Mo, 18. Dezember 2017

Nächtliche Einigung

25.04.2012 07:24

AUA: Doch noch Kompromiss bei KV-Verhandlungen

Im langwierigen Streit zwischen AUA-Vorstand und dem fliegenden Personal über neue Kollektivverträge ist es in der Nacht auf Mittwoch zu einer Einigung gekommen. Der Kompromiss: Abschlagszahlungen für Angestellte, dann der Wechsel in neue - und für das Unternehmen günstigere - Verträge.

Seit Tagen liefen die Verhandlungen zwischen Management und dem Betriebsrat. Der Stein des Anstoßes war, wie berichtet, ein erzwungener KV-Betriebsübergang von Austrian auf Tyrolean.

Piloten und Flugbegleiter stimmen ab
Beide Seiten wollten eine Prozesslawine abwenden und feilten an einem Kompromiss. Dieser dürfte – vorbehaltlich der Zustimmung in den Gremien – nun erzielt worden sein. Die Hintergründe: Altgediente Piloten und Stewardessen erhalten Abschlagszahlungen, dafür wird in einen einheitlichen, günstigeren KV gewechselt. Jährliche Vorrückungen sind dann Geschichte.

In den nächsten Tagen soll es nun eine Reihe von Informationsveranstaltungen des Betriebsrats geben, bei denen das Verhandlungsergebnis im Detail vorgestellt wird. Danach findet eine Abstimmung unter den Piloten und Flugbegleitern statt.

Bei negativem Votum KV-Betriebsübergang
In einer von AUA-Chef Jaan Albrecht und AUA-Bordbetriebsratschef Karl Minhard unterschriebenen Mitteilung an die Mitarbeiter heißt es: "Wir sind davon überzeugt, dass das erzielte Ergebnis trotz aller Härten und Zugeständnisse den besten Kompromiss zwischen sozialer Ausgewogenheit und wirtschaftlicher Notwendigkeit darstellt. Es gibt uns zudem die Chance, eine neue gemeinsame Firmenkultur aufzubauen." Ein positives Abstimmungsergebnis würde laut AUA-Vorstand eine gemeinsame Lösung bedeuten, ein negatives Abstimmungsergebnis hätte den Betriebsübergang zum Tyrolean-Flugbetrieb zur Folge.

Mit der erwarteten endgültigen Einigung fallen die teuren automatischen Vorrückungen (Inflationsausgleich) ebenso weg wie Pensionsprivilegien. Auch die Klausel, wonach Tyrolean-Piloten nicht in den größeren AUA-Flugzeugen eingesetzt werden dürfen, fällt. Diese Klausel wurde von den AUA-Piloten jahrelang verbissen verteidigt. Für die AUA-Bordleute bedeutet die Einigung auch längere Arbeitszeiten.

Mit einem Aufsichtsratsbeschluss vorige Woche, der den AUA-Vorstand ermächtigte, per 1. Juli den AUA-Flugbetrieb auf Tyrolean auszulagern, hatte das Management den Druck erhöht. Von der Auslagerung wären 600 AUA-Piloten und rund 1.500 Stewardessen betroffen gewesen, nicht aber das AUA-Bodenpersonal. In der AUA-Belegschaft war von einer bevorstehenden "Amputation" die Rede gewesen.

Ob und wann nun die per Ende Juni ausgesprochenen Kündigungen der Kollektivverträge des AUA-Bordpersonals durch den Vorstand und für die Tyrolean durch die Gewerkschaft zurückgenommen werden, ist noch offen. Die AUA hat in KV-Streitigkeiten auch in der Vergangenheit schon Tarifverträge aufgekündigt und diese Kündigungen in letzter Minute wieder ausgesetzt.

Mutter Lufthansa fordert rasche AUA-Sanierung
Eine tief greifende Tarifreform bei der AUA ist Teil eines mehr als 220 Millionen Euro teuren Sparpakets, das die Lufthansa ihrer Tochter AUA auferlegt hat. Es stand nicht viel weniger als eine positive Prognose auf dem Spiel, ob es mit der AUA im Lufthansa-Konzern so weitergehen kann wie bisher. Die Lufthansa hat eine AUA-Sanierung als Priorität erklärt und verlangte vom Vorstand aus Wien, bald Ergebnisse zu liefern.

Doch auch die Lufthansa ist derzeit in Deutschland mit massivem Widerstand der Gewerkschaften konfrontiert. Kernpunkte der Kritik sind das massive Sparpaket und der vom Unternehmen geplante Einsatz von Leiharbeitern. Bei ihren deutschen Operationen will das Unternehmen ebenso an Löhne und Altersversorgung ran.

Einige Piloten der AUA in Wien vermuten daher, dass die österreichische Tochter hier den Versuchsballon starten sollte. Die Gewerkschaft bangt in Deutschland wegen des Sparprogramms um 5.000 Lufthansa-Jobs und wirft dem Management vor, den Leuten Angst machen zu wollen.

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