Sa, 18. November 2017

Live im Gasometer

27.01.2014 14:00

A Day To Remember sorgten für Schweiß in der Kälte

Dem spontanen Wintereinbruch trotzend, versammelten sich Liebhaber melodischer Punk-Rock-Hymnen Sonntagabend im Wiener Gasometer, um einer schweißtreibenden Show der Amerikaner A Day To Remember beizuwohnen. Diese wiederum bewiesen eindrucksvoll, warum sie die Fahnen eines totgeglaubten Genres hochhalten.

Manche Ereignisse sind einfach paradox – etwa die Tatsache, dass Wien Sonntagabend erstmals überhaupt in diesem Winter von einer zarten Schneedecke bezuckert wird und die Amerikaner von A Day To Remember im fast randvollen Wiener Gasometer gleichzeitig sommerlich-fröhliche Pop-Punk-Songs von der Bühne shreddern. Der Aufstieg des Quintetts aus dem beschaulichen Ocala, Florida, kennt keine Grenzen. Nach Rechtsstreitigkeiten mit ihrem langjährigen Vertriebspartner Victory Records veröffentlichten sie letztes Jahr ihr fünftes Album "Common Courtesy" eigenfinanziert und krachten damit geradewegs in die Album-Charts der USA.

"Newcomer" mit Fitnessfaktor
Ein Erfolg, der sogar vom renommierten "Rolling Stone"-Magazin vermerkt wurde, die A Day To Remember im Jänner in die Liste "10 New Artists You Need To Know" katapultierten. Da kann auch darüber hinweggesehen werden, dass "New" nicht ganz korrekt ist, schließlich gibt es die Band seit mehr als zehn Jahren. Den frisch gezündeten Karriere-Turbo projizieren die Ostküsten-Staatler auch auf das Gasometer-Parkett und erfreuen ihre vorwiegend junge Klientel mit einem bunten Potpourri der bisherigen Band-Historie. Um das Schlagzeug gewickelte Lichterketten, fliegende Gitarren, unzählige abgespulte Bühnen-Kilometer – eine Punk-Rock-Show ist immer auch ein bisschen Fitnesstraining mit bodenständiger Garagen-Band-Attitüde.

Hits haben A Day To Remember genug im Köcher – "All I Want", "Better Off This Way" oder "My Life For Hire" rotieren im Dauerzustand in Maturanten- und Studenten-Playern. Im Gegensatz zu den stärker im Punk verhafteten Gesinnungsgenossen Green Day oder The Offspring in den 90er-Jahren, setzen A Day To Remember verstärkt auf eine Mischung aus leicht bekömmlichem, massentauglichem Pop und stampfenden Metalcore-Breakdowns, die sich ein ums andere Mal innovationslos wiederholen. Würden sich Sänger Jeremy McKinnon (mit guter Stimme und Frontmann-Qualitäten gesegnet) und Co. stärker auf die radiotaugliche Schlagseite konzentrieren, könnten sie auch aus ihrem musikalischen Interessenskonflikt ausbrechen, der durchschlagskräftige Pop-Punk-Songs oft unpassend in härtere Gefilde verschiebt.

Surfer, Mönche, Party
Der Stimmung im erhitzten Gasometer tut dies aber keinen Abbruch – hier wird gesungen, getanzt und sogar dem "Stagesurfing" (ein sogenannter "Surfer" steht auf der Person, die als "Stagediver" vom Publikum getragen wird) gefrönt. Beim schmucken The-Frays-Cover "Over My Head (Cable Car)" wirft ein als Mönch verkleideter Roadie Plüschtiere in die feiernde Menge und vor "Right Back At It Again" animiert McKinnon die Menge zu einer "Wall Of Death". Große Partystimmung, die nur kurz unterbrochen wird, als die Band ihr hohes Tempo bei "You Had Me At Hallo" und "If It Means A Lot To You" für ein kurzes Akustik-Intermezzo unterbricht.

Die größten Hits heben sich A Day To Remember bei ihrer fast 100-minütigen Show für die Schlussphase auf. Beim poppigen "All Signs Point To Lauderdale" besingt das Quintett die schwierigen Jugendtage, bevor "The Downfall Of Us All", der Song mit der wohl besten Verbindung von melodischem Punk und stampfendem Metalcore, einen markanten Schlusspunkt setzt.

"Wir sind noch nicht einmal halb so gut, wie wir noch sein werden", verlautbarte die Band unlängst in einem Interview. Darauf darf gehofft werden, denn nachdem das melodische Skate-Punk-Genre in den letzten Jahren so gut wie ausgestorben ist, gibt es genug Platz am Thron. Oder um es mit einem Songtitel der Band zu sagen: "Have Faith In Me". Haben wir auch.

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