Di, 12. Dezember 2017

Wilderer-Drama in NÖ

19.09.2013 20:11

Scharfe interne Kritik am Vorgehen der Cobra

Nach dem Einsatz gegen den Wilderer im Bezirk Lilienfeld, bei dem zwei Polizisten, ein Cobra-Beamter sowie ein Sanitäter ums Leben gekommen waren, sind am Donnerstag intern schwere Vorwürfe gegen die Einsatzleitung erhoben worden. Die Cobra wies die Vorwürfe zurück.

Aufgrund von Sparmaßnahmen, so die Kritiker, wären bei der Suche nach dem Wilderer lediglich drei statt der ursprünglich vorgesehenen 13 Beamten zum Einsatz gekommen. Bereits im Sommer sei von "Cobra-Taktikern" auf die Mängel des geänderten Einsatzplanes hingewiesen worden. Dadurch sei ein "unkalkuliertes Risiko entstanden", heißt es in einem an die Austria Presse Agentur gerichteten E-Mail. Diese "Gefährdung" sei von der Cobra-Führung "bewusst in Kauf genommen worden und die Rückänderung auf den ursprünglichen Einsatzplan wegen der zu erwartenden Kosten verweigert" worden.

Kritik an mangelnder Ausrüstung
Der Wilderer habe nach dem Schusswechsel "nicht verfolgt werden können, da eine optimale Nachtkampftauglichkeit auf Grund von fehlenden und veralteten Nachtsichtgeräten bzw. Gewehroptiken nicht gegeben" gewesen sei. Zusätzlich prangerte der anonyme Verfasser an, dass "auf den Cobra-Standorten nicht die entsprechende Mannschutzausrüstung vorhanden" sei, um "sich ausreichend gegen Jagdwaffen zu schützen".

Einschubplatten als Schutz gegen Langwaffen seien lediglich für einige wenige Einsatzbeamte verfügbar und müssten, so wie auch bei dem Wilderer-Drama, "unter Gefährdung vor Ort, also im unmittelbaren Gefahrenbereich, von Mann zu Mann weitergegeben werden", heißt es dazu in dem E-Mail. Die Einschubplatten für Kurzwaffen, z.B. Pistolen, seien zudem "teilweise seit Jahren abgelaufen, jedoch in Verwendung".

Cobra-Sprecher: "Keinerlei Relevanz"
Cobra-Sprecher Detlev Polay wies die Vorwürfe zurück: "Durch die Kaltblütigkeit des Täters und sein überaus brutales und rücksichtsloses Vorgehen haben die angesprochenen Themen keinerlei Relevanz für die Auswirkungen. Es lag im vorliegenden Fall ein gemeinsam entwickeltes Einsatzkonzept vor, das allen eingesetzten Bediensteten bekannt war. Dieses basierte auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Aufgrund der äußeren Gegebenheiten, also Umgebung, Uhrzeit und Witterung, lag der Fokus der Ermittlungen auf dem Fahrzeug", so Polay.

Mikl-Leitner: "Unerträgliche Besserwisserei"
Bereits vor Bekanntwerden des E-Mails hatte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner die Kritik am Verhalten der Polizei beim Einsatz gegen den Wilderer zurückgewiesen. "Angesichts der kaltblütigen Ermordung von vier Einsatzkräften halte ich diese Besserwisserei für unerträglich", sagte die Politikerin am Rande der Angelobung bzw. Ausmusterung von 187 Polizeischülern in Wien.

Mikl-Leitner besuchte am Mittwoch die Familien der getöteten Polizisten, um ihnen ihr Mitgefühl auszudrücken und seelischen Beistand zu leisten. "Nach diesen Besuchen kann ich Ihnen ausrichten: Die Familien sehen es als respektlos und pietätlos an, wie versucht wird, die Schuld bei den Polizisten zu suchen", sagte die Innenministerin bei der Zeremonie, die mit einer Schweigeminute eröffnet wurde. Die erschossenen Polizisten im Alter von 38, 44 und 51 Jahren hinterlassen insgesamt sechs Kinder. Der 38-Jährige gehörte der Cobra an und war der erste Beamte der Spezialeinheit, der bei einem Einsatz ums Leben kam.

"Das Wichtigste derzeit ist, den Hinterbliebenen und auch den Kollegen Mitgefühl zu zeigen, mit Hochdruck zu ermitteln und den Einsatz exakt zu evaluieren", so Mikl-Leitner. "Diese Stunden und Tage gehören auch für mich zu den schwersten", fügte die Innenministerin hinzu. Sie war nach eigenen Angaben am Dienstag um 4 Uhr von der Tötung der Polizisten und des Rettungssanitäters informiert worden und stand ab diesem Zeitpunkt in permanentem Kontakt mit dem Einsatzkommando.

Staatsanwältin: 55-Jähriger erlitt Streifschuss
In der Folge verschanzte sich der Schütze in seinem Hof und lieferte sich mehrere Schusswechsel mit der Polizei. Als die Einsatzkräfte dann das Anwesen durchkämmten, entdeckten sie in der Nacht auf Mittwoch die verkohlte Leiche des Mannes im Keller seines Wohnhauses. Er hatte Feuer gelegt und sich danach mit einem Kopfschuss gerichtet.

Zuvor dürfte der Vierfachmörder auf seiner Flucht einen Streifschuss durch die Polizei erlitten haben. Laut Michaela Schnell, Leiterin der Staatsanwaltschaft St. Pölten, wurde Alois Huber im Bauchbereich getroffen, aber nicht lebensgefährlich verletzt, wie die Obduktion ergab. Die Untersuchung der Leiche des Wilderers sei abgeschlossen, ergänzte Schnell.

Waffen bei Serieneinbrüchen entwendet?
Nun konzentrieren sich die Ermittlungen auf das Waffenarsenal des Schützen: Die in dem Geheimraum sichergestellten Waffen würden genau begutachtet, die Seriennummern mit jenen aus diversen Einbrüchen verglichen. Seit dem Ende der 1990er-Jahre ist nämlich vor allem im Süden Niederösterreichs immer wieder in Jagdschlösser und -hütten eingebrochen worden. Der oder die Täter, die von den Medien den Spitznamen "Halali-Bande" bekommen haben, hatten es dabei vor allem auf Waffen und Trophäen abgesehen. Genau solche Gegenstände wurden in großer Menge in dem Haus des Vierfachmörders gefunden.

Es gibt noch eine weitere auffällige Parallele: Bei acht der "Halali-Bande" zugeordneten Einbrüchen haben der oder die Täter die Häuser angezündet, um die Spuren zu verwischen. Alois Huber hatte in seinem Haus ebenfalls Feuer gelegt, bevor er sich erschossen hat.

Die Untersuchung seiner Waffen werde jedenfalls noch Wochen in Anspruch nehmen, sagte die Staatsanwältin. Nur sechs der unzähligen Waffen soll der Wilderer übrigens legal besessen haben.

"Krone"-Familie hilft den Opfern
Nach dem Amoklauf des Wilderers stehen vier Familien vor dem Nichts. Deshalb ist die "Krone"-Familie aufgerufen, in der Not zusammenzurücken und den Hinterbliebenen zumindest finanziell Trost zu spenden. Die "Krone" startet deswegen eine landesweite Spendenaktion - und die Angehörigen können sich auf das große Herz der Leser verlassen.

BAWAG/PSK, Konto-Nr. 1.130.900, BLZ 60000, IBAN: AT42 6000 0000 0113 0900, BIC: OPSKATWW, Kennwort "Wildereropfer"

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