Fr, 15. Dezember 2017

Grauenvoller Bericht

18.09.2013 11:41

UNO: Haft in Nordkorea ähnlich schlimm wie in KZs

In nordkoreanischen Gefängnissen herrschen ähnlich grauenvolle Zustände wie einst in den Konzentrationslagern der Nazis, stellte die UNO in einem aktuellen, am Dienstag präsentierten Bericht fest. Demnach würden die Insassen "unaussprechlichen Gräueltaten" ausgesetzt, dem Hungertod überlassen und ermordet. Die UNO fordert daher Konsequenzen: Die internationale Gemeinschaft müsse endlich eingreifen.

Michael Kirby (großes Bild), der Präsident des UNO-Ermittlungsausschusses für Nordkorea, stellte den Bericht am Dienstag vor dem UNO-Menschenrechtsrat in Genf vor. "Was wir bisher gesehen und gehört haben, die schockierenden und detaillierten Zeugenaussagen, die wir zusammengetragen haben, verlangen ganz klar nach einer konsequenten Aktion der internationalen Gemeinschaft", sagte Kirby. "Wir müssen dringend handeln."

Der Bericht baut vor allem auf Zeugenaussagen von Exilanten aus Nordkorea auf, darunter ehemaligen politischen Gefangenen, aber auch Lagermitarbeitern. Ins Land gelassen wurden die UNO-Mitarbeiter trotz zahlloser Anfragen nicht.

Chefermittler: Situation erinnert an KZs
Kirby zeigte sich bei der Präsentation des Berichts tief bewegt. Als ehemaliger Richter des Höchstgerichts von Australien sei er ziemlich abgehärtet, doch die nunmehrigen Aussagen hätten ihn mehrmals zu Tränen gerührt. Die Situation in Nordkorea und Nazi-Deutschland sei zwar nicht exakt gleich, aber vor seinem geistigen Auge habe er das Bild der Entdeckung der Konzentrationslager nach dem Zweiten Weltkrieg gesehen.

Mord, Folter, Unmenschlichkeit
Eine Nordkoreanerin gab bei der UNO-Befragung etwa an, eine Mitinsassin sei im Gefängnis gezwungen worden, ihr Baby in einem Kübel zu ertränken. Andere berichteten von grausamer Folter und unmenschlicher Behandlung: Der bekannte Überläufer Shin Dong Hyuk (kleines Bild) zum Beispiel musste die öffentliche Exekution seiner Mutter und seines Bruders mit ansehen.

Zahlreiche Hungertote
Ein ehemaliger Gefangener gab zudem an, er sei gezwungen worden, "die vielen Leichen von Insassen, die verhungert waren, in einen Topf zu geben und zu verbrennen". Die Asche sei dann auf nahe gelegenen Feldern verstreut worden. Auch Shin Dong Hyuk hat laut eigenen Angaben im Lager für politische Gefangene nur überlebt, weil er sich von Gras, Eidechsen und Nagetieren ernährte.

Ganze Familien verschwinden in Lagern
In einem der brutalen Gefangenenlager zu enden ist leicht: Ganze Generationen von Familien werden laut UNO wegen "gemeinschaftlicher Schuld" bestraft - auch wenn nur einer Person eine vermeintliche Verfehlung vorgeworfen wird. Exilanten berichteten außerdem unter anderem, allein für das Ansehen ausländischer Seifenopern auf DVD eingesperrt worden zu sein.

Kim Jong Il ließ Kinder entführen
Auch die Eltern der 13-jährigen Megumi Yokota aus Japan sagten vor der UNO aus. Das Mädchen war 1977 auf dem Weg zur Schule auf Befehl des damaligen nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il entführt worden. Sie war eine von 13 japanischen Bürgern, die der inzwischen verstorbene Kim verschleppen ließ, um sie als Spione auszubilden. Acht von ihnen, darunter Yokota, sind Nordkorea zufolge mittlerweile tot.

Nordkorea: Sämtliche Aussagen erfunden
Nordkorea hat die Anschuldigungen des UNO-Berichts umgehend zurückgewiesen. Diplomat Kim Yong Ho sagte, die Anschuldigungen seien eine freie Erfindung feindlicher Kräfte, um das Regime in Pjöngjang zu stürzen. Schuld seien die EU, Japan und die USA. Die wichtigsten Verbündeten der Diktatur - China, Weißrussland und Syrien - schlugen sich während der UNO-Debatte erwartungsgemäß auf die Seite Nordkoreas.

UNO verlangt Antwort auf systematische Verbrechen
Bisher galt vor allem dem Atomwaffenarsenal Nordkoreas die internationale Aufmerksamkeit, doch auf Druck von Japan, Südkorea und westlichen Ländern begann die UNO im März, die seit Jahren berüchtigten Gefängnisse Nordkoreas unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis seien "umfassende Beweise" für systematische Verbrechen gegen die Menschlichkeit, erklärte Kirby. Welche genaue Reaktion die internationale Gemeinschaft darauf geben soll, lässt die UNO offen - ein Eingreifen sei aber auf jeden Fall dringend nötig.

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