Fr, 24. November 2017

Nach Attacke in Wals

13.01.2012 18:01

Rottweiler-Halter: „Habe unbewusst Unglück ausgelöst“

Die Attacke eines Rottweilers auf eine Vierjährige in Wals im Salzburger Flachgau hat seit Freitag für den Hundebesitzer ein gerichtliches Nachspiel. 30 Operationen musste Amelie über sich ergehen lassen, nachdem sie vom Rottweiler des Nachbarn regelrecht skalpiert worden war. Der Mann, der auf "nicht schuldig" plädierte, sagte am ersten Prozesstag: "Ich wollte nur helfen und habe unbewusst das Unglück ausgelöst."

Der Hund war am 6. Mai über einen 1,20 Meter hohen Gartenzaun auf das Nachbargrundstück gesprungen, hatte sich auf die damals vierjährige Amelie (links im Bild) gestürzt und ihr einen etwa fünf mal 20 Zentimeter großen Hautlappen vom Kopf gebissen. Das heruntergerissene Hautstück heilte nur zum Teil an, das Kind wurde inzwischen 30 Mal operiert. Dem Hundehalter (rechts im Vordergrund) droht im Falle eines Schuldspruches eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren.

"Bin hingelaufen, um dem Kind zu helfen"
Bei dem Prozess schilderte der 42-Jährige, er habe der kleinen Amelie nur helfen wollen und dabei das Unglück unbewusst ausgelöst. Er sei an jenem 6. Mai mit dem Rottweiler in seinem Garten gewesen, weil "Avego" noch sein "Geschäft" verrichten sollte. Da habe er ein Nachahmen eines Gebells und dann den Dackel der Nachbarn bellen gehört. "Amelie hat richtig geschrien. Ich bin hingelaufen, um dem Kind zu helfen."

Als er aber dem Rottweiler, der nicht angeleint war, den Rücken zuwandte, sei Avego durch die rund 1,60 Meter hohe Hecke, in der sich der 1,20 Meter hohe Zaun befindet, auf das Nachbargrundstück gelaufen. Nach dem Kommando "Aus" habe der Hund sofort von dem Mädchen abgelassen, sagte der Angeklagte.

Er habe den Zaun auch erhöhen wollen, nachdem ihn der Vater des Mädchens bereits vor eineinhalb Jahren darum gebeten habe, weil der Rottweiler schon einmal über ein Gartentor gesprungen war. Das Tor habe er auch erhöht, so der Hundehalter, "ich habe auch vorgehabt, den Zaun höher zu ziehen. Da ist das Unglück aber dazwischengekommen". Weil er damals nicht das Geld hatte, habe er den Zaun nicht sogleich erhöht.

Staatsanwalt: Hund unzureichend verwahrt und beaufsichtigt
Der Hund habe schon einmal zugebissen, sei unzureichend verwahrt und beaufsichtigt worden und in bestimmten Situationen aggressiv gewesen, warf der Staatsanwalt dem bisher unbescholtenen Halter vor. Wenige Tage nach der Biss-Attacke wurde das Tier dann auch eingeschläfert.

Verteidigerin Sigrun List sah in dem Verhalten ihres Mandanten weder eine Verletzung der Aufsichtspflicht noch ein Vorliegen von besonders gefährlichen Verhältnissen. Ein Gutachten habe bestätigt, dass der Hund nicht aggressiv und nicht gefährlich gewesen sei. Ihr Mandant habe mit dem Rottweiler auch die "Begleithundeprüfung 1" absolviert.

Zum Vorwurf, der Rüde habe schon vor der Biss-Attacke mindestens einmal jemanden gebissen, meinte List: Eine Frau habe den Rüden im September 2009 in Kuchl während eines privaten Trainings provoziert. Bei einem zweiten Vorfall kurze Zeit später habe eine Zeugin gesagt, der Hund hätte nicht zugebissen.

25.000 Euro als Ersatz für Folgen von Attacke gefordert
Der Anwalt der Opferfamilie, Wolfgang Kleibel, fordert insgesamt 25.000 Euro als Teilschmerzens- und Verunstaltungsentschädigung. Die Verletzungsfolgen würden Amelie sehr belasten. Die Operationen unter Vollnarkose seien teilweise im Wochentakt erfolgt. "Es werden noch weitere Behandlungen notwendig sein", sagte Kleibel. Die Narben auf dem Kopf des Mädchens sind noch sichtbar.

Das Kind hatte eine Skalpierungsverletzung, Rissquetschwunden am Hals und an den Lippen, eine offene Impressionsfraktur und Abschürfungen erlitten. Nur zwei Drittel des heruntergebissenen Hautlappens sind wieder angeheilt, für den Rest war eine Hauttransplantation notwendig.

Wie die mittlerweile Fünfjährige die Biss-Attacke psychisch verkraftet, ist derzeit ungewiss. Die Mutter bezeichnete Amelie als "psychisch sehr stark und tapfer". Einzelrichter Gerhard Nathschläger vertagte die Verhandlung auf 3. Februar. Er will drei Zeugen hören, darunter eine Hundepsychologin.

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