Mi, 13. Dezember 2017

Kriegsverbrechen

26.09.2013 12:24

50 Jahre Haft für Liberias Ex-Diktator bestätigt

Der frühere liberianische Machthaber Charles Taylor ist in letzter Instanz zu 50 Jahren Haft verurteilt worden. Das entschied das UNO-Sondertribunal für Sierra Leone am Donnerstag im Berufungsprozess gegen den 65-Jährigen. Taylor ist damit mitverantwortlich für die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bürgerkrieg in Sierra Leone. Das Sondertribunal in Leidschendam bei Den Haag in den Niederlanden bestätigte damit das Urteil der ersten Instanz von 2012.

Im Mai 2012 war der frühere Warlord in erster Instanz zu 50 Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es damals als erwiesen an, dass Taylor die Rebellen in Sierra Leone bewaffnet hat und seine Truppen an deren Seite kämpfen ließ. Dafür wurde er dem Urteil zufolge mit sogenannten Blutdiamanten bezahlt, die unter unmenschlichsten Bedingungen geschürft wurden.

Während des Bürgerkriegs in Sierra Leone starben rund 120.000 Menschen. Gegen das Urteil hatten sowohl Verteidigung als auch Anklage im Vorjahr Berufung eingelegt. Die Anklage hatte 80 Jahre Haft gefordert.

Chefanklägerin: "Gewisses Maß an Gerechtigkeit"
"Die Berufungskammer bestätigt die Strafe von 50 Jahren Gefängnis und ordnet an, dass die Strafe umgehend umgesetzt wird", sagte der Vorsitzende Richter George King in Leidschendam. Chefanklägerin Brenda Hollis sprach von einem wichtigen Signal. "Auch ein Staatsoberhaupt wird für solche Verbrechen zur Verantwortung gezogen." Das Urteil bringe ein "gewisses Maß an Gerechtigkeit", sagte Hollis.

Verteidiger: "Rechtssprechung ist chaotisch"
Taylors Anwalt Morris Anyah zeigte sich "zutiefst enttäuscht". Er hatte auf einen ähnlichen Ausgang wie im Urteil des Haager Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien gehofft, das im Februar den früheren jugoslawischen Generalstabschef Momcilo Perisic im Berufungsverfahren freigesprochen hatte. Die Richter hatten dabei nicht genügend Beweise für eine direkte Schuld gesehen. "Die Rechtsprechung ist jetzt chaotisch, das hat praktische Folgen", sagte Taylors Anwalt Anyah.

Freude und Erleichterung in Sierra Leone
Der Angeklagte selbst, der in einem schwarzen Anzug mit goldgelber Krawatte gekleidet im Gerichtssaal saß, zeigte keine Gefühlsregung. Er wird nun voraussichtlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen, vermutlich in Großbritannien. In Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, löste dies Freude und Erleichterung aus. Das Fernsehen übertrug die Urteilsverkündung live.

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