Di, 12. Dezember 2017

Ausgebrannt

07.09.2013 12:00

Burn-out: Was tun, wenn nichts mehr geht?

Man hat oft den Eindruck, der Begriff "Ausgebrannt sein" habe sich zu einer Modeerscheinung entwickelt. Tatsächlich ist es aber so, dass laut europäischen Studien etwa jeder vierte Arbeitnehmer chronisch müde und überlastet ist – und damit potenziell Burn-out-gefährdet. In einer Gesellschaft, in der finanzieller und persönlicher Erfolg sehr hoch angesehen sind, steigt der Druck und damit die Gefahr eines Zusammenbruchs. Erfahren Sie hier, was die Alarmsignale sind, wie Sie gegensteuern und was Sie tun sollten, wenn Sie betroffen sind.

Wie es beginnt…
Große Motivation des Arbeitnehmers, ein hoher Arbeitseifer und ein Streben nach Perfektion sind oft die Grundlage für ein späteres Burn-out. Nämlich dann, wenn dieser große Einsatz nicht – ausreichend – gewürdigt und geschätzt wird. Man hat das Gefühl, für seine Mühe nichts zurückzubekommen und dafür eigene Bedürfnisse zugunsten der Arbeit zurückzustellen.

Das mündet mit der Zeit in Erschöpfung, Frustration und schlussendlich auch körperliche Beschwerden: Verspannungen, Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen, häufige Erkrankungen. Die Betroffenen werden innerlich leer, gleichgültig gegenüber sich selbst und ihrem Umfeld, haben kaum mehr Energie, sich Tätigkeiten zu widmen, die ihnen früher Spaß gemacht haben. Man hat keine Energie mehr, sich der Familie, Freunden oder gar Hobbies zu widmen, und vereinsamt immer mehr, stumpft emotional ab. Auch beginnen sich bald Schlafprobleme einzustellen, weil Situationen und Probleme immer wieder durchgespielt werden. All dies mündet schlussendlich in einer Depression und totalen Erschöpfung.

Wenn Sie mehrere dieser Anzeichen bei sich erkennen, sollten Sie aktiv werden und Ihren Arzt kontaktieren bzw. therapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen. Es bringt nichts, ein Burn-out in einer frühen Phase aussitzen zu wollen. Bemerken Sie bei sich die Tendenz zum Burn-out, sollten Sie rechtzeitig gegensteuern:

1. Realistische Ziele setzen
Überfordern Sie sich nicht selbst, sondern lassen Sie sich nur auf jene Aufgaben ein, denen Sie realistisch gewachsen sind. Große Ziele sollten in Teilziele zerlegt werden, damit sie erreichbar scheinen und Sie nicht unter Druck setzen.

2. Sich selbst organisieren
Achten Sie darauf, dass Ihr Arbeitsumfeld konzentrierte Arbeit zulässt, und vermeiden Sie es, an mehreren Dingen zugleich mit sprunghaften Wechseln und Störungen zu arbeiten. Dadurch entsteht subjektives Stressempfinden.

3. Überlastungsaktivitäten reduzieren
Überprüfen Sie Ihr Berufs- und Privatleben kritisch: Welche Aktivitäten kosten viel Zeit und persönliche Energie, bringen Ihnen aber vergleichsweise keinen Nutzen? Konzentrieren Sie Ihren Aufwand auf jene Bereiche, in denen die Aufwand-Nutzen-Relation stimmt, um Überlastung zu reduzieren.

4. Sozialleben
Freunde und Familie sind wichtig. Auch wenn Sie bereits in einem Stadium sind, in dem Sie soziale Aktivitäten als Belastung empfinden: Überwinden Sie sich dazu. Ein aktives Sozialleben und Menschen, die einen auffangen, können die eigene Situation verbessern.

5. Pausen
Sie brauchen Freizeit und sollten diese auch nutzen: Arbeitspausen, Feierabende und Wochenende sollten konsumiert und arbeitsfrei gehalten werden. Besinnen Sie sich in dieser Zeit auf Aktivitäten, die Ihnen Energie geben: eine Stunde Sport oder Gartenarbeit, ein gemeinsames Frühstück mit der Familie – all dies ist wichtig, um die Batterien wieder aufzuladen.

Wege aus dem Burn-out
Wenn Sie ein Burn-out haben, führt jedoch kein Weg an professioneller Unterstützung vorbei. Dabei gibt es keine allgemein gültige Behandlungsweise: Jeder Betroffene wird individuell zuerst stabilisiert, dann wird ein Weg zur Neuorientierung erarbeitet, um die Rückfallwahrscheinlichkeit zu minimieren. Die körperlichen Symptome müssen zunächst medikamentös behandelt werden. Auch muss jedenfalls eine Entspannungstherapie, oft mit autogenem Training, durchlaufen werden. Ist das Burn-out bereits im Stadium einer schweren Depression, sind Antidepressiva nicht zu vermeiden, unterstützt durch eine längerfristige Psychotherapie.

Burn-out-Behandlungen können durchaus ein Jahr lang, fallweise auch länger, dauern. Während dieser Zeit ist der Patient auch nicht arbeitsfähig und in Krankenstand. Der Betroffene wird intensiv gecoacht und die früheren Verhaltensweisen analysiert bzw. auf Veränderungsbedarf hin untersucht. Nicht selten wird von einer Rückkehr in den alten Job abgeraten, um das Rückfallrisiko zu vermeiden.

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