aus einer nach unten ausgerollten, wuchtigen LED-Wand, Astronautenanzügen mit einem Union-Jack-Emblem und mehreren Bühnenpodesten für die einzelnen Musiker besteht.

Bei Blunt dominiert die Reduziertheit. Zwischen Piano und Gitarre wechselnd, schmachtet der 40-Jährige eine Ballade nach der anderen in die Halle, darunter auch einen der größten Top-Hits, "High", der stimmlich in schier unmenschlich hohe Sphären vordringt. Erst nach einer knappen halben Stunde vermag "Wisemen" Schwung in die Stadthalle zu bringen, mit dem flotten "There Are The Words" und dem vom Frontmann auf der Ukulele begleiteten "Postcards" gibt es nur wenige Ausreißer, welche die Zuseher aus den sanften Wiegen der Melancholie reißen.

Geschwindigkeit in der Ruhe
Mit gewaltigen Projektionen wie Satellitenbildern von der Erde, interstellaren Videos und Raketenstarts liefert der Charmeur eine herzhafte, aber auch routinierte und etwas hastige Show ab. Blunt lässt sich nur wenig Zeit für Kommunikation mit dem Publikum, peitscht seine ruhigen Nummern in Hochgeschwindigkeitstempo durch und wirkt – trotz der Klasse von Songs wie "Heart To Heart", "You're Beautiful" oder der Whitney-Houston-Hommage "Miss America" – etwas gehetzt.

Seine passablen Deutschkenntnisse ("Ich kann drei Wörter: Danke, Dankeschön und vielen Dank") verpackt er in minder gelungene Witze und vor "Same Mistake" animiert er die Halle zum kollektiven Smartphone-Zücken – ansonsten übt sich der Balladenkönig in vornehmer Zurückhaltung. Nicht jeden Besucher mag er gleich begeistern. "Seine Stimme klingt ja wie die von Spongebob", ist aus dem Publikum zu hören. Richtig überraschend ist nur das Finish zum Jamsession-artig vorgetragenen "So Long, Jimmy", als sich Blunt spontan dazu entscheidet, von der Bühne zu springen und ohne Security-Begleitung eine Runde durch die Stadthalle zu drehen.

Treffende Schwerelosigkeit
Mit "Stay The Night", der aktuellen Erfolgssingle "Bonfire Heart" und "1973" lässt der Brite ausgerechnet in der letzten Phase des Abends noch einmal die intensiveren, weniger Melancholie- und Pathos-behangenen Nummern aus den Boxen strömen und verstärkt die gute Stimmung mit gleißendem Discokugellicht. Der König der Pop-Balladen mag an diesem Abend vielleicht etwas hektisch durch sein Programm gelaufen sein, doch allein schon der massive Zuspruch seiner Wiener Anhänger rechtfertigt den Griff nach den Sternen. Herzschmerz-Songs treffen in der Schwerelosigkeit noch intensiver ins Schwarze.

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