Mi, 23. Mai 2018

Horror-Trip

20.09.2011 09:28

Ein Fall für den RTL-Urlaubsreporter: "Dead Island"

Strahlend blauer Himmel, kristallklares Wasser und feinster weißer Sandstrand – inmitten einer solchen Kulisse lässt es sich aushalten. Es sei denn, es verwandeln wie in Deep Silvers "Dead Island" ganze Horden von Zombies das Paradies in einen blutigen Albtraum und den Urlaub in einen sprichwörtlichen Horror-Trip.

Wie die Zombies auf das idyllische Eiland vor der Küste Papua-Neuguineas gekommen sind, bleibt in Deep Silvers Survial-Horror-Game "Dead Island" zunächst unklar, ist letzten Endes aber auch egal. Für die vier zur Auswahl stehenden Protagonisten – Wurf-Experte Logan, Feuerwaffen-Spezialistin Purna, Schlitzerin Xian oder Sam B., der sich bestens auf den Umgang mit stumpfen Waffen versteht – hat vorerst nur eines Priorität: zu überleben.

Dass das keinesfalls leicht werden wird, liegt auf der Hand. Genretypisch sind Waffen und Munition Mangelware, und auch die medizinische Versorgung lässt zu wünschen übrig: Erste-Hilfe-Kästen machen sich rar, für die schnelle Erholung zwischendurch stehen zumeist nur unmittelbar zu konsumierende Energy Drinks, Früchte, kleinere Snacks oder Alkohol zur Auswahl, wobei Letzteres sich negativ auf die Wahrnehmung auswirkt und die Sinne trübt.

Kämpfen oder fliehen?
Gerade die braucht es aber, um in den offenen und weitläufigen Landschaften, in denen hinter jeder Ecke der nächste Hinterhalt lauert, nicht den Kürzeren zu ziehen. Viele Zombies sind nämlich alles andere als träge und wittern Menschenblut bereits aus großer Distanz. Ist ihre Anzahl zunächst noch überschaubar, wimmelt es im späteren Spielverlauf gerade nur so von Untoten. Die schnelle Flucht erweist sich dann immer öfter als lohnende Alternative zur direkten Konfrontation.

Wer diese dennoch nicht scheut, kann auf ein reichhaltiges Arsenal an Waffen bzw. Gebrauchsgegenständen, die sich als solche nutzen lassen, zurückgreifen. Allen gemein ist, dass sie sich mit der Zeit abnutzen und verschleißen, was einen Besuch an einer der im Spiel verteilten Werkbänke nötig macht. Hier können die guten Stücke gegen Bares repariert oder auch modifiziert werden.

Survival Horror trifft auf Rollenspiel
Voraussetzung, um etwa aus einem Deodorant und einem Feuerzeug eine Deobombe zu basteln, sind jedoch spezielle Baupläne, die es sich durch das Absolvieren von Quests erst zu erarbeiten gilt. Fast noch wichtiger als die Blaupausen sind jedoch die Erfahrungspunkte, die das Lösen der vielfältigen Aufgaben mit sich bringt: Mit ihrer Hilfe lassen sich neue Talente wie eine höhere Schlagkraft, eine schnellere Selbstregeneration oder Spezialangriffe ("Raserei") freischalten.

Genau darin liegt schlussendlich auch der große Reiz von "Dead Island" begründet: Hat man die anfängliche Scheu vor den schreienden, röchelnden und schnaufenden Zombies erst einmal abgelegt, wird die Gier nach immer besseren Ausrüstungsgegenständen und Fähigkeiten geweckt und der Wunsch, seinen Charakter zu formen, wächst. Möglichkeiten, diese Gier zu befriedigen, gibt es viele: Zahlreiche Nebenquests laden dazu ein, die mit viel Liebe zum Detail gestalteten Landschaften zu erkunden – sei es zu Fuß oder mit dem Auto. Für ganz Faule steht in Unterschlüpfen, in denen auch Handel betrieben werden kann, überdies eine Schnellreise-Funktion zur Verfügung.

Kleinere Macken
Aller positiven Eigenschaften zum Trotz, muss sich "Dead Island" aber auch einige Kritik gefallen lassen. Da wären zum Beispiel die nicht unbedingt benutzerfreundliche Menüführung und das etwas umständlich zu handhabende Inventar. Schwerer wiegen allerdings die optischen Patzer, mit denen der Titel zu kämpfen hat, darunter etliche Clipping-Fehler und die mitunter zögerlich ladenden Texturen.

Schaurig-schöne Stimmung
Dem Spaß – sofern sich der Versuch, dieser blutigen Hölle zu entkommen, als solcher bezeichnen lässt - tut dies allerdings kaum einen Abbruch. Denn auch wenn "Dead Island" diverse Macken haben mag: das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und des Ausgeliefert-Seins bringt der Titel perfekt zum Ausdruck und erzeugt so eine ganz eigene schaurig-schöne und beklemmende Stimmung.

Wem das zu gruselig ist, der zieht vielleicht besser online mit bis zu drei weiteren Mitspielern in den Koop-Kampf. Auf einen lokalen Mehrspieler-Modus haben die Entwickler von Techland ("Call of Juarez") leider verzichtet.

Fazit: Survival Horror oder Rollenspiel? "Dead Island" vereint die Vorzüge beider Genres in sich und ist gerade deshalb so spielenswert. Seinen Charakter zu formen, neue Ausrüstungsgegenstände zu finden und immer bessere Waffen zu basteln, während sich in den riesigen, frei erkundbaren Welten immer mehr Untote zusammenscharen, macht schließlich auch den Hauptanreiz des blutigen und daher nur für Erwachsene geeigneten Überlebenskampfes aus. Die dabei erzeugte Gänsehaut-Atmosphäre lässt dann auch getrost über kleinere Schwächen in der Präsentation hinwegsehen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Deep Silver
krone.at-Wertung: 8/10

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