Di, 12. Dezember 2017

Schockierende Bilder

28.04.2012 11:00

Timoschenko nach "Transport" voller blauer Flecken

Neu aufgetauchte Fotos der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko bringen die Regierung in Kiew gehörig unter Druck. Auf den Bildern zeigt die geschwächt wirkende, im Bett liegende 51-Jährige zahlreiche blauen Flecken. Es sind ihren Angaben zufolge Folgen der Gewalt, mit der man sie gegen ihren Willen zur Zwangsbehandlung vom Gefängnis in eine Klinik verlegt habe. Deutsche Ärzte fordern unterdessen erneut, die Ex-Regierungschefin zur Behandlung ausreisen zu lassen.

Es sind Bilder, die unter die Haut gehen. Julia Timoschenko, im Krankenbett liegend, zeigt die Spuren von angeblichen Misshandlungen durch die Gefängniswärter, die sie mit Gewalt von ihrer Zelle im Gefangenenlager von Charkiw ins Krankenhaus geschafft hätten. Die 51-Jährige wirkt schwach und erschöpft.

Ihr Gesundheitszustand "hat sich deutlich verschlechtert", betonte der Chef der Berliner Universitätsklinik Charité, Karl Max Einhäupl, dem die Bilder zugespielt wurden, am Freitag vor Journalisten. Die Ex-Regierungschefin leide an einem nicht behandelten und sehr schmerzhaften Bandscheibenvorfall, der sich zu einem chronischen Leiden ausgeweitet habe.

Einhäupl zeigte auch Aufnahmen der letzten Magnetresonanztomographie Timoschenkos, auf denen der Bandscheibenvorfall deutlich zu sehen sei, so der Mediziner (letztes Bild). Nach seinen Worten hätten deutsche Ärzte auf Bitten der Familie Timoschenkos die Oppositionsführerin untersucht. "Wir sind von keiner politischen Institution in irgendeine Position gedrängt worden."

"Timoschenko verweigert Injektionen und Blutabnahmen"
Die deutschen Ärzte appellierten bereits mehrfach an Präsident Viktor Janukowitsch, die schwer kranke Timoschenko ausreisen zu lassen. "Seien Sie ein den humanitären Werten verpflichteter Präsident und lassen Sie sie zur Behandlung in das europäische Ausland ausreisen", bekräftigte Einhäupl auch am Freitag.

Timoschenko gehe davon aus, dass die ukrainischen Behörden sie ganz bewusst nicht von den Schmerzen befreien wollten, sagte Einhäupl weiter. Deswegen weigere sie sich kategorisch, sich von ukrainischen Ärzten behandeln zu lassen. Sie habe "kein Vertrauen" in ihre Ärzte, weshalb sie aus Angst vor ansteckenden Krankheiten auch jegliche Injektionen oder Blutabnahmen verweigere.

"Ich kann Ihnen sagen, dass wir deswegen auch ganz erhebliche Zweifel daran haben, in der Ukraine eine solche Therapie erfolgreich durchzuführen", sagte der Charité-Chef weiter. Es sei auch zweifelhaft, ob die 51-Jährige mit der Entsendung von ein oder zwei Ärzten geheilt werden könne, wie die Ukraine zuvor vorgeschlagen hatte. Bei ihrem fortgeschrittenen Krankheitsstadium sei eine komplexe Behandlung eines großen Teams nötig.

Der Hungerstreik, in den sie am 20. April aus Protest gegen ihre Haftbedingungen getreten ist, erhöhe ihr Risiko für weitere Erkrankungen zusätzlich, sagte Einhäupl. Einhäupl betonte, er sehe "einen Grund, Frau Timoschenko in kurzer Zeit noch einmal zu besuchen". Dies solle möglichst "in den nächsten sieben Tagen" geschehen.

"Erhebliche Zweifel" an erfolgreicher Therapie in der Ukraine
Einhäupl sagte erneut, die Charité sei bereit, Timoschenko in Berlin zu behandeln. Auch die deutsche Regierung bekräftigte das Angebot einer Therapie Timoschenkos in Deutschland. Es sei wichtig, dass sie die "nötige medizinische Behandlung" bekomme, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Der Leiter der Carité-Klinik für Orthopädie, Norbert Haas, stellte im Rahmen der Pressekonferenz ein neues Gutachten vor. Auch er sagte, es gebe "erhebliche Zweifel" an einer erfolgreichen Therapie Timoschenkos in der Ukraine. Das behandelnde Krankenhaus in Charkiw im Osten des Landes sei zwar "neu hergerichtet", einige Therapien seien dort jedoch nicht möglich.

In neuem Prozess drohen Timoschenko zwölf Jahre Haft
Timoschenko verbüßt derzeit eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Zudem läuft seit dem 19. April ein Verfahren wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung gegen die 51-Jährige. Eine für Samstag angesetzte Verhandlung wurde auf den 21. Mai verschoben, da die Fortsetzung des Prozesses laut dem Richter nicht in Abwesenheit der Politikerin erfolgen könne. Timoschenko drohen in dem neuen Prozess bis zu zwölf Jahre Haft. Zudem soll sie dem Staat umgerechnet 1,8 Millionen Euro zurückzahlen. Vor dem Gericht demonstrierten am Samstag rund tausend Anhänger der Ex-Regierungschefin.

Timoschenkos Heimatstadt Dnjepropetrowsk wurde am Freitag von einer Serie von Bombenexplosionen erschüttert (siehe Infobox). Nach Behördenangaben wurden durch drei Detonationen mindestens 27 Menschen verletzt. Die Ukraine und Polen sind im Juni Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft. Unter anderem in Deutschland gab es bereits erste Boykottaufrufe.

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