So, 27. Mai 2018

Nach US-Abzug

22.12.2011 14:06

Anschlagsserie erschüttert Bagdad: Dutzende Tote

Eine Bombenserie in der irakischen Hauptstadt Bagdad hat am Donnerstag Dutzende Todesopfer gefordert. Die Behörden sprachen von mehr als 70 Toten und über 180 Verletzten. Es habe in mehreren Stadtvierteln, in denen Schiiten, Sunniten und auch Christen leben, mindestens zehn Detonationen gegeben. Kurz nach dem Abzug der letzten US-Kampftruppen handelte es sich um offenbar koordinierte Anschläge. Wer hinter dem Blutbad steckt, ist noch unklar.

Die Anschläge wurden in den Stadtvierteln Karrada, Al-Wasirija, Al-Schaab und Al-Alwija verübt. Im Innenstadt-Viertel Karrada explodierte eine Autobombe. Zur gleichen Zeit zündete ein Selbstmordattentäter seinen Sprengstoffgürtel.

Zwei Sprengsätze detonierten nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Al-Alwija in der Nähe eines Kinos. Augenzeugen berichteten von aufsteigenden Rauchsäulen in mehreren Stadtvierteln. Viele Beamte flohen in Panik aus ihren Büros, überall lagen zerstörte Autos übereinander.

Innenpolitische Krise im Irak
Der Irak durchlebt derzeit eine schwere innenpolitische Krise. Die Spannungen zwischen den verschiedenen Religionsgruppen verschärfen sich. Fast neun Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins kämpfen in dem tief gespaltenen Land Schiiten und Sunniten erbittert um die Macht.

Zuletzt hatte der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki mit der Entlassung aller sunnitischen Minister aus seiner Regierung gedroht, weil diese die Kabinettssitzungen boykottierten. Zuvor hatte die Justiz des Landes wegen Terrorvorwürfen Haftbefehl gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarek al-Hashemi erlassen. Die innenpolitische Krise kommt rund ein Jahr nach der Regierungsbildung (siehe auch Infobox).

Krisensitzung des Parlaments
Parlamentspräsident Osama al-Nujaifi berief eine Krisensitzung des Parlaments ein. Bei dem Treffen am Freitag soll es auch um die Vertrauenskrise zwischen sunnitischen und schiitischen Politikern gehen. Der Konflikt hatte in den vergangenen Tagen die Arbeit des Parlaments und der Regierung lahmgelegt.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hatte sich bereits vor den Explosionen "äußerst besorgt" über den Machtkampf im Irak gezeigt. Sie sehe die Berichte über die innenpolitischen Entwicklungen im Irak mit großer Sorge, erklärte Ashton am Mittwoch in Brüssel. Die Regierung in Bagdad und alle politischen Gruppen müssten in einen Dialog eintreten, um ihre Differenzen beizulegen.

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