Di, 21. November 2017

„Kein Mordversuch“

14.06.2012 20:00

NÖ: Ex-Freundin mit Kabel gewürgt - 15 Monate Haft

Wegen versuchter schwerer Nötigung und Körperverletzung ist ein 63-Jähriger am Donnerstagabend am Landesgericht Korneuburg in Niederösterreich zu 15 Monaten Haft verurteilt worden. Dem Pensionisten war zur Last gelegt worden, am 15. Dezember 2011 versucht zu haben, seine Ex-Freundin (43) aus der Slowakei mit einem Antennenkabel zu erdrosseln. Ursprünglich hatte die Anklage sogar auf Mordversuch gelautet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, denn während der Beschuldigte das Urteil annahm, erbat sich der Staatsanwalt Bedenkzeit.

Der Anklage zufolge hatte die Frau zwei Tage vor der Tat die Beziehung beendet. Allerdings sei sie auf E-Mails des 63-Jährigen hin am 15. Dezember noch einmal zu ihm in die Wohnung in Hainburg im Bezirk Bruck an der Leitha gekommen. Im Schlafzimmer habe der vom Staatsanwalt als "irrsinnig eifersüchtig" bezeichnete Angeklagte der damals noch 42-Jährigen von hinten ein Antennenkabel um den Hals gelegt und zugezogen. Das Leben gerettet habe dem Opfer nur, dass es vorgegeben habe, die Beziehung doch wieder aufzunehmen. Nachdem die Slowakin um ein Glas Wasser gebeten hatte, sei ihr die Flucht gelungen.

Mann: "Habe sie über alles geliebt"
Der Verteidiger erklärte vor Gericht, der Angeklagte hätte nur gewollt, dass die Frau zu ihm zurückkomme. Der Beschuldigte beteuerte, er habe die Slowakin "nicht umbringen" und auch nie verletzen wollen. Vielmehr habe er sie, die er im Frühjahr 2011 via Internet kennengelernt hatte, "über alles geliebt". Mit dem Kabel habe er die Frau einschüchtern wollen, außerdem habe er nicht fest zugedrückt.

Die Slowakin wurde in Abwesenheit des Angeklagten vor Gericht befragt, die Richterin kam damit einem Wunsch des Opfers nach. Die 43-Jährige machte ihre von einer Dolmetscherin übersetzte Aussage teilweise unter Tränen. Sie sei am 15. Dezember noch einmal zu ihrem Ex-Freund in die Wohnung gekommen, weil dieser geschrieben habe, dass er bettlägerig sei und er ihr leidgetan habe. Zur Tat hielt die Frau fest, dass sie "etwas" um den Hals gespürt habe. Dass es ein Kabel war, habe sie zunächst nicht gewusst. Jedenfalls habe sie nicht atmen können.

Frau leidet seit Tat unter Schlafstörungen
Sie habe sich allerdings gewehrt und getreten. Dadurch sei es ihr gelungen, ihre zunächst fixierten Hände frei und schließlich ihre Finger zwischen Hals und das Antennenkabel zu bekommen. Gelockert habe der Mann das Kabel ihrer Meinung nach, weil sie ihre Rückkehr zu ihm zugesagt habe, so die 43-Jährige. Als sie ein Glas Wasser verlangte, sei ihr nur mehr "schnell verschwinden" eingefallen. Sie leide seit der Tat unter Schlafstörungen und werde medikamentös behandelt.

Die Geschworenen verneinten die Hauptfrage nach Mordversuch einstimmig. Ebenso einstimmig bejahten sie die Fragen nach versuchter schwerer Nötigung und nach Körperverletzung.

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