Mi, 17. Jänner 2018

Wegen Hotelpreisen

10.05.2012 23:35

Teurer Rio-Gipfel: EU spart ein - Österreich fliegt

Wegen stark überhöhter Hotelpreise hat das EU-Parlament die geplante Reise einer elfköpfigen Delegation zum UNO-Umweltgipfel im brasilianischen Rio de Janeiro abgesagt. Die Teilnahme sei angesichts der Finanzprobleme in Europa nicht zu rechtfertigen, begründete Matthias Groote, Vorsitzender des Umweltausschusses im Europaparlament, den Protest. Die Delegation des österreichischen Lebensministeriums unter der Leitung von Umweltminister Niki Berlakovich wird hingegen teilnehmen. Am Abend verkündete auch die EU-Kommission, dass sie mit sechs Mitgliedern anreisen wolle - allerdings "kostensensibel".

Im Juni findet in Rio die Umweltkonferenz "Rio+20" statt – Vertreter aus 120 Staaten werden dabei erwartet. Davon wollen natürlich auch die Hoteliers der brasilianischen Metropole profitieren und haben die Preise für ihre Zimmer kräftig angehoben. Eigentlich nicht überraschend, ist eine solcher "Zuschlag" bei Großveranstaltungen und Konferenzen immerhin weltweit gängige Praxis.

Doch die Brasilianer sind diesmal offenbar zu weit gegangen. Die elfköpfige Delegation des EU-Parlaments zog daraufhin nun die Notbremse und sagte die geplante Reise nach Rio ab. Die explodierenden Kosten würden eine Teilnahme nicht mehr rechtfertigen, so die Begründung.

"Missbrauch durch die Hoteliers"
Der Umweltausschuss-Vorsitzende Groote forderte zudem vom EU-Parlament einen förmlichen Protest beim Generalsekretär der Konferenz. Und der ursprüngliche Delegationsleiter, der niederländische EU-Abgeordnete Gerben-Jan Gerbrandy, schoss sich gleich auf die brasilianische Regierung ein: Als Gastgeberin des Gipfels hätte sie einen "derartigen Missbrauch durch die Hoteliers" verhindern müssen.

Österreicher halten an Reise fest
Auch in Österreich sei man sich der Kosten-Problematik bewusst, teilte Doris Ostermann, Pressesprecherin von Umweltminister Berlakovich, am Donnerstag auf Anfrage von krone.at mit. Die Teilnahme an dem Gipfel stelle das Ministerium aber auch nach der Absage der EU-Delegation nicht infrage. Zu wichtig sei die Bedeutung der Konferenz in Rio, so Ostermann weiter. Die Hotelkosten der Österreicher konnte sie jedoch nicht beziffern, eine Agentur habe die Reise von langer Hand geplant.

"Schlanke" Berlakovich-Delegation
Sie betonte aber, dass die Delegation des Lebensministeriums mit Berlakovich als Leiter und fünf Mitarbeitern des Ministeriums äußerst "schlank" geraten sei. Der Minister reise zudem nur für drei Tage an. Er sei nur zum Abschluss der Konferenz von 20. bis 22. Juni in Rio de Janeiro. Zusätzlich würden – nicht auf Kosten des Lebensministeriums - auch Mitarbeiter des Außenamts, Grünen-Umweltsprecherin Christiane Brunner und SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr anreisen, ergänzte Ostermann.

Dass sich Minister Berlakovich dem Protest der EU-Delegation anschließen könnte und die Reise nach Rio absagt, dürfte auch deshalb nicht ganz so leicht zu bewerkstelligen sein, weil er wie seine Kollegen der UNO-Mitgliedsstaaten – im Unterschied zu den Parlamentariern aus Brüssel – etwaige Beschlüsse der Konferenz letztlich unterzeichnen muss.

Bayr: "Keine Kosten für die Republik"
Den Anstieg der Hotelpreise in "überdimensionale Höhen" während des Rio-Gipfels bestätigte auch die SPÖ-Abgeordnete Bayr gegenüber krone.at. Sie übernehme die Kosten für die Unterkunft jedoch aus privater Kasse, wie sie betonte. Ein bezahlbares Hotel zu finden, sei ihr "nach langer Suche nur über einen brasilianischen Freund gelungen".

Ihre Flugkosten, ergänzte sie, übernehme "Globe Europe", eine Gemeinschaft von Parlamentarieren, die sich über die Landes- und Parteigrenzen hinaus für Umweltschutz, den Erhalt der Biodiversität und für nachhaltige Entwicklung einsetzt. Bayr ist stellvertretende Vorsitzende. Der Republik würden durch ihre Teilnahme jedenfalls keine Kosten anfallen.

Auch EU-Kommission reist "kostensensibel" an
Am Donnerstagabend verkündete dann auch die EU-Kommission, dass sie zum Gipfel mit sechs ihrer 27 Mitglieder anreisen werde. Neben Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso nähmen Klimakommissarin Connie Hedegaard, Entwicklungskommissar Andris Piebalgs, Umweltkommissar Janez Potocnik, Fischereikommissarin Maria Damanaki und Agrarkommissar Dacian Ciolos teil, sagte eine Sprecherin in Brüssel.

"Wir sind sehr sensibel, was die Kosten angeht, und versuchen sie soweit als möglich zu vermindern", sagte sie. Dennoch müsse pro Kommissar oder Kommissarin mit weiteren rund 20 Mitarbeitern gerechnet werden, verlautete aus EU-Kreisen.

Meilenstein-Gipfel nach 20 Jahren
"Rio+20" findet genau 20 Jahre nach dem Erdgipfel (UNCED) in der brasilianischen Metropole statt. Der Erdgipfel 1992 galt als Meilenstein für die Integration von Umwelt- und Entwicklungsbestrebungen und war seit der Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen in Stockholm 1972 die erste größere internationale Konferenz, die Umweltfragen in einem globalen Rahmen diskutierte.

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