Do, 23. November 2017

Drama im AKH Linz

14.11.2013 12:17

Mann erschießt kranke Ehefrau und sich selbst

Entsetzliche Szenen haben sich am Mittwochabend im Linzer AKH abgespielt: Auf der Neurologischen Station im Bau D erschoss ein 84-jähriger Mann seine Ehefrau und richtete sich dann selbst. "Da stürmen gerade drei Polizeistreifen in Schutzwesten ins Krankenhaus hinein. Da ist irgendwas los!", berichtete ein Anrufer gegen 20 Uhr sehr aufgeregt der "Krone". Die Beamten fanden dort aber nur mehr die beiden Leichen.

Das betagte Paar hatte zuletzt in Linz gelebt und war regelmäßig vom Sohn bzw. der Schwiegertochter besucht worden. Am 6. November stürzte die 85-Jährige und erlitt eine Gehirnblutung. Seither war sie in stationärer Behandlung auf der Neurologie.

Die Blutung zog nach Angaben von Gerhard Ransmayr, Primar der Neurologie und Psychiatrie, zwar eine halbseitige Schwäche nach sich - auch künftige psychische Veränderungen konnten die Ärzte nicht ausschließen -, insgesamt machte die Pensionistin aber rasche Genesungsfortschritte. Sie habe bereits eine kurze Strecke fast ohne Hilfe gehen können. Die Frau hätte noch eine gute Woche im Spital bleiben und dann auf Reha gehen sollen.

"Sie wäre kein Pflegefall geworden"
Zwei Tage vor der Bluttat hatte es mit der Sozialarbeiterin des Spitals ein Gespräch gegeben, in dem es darum ging, dass die 85-Jährige künftig teilweise Unterstützung benötigt hätte. Ob hier das Motiv der Tat liegt, ist unklar. Die Pensionistin wäre jedenfalls kein Pflegefall geworden, so der Arzt. Das sei auch unmissverständlich kommuniziert worden.

Am Mittwoch kam der 84-jährige Ehemann - wie auch die Abende zuvor - ins Spital, um seine Frau zu besuchen. Diese war sehr unruhig gewesen, weshalb sie vom Pflegepersonal in ihrem Bett auf den Gang geschoben und direkt gegenüber dem Schwesternstützpunkt positioniert wurde, um sie besser beobachten zu können. Der Pensionist setzte sich zu seiner Frau und unterhielt sich laut Spital nett mit ihr.

"War genau geplantes Unternehmen"
Der 84-Jährige dürfte gewartet haben, bis sich das gesamte Personal in den Krankenzimmern aufhielt und niemand mehr am Gang war. Dann zog der Mann eine Waffe und erschoss seine Ehefrau. Anschließend richtete er sich selbst. "Es war ein genau geplantes Unternehmen", sagte Ransmayr. "Wir wissen aber nicht, ob es eine Vereinbarung zwischen den beiden war." Zudem zeigte sich der Mediziner davon überzeugt, dass der Pensionist niemand anderen gefährden wollte.

Drei Schwestern hörten die Schüsse, eilten auf den Gang und begannen sofort mit Reanimationsversuchen, die jedoch erfolglos blieben. Personal sowie Patienten waren bei dem tragischen Vorfall nicht gefährdet - Letztere bekamen nach Angaben des Spitals auch nichts von der Tat mit, da die meisten schwer krank seien.

Kriminalbeamte und Spurensicherung waren bis spät in die Nacht mit Erhebungen beschäftigt. Für die Polizei ist der Sachverhalt geklärt. Der Akt sei grundsätzlich abgeschlossen und gehe nun zur Staatsanwaltschaft, so Pressesprecher Adolf Wöss.

Keine Möglichkeit, Eingangskontrollen durchzuführen
Verwaltungsdirektor Karl Lenz sah trotz des tragischen Vorfalls keinen Bedarf und auch keine Möglichkeit, künftig Eingangskontrollen durchzuführen. Täglich seien rund 1.000 Personen - Patienten, Mitarbeiter, Besucher, Lieferanten etc. - im Haus. "Das würde den Krankenhausbetrieb komplett stilllegen", erklärte er. Es gebe für die Nachtstunden zwar einen Sicherheitsdienst mit Hund, der allerdings eher für Vorfälle in den Ambulanzen, etwa durch Alkoholisierte, gebraucht werde.

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