Mo, 28. Mai 2018

Massen-Evakuierung

04.12.2011 16:20

Aufatmen am Rhein: Weltkriegsbomben entschärft

Bei einer der größten Evakuierungsaktionen seit dem Zweiten Weltkrieg ist in der deutschen Stadt Koblenz im Bundesland Rheinland-Pfalz am Sonntag eine 1,8-Tonnen-Luftmine ohne Zwischenfälle entschärft worden. Experten des Kampfmittelräumdienstes machten im Rhein zudem eine 125-Kilo-Fliegerbombe und ein sogenanntes Tarnnebelfass aus Kriegszeiten unschädlich (Bild). Am späten Nachmittag konnten die zuvor evakuierten rund 45.000 Anrainer in ihre Wohnungen zurückkehren.

"Wir sind erleichtert", sagte Feuerwehrsprecher Manfred Morschhäuser am Sonntag nach der knapp drei Stunden dauernden Arbeit der Experten vom Kampfmittelräumdienst. Der Kampfmittelräumdienst musste sich um die tonnenschwere britische Luftmine und die kleinere US-Bombe kümmern. Die Entschärfung der kleineren Bombe galt als besonders kompliziert, denn sie war den Experten zufolge in schlechtem Zustand.

Am Nachmittag gelang auch die kontrollierte Sprengung eines Fasses mit giftigen Chemikalien, dass ebenfalls im Rhein entdeckt worden war. Anschließend wurde die Evakuierung aufgehoben und das Sperrgebiet - ein 1,8 Kilometer großer Radius rings um die Bomben - wieder freigegeben. Die Sprengsätze waren wegen des niedrigen Wasserstands nach dem trockenen November aufgetaucht.

Gesamter Verkehr zum Stillstand gekommen
Die Evakuierung der Stadt war zuvor reibungslos verlaufen, wie das Pressezentrum mitteilte. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes konnten sogar früher als geplant mit der Entschärfung beginnen. Auch auf den Straßen, der Bahnlinie und dem Rhein war der Verkehr zum Stillstand gekommen.

Rund 2.500 Helfer aus ganz Rheinland-Pfalz waren im Einsatz. Transportwagen der Hilfsorganisationen hatten am Morgen noch rund 550 Menschen aus der Sperrzone gebracht. Schon in den vergangenen Tagen waren sieben Altenheime, zwei Krankenhäuser und eine Haftanstalt geräumt worden. Die Stadt hatte sieben Notunterkünfte mit 12.000 Plätzen eingerichtet. Rund 500 Menschen suchten dort Zuflucht - die meisten Koblenzer waren schon vor Sonntag abgereist.

Demenzkranke Frau in Sicherheit gebracht
Bei einem Kontrollgang durch die Stadt mit insgesamt 106.000 Einwohnern prüften am Sonntagvormittag zunächst noch rund 1.000 Einsatzkräfte, ob sich nicht doch noch Menschen in der Sperrzone aufhielten. Dabei musste die Feuerwehr vier verschlossene Türen öffnen. Eine demenzkranke Frau wurde so noch in Sicherheit gebracht. In drei Fällen war der Verdacht allerdings unbegründet - Zeitschaltuhren hatten das Licht in den Wohnungen brennen lassen.

Koblenz war schon öfter Schauplatz spektakulärer Entschärfungen, weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg als Militärzentrum und Verkehrsknotenpunkt stark bombardiert worden war. Bei der zuvor umfangreichsten Evakuierung in der Nachkriegsgeschichte hatten am Pfingstmontag 1999 rund 15.000 Koblenzer ihre Häuser räumen müssen.

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