Do, 23. November 2017

Nach Fukushima

09.02.2012 14:16

Ein Mann versorgt die Tiere in Japans verseuchter Zone

Die Atomkatastrophe hat in der japanischen Präfektur Fukushima eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die Menschen sind aus der verseuchten, sogenannten "verbotenen Zone" geflüchtet. Nur ein Mann ist geblieben: Naoto Matsumura, ein ehemaliger Reisbauer, der sich nun um die zurückgelassenen Tiere aus Fukushima kümmert: Er versorgt 400 Kühe, 60 Schweine, 30 Pferde, zehn Hunde, 100 Katzen und einen Strauß und setzt dabei seine eigene Gesundheit aufs Spiel.

Naoto Matsumura ist der einzige Mensch in Tomioka City, einem Vorort von Fukushima, das vor rund neun Monaten Schauplatz einer Atomkatastrophe wurde. Tomioka wurde verseucht und ist Teil der "verbotenen Zone", aus der die ehemals 16.000 Bewohner längst geflüchtet sind. Doch Naoto Matsumura bleibt und riskiert dabei sein eigenes Leben - denn er hat die Verantwortung für die vielen Tiere übernommen, die in der Gegend zurückgelassen wurden.

Flüchtende Menschen ließen ihre Tiere frei
Rund um das Kernkraftwerk im japanischen Fukushima wurden alle Dörfer evakuiert. Nur Naoto Matsumura weigerte sich, seine Farm zu verlassen, die längst nicht mehr über Strom oder fließendes Wasser verfügt. Er hat sich all jener Tiere angenommen, die von der flüchtenden Bevölkerung nach dem Reaktorunfall zurückgelassen werden mussten. "Bei der Evakuierung haben die Menschen einfach die Ställe geöffnet und die Tiere in die Natur entlassen. Viele Kühe und Schweine sind scheu geworden." Alleine kümmert er sich derzeit um etwa 600 Tiere, darunter ein Strauß.

Matsumura versorgt auch ehemaliges TEPCO-Maskottchen
Den Strauß entdeckte Matsumura in einem Viertel von Tomioka, in dem die Strahlenbelastung besonders hoch ist. Der Vogel war der letzte Überlebende. Matsumura konnte das Tier mit Futter anlocken und versorgt es seitdem. Bei dem Strauß handelt es sich ausgerechnet um das ehemalige Maskottchen des Energiekonzerns TEPCO, Betreiber des Atomkraftwerks von Fukushima. "Er sollte Energieeffizienz symbolisieren", erzählt Matsumura.

Vom Reisbauer zum Retter der Tiere
Seiner früheren Arbeit als Reisbauer kann Matsumura heute nicht mehr nachgehen. Er besaß 32 Bienenstöcke, heute sind es nur noch drei, denn die meisten Bienen sind gestorben. Sein einstiges Hobby, das Fischen im Fluss, kann er auch nicht mehr ausüben - das Wasser ist radioaktiv verseucht. "Morgens stehe ich auf und gehe mit den Hunden eine Runde spazieren. Dann überlege ich mir, was ich den restlichen Tag so tun werde", erzählt der 52-jährige. Täglich geht er von Haus zu Haus und füttert alle Hunde, Katzen und Nutztiere in der Stadt und den umliegenden Wäldern.

Matsumura kämpft gegen Tier-Tötungen durch Regierung
Im Frühling 2011 erfuhr Naoto Matsumura, dass die Veterinärbehörde von Fukushima beschlossen hatte, die überlebenden Tiere zu töten. In der Gegend wurden Stacheldrahtzaun ausgerollt und Fallen aufgestellt. "Dieses Massaker war vollkommen sinnlos", regt sich Matsumura auf. Er befreite vor allem Hund und Katzen aus den Fallen, viele haben Gliedmaßen verloren (zweites Bild).

Mittlerweile hat der "Beschützer der Tiere von Fukushima", wie Naoto Matsumura auch genannt wird, von vielen Seiten Unterstützung erhalten. Bewunderer seiner Arbeit haben eine eigene Facebook-Seite für ihn eröffnet. Dort gibt es auch eine Protestseite gegen die Tötungen. Ein PayPal-Konto wird eingerichtet, damit er auch aus dem Ausland finanziell unterstützt werden kann. Währenddessen versucht er weiterhin, die japanische Regierung davon zu überzeugen, keine Tiere aus der Gegend um Fukushima mehr zu töten. Auch in Zukunft will er das Wohl der vergessenen Tier über sein eigenes stellen: "Ich bleibe hier!"

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