Mo, 20. November 2017

Studie aus NÖ

31.05.2013 15:33

Wölfe lernen besser von Artgenossen als Hunde

Wölfe lernen besser von Artgenossen als Hunde. Das konnten die Verhaltensforscherinnen Friederike Range und Zsofia Viranyi am "Wolfsforschungszentrum" in Ernstbrunn (NÖ) zeigen. Sie trainierten dazu einen Hund, über einen Mechanismus an Futter in einer Kiste zu kommen. Wölfe, die ihn dabei beobachteten, schafften es anschließend deutlich besser, ans Futter zu kommen, als Hunde. Die Wissenschaftler vermuten, dass Hunde im Laufe der Evolution zunehmend die Fähigkeit verloren haben, von ihresgleichen zu lernen, während sie zunehmend die Kompetenz erwarben, vom Menschen zu lernen.

Kurt Kotrschal, der gemeinsam mit Range und Viranyi das "Wolf Science Center" gegründet hat, zeigte sich schon bei der Eröffnung der Forschungseinrichtung erstaunt über die Klugheit, mit der Wölfe spontan Aufgaben lösen und etwa Mechanismen für Behälter mit Futter öffnen. Bei solch spontanen Aufgaben seien Hunde im Vergleich meist unterlegen. Dagegen seien die Hunde den Wölfen beim Umgang und der Kommunikation mit Menschen haushoch überlegen.

Letzteres zeigt sich etwa an der Fähigkeit von Hunden, selbst von drei Monate alten Welpen, in die Richtung zu schauen, in die ein Mensch zeigt. Wölfe schaffen das nicht, was als Evidenz dafür gewertet wird, dass Hunde im Laufe der vor 15.000 Jahren begonnenen Domestikation soziale Intelligenz erworben haben, die dem Wolf abgeht. "Aber das ist zu simpel", zitiert "Science" Range, die die bisher noch nicht publizierten Ergebnisse kürzlich bei der Jahrestagung der Association for Psychological Science in Washington D.C. vorgestellt hat.

Unterschiede im Rudelverhalten
In ihren Experimenten arbeiten die Wissenschaftler mit unter gleichen Bedingungen aufgezogenen und gehaltenen Hunden und Wölfen. Der Unterschied zwischen den beiden Arten zeigte sich beim Verhalten im Rudel, wenn von den Forschern eine gemeinsame Nahrungsquelle zur Verfügung gestellt wurde. Im Wolfsrudel gab es zwar mehr Aggression, aber selbst das schwächste Rudelmitglied erhielt einen Anteil vom Futter. Bei den Hunden dagegen beanspruchte das Alpha-Tier das Futter für sich allein, im Rudel niedriger stehende Tiere gingen leer aus.

Dieses Verhalten brachte Range und Viranyi auf die Idee, die soziale Intelligenz von Wölfen und Hunden genauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu schufen die Forscherinnen einen Versuchsaufbau, bei dem eine Kiste mit Futter nur durch einen Mechanismus geöffnet werden konnte. Dann trainierten sie einen Hund, den Mechanismus mit der Schnauze zu bedienen, und einen anderen Hund, die Kiste mit der Pfote zu öffnen. Würden Hunde eine höhere soziale Intelligenz besitzen als Wölfe, sollten sie auch durch Beobachtung besser lernen, das Problem zu lösen und ans Futter zu kommen.

Hunde taten sich schwerer
Doch die Hunde taten sich schwer dabei. Nur vier von 15 Hunden schafften es, die Kiste zu öffnen, und kein einziger davon verwendete die ihnen gezeigte Methode. Bei den Wölfen dagegen kamen alle zwölf ans Futter, neun davon, indem sie die demonstrierte Methode imitierten. "Nach der gängigen Theorie wurden Wölfe zu Hunden, als sie begannen, die Menschen als Rudelmitglieder zu betrachten", so Range. Vielleicht gab es beim Lernen neuer kognitiver Fähigkeiten einen evolutionären Kompromiss und die Hunde verloren einige der Fähigkeiten, von Artgenossen zu lernen und erwarben stattdessen Kompetenzen, von Menschen zu lernen, vermuten die Forscherinnen.

Um zu überprüfen, ob Hunde insgesamt schlechter beim Lernen geworden sind oder möglicherweise nur stärker auf Menschen fokussiert sind, haben Range und Viranyi bei der gleichen Versuchsanordnung einen Menschen das Öffnen der Futterkiste vorführen lassen. Derzeit werden die Daten dieses Experiments analysiert.

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